Ein Kreuz leuchtet auf dem Gewand eines Priesters. | Bildquelle: dpa

Sexueller Missbrauch Katholische Kirche uneins bei Aufarbeitung

Stand: 25.12.2018 16:06 Uhr

Die Weihnachtszeit nutzen einige Bischöfe auch zur Selbstkritik - und thematisieren die Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Das finden nicht alle gut.

In ihren Weihnachtspredigten haben einige Bischöfe selbstkritisch die Institution Kirche betrachtet. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sagte im Mainzer Dom, Weihnachten sei der Moment für eine persönliche Entscheidung zur Wahrheit oder zur Lüge. Auch die Kirche müsse sich entscheiden. "Wir stehen heute vor der erschreckenden Tatsache, dass es eine dunkle Seite dieser Kirche gibt", sagte Kohlgraf. "Sünde und Schuld müssen ans Licht. Ich habe in den letzten Monaten neu gelernt, dass wir zu banalisierend über Sünde reden."

Auch der Würzburger Bischof Franz Jung thematisierte die Missbrauchsfälle in der Kirche. "Mit Schrecken musste man sich schließlich eingestehen, dass selbst Heiligstes missbraucht werden kann wie der Schutzraum der Beichte", sagte Jung. "Auch die priesterliche Lebensform, die nach außen hin den Eindruck besonderer Sicherheit erweckte, garantierte keinen verlässlichen Schutz."

Machtmissbrauch in der DNA der Kirche?

Die in den vergangenen Jahren weltweit bekannt gewordenen Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester müssen nach Meinung des Hildesheimer Bischofs Heiner Wilmer zu einem grundlegenden Umdenken in der katholischen Kirche führen. Dies sei aus seiner Sicht ein Thema, "das so massiv das Gebälk der Kirche erschüttert wie nur selten große historische Ereignisse", sagte Wilmer in einem Interview auf NDR Info.

Zuvor hatte Wilmer gefordert, schon die Priesterseminare müssten genau hinsehen, wen sie aufnehmen und wie sie ausbilden. Er sprach von einer "historischen Zäsur", die auch theologische Antworten verlange. "Wir brauchen einen ganz neuen Umgang mit sexualisierter Gewalt", sagte er. Der Missbrauch von Macht stecke in der DNA der Kirche.

Widerspruch von Kardinälen Woelki und Marx

Dem widersprach der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. "Ich kann dieses Bild nicht teilen", sagte Woelki im Deutschlandfunk zu den Aussagen seines katholischen Amtsbruders. Wenn das so wäre, müsste der Staat einschreiten und die Kirche verbieten.

Der Großteil der Priester, der pastoralen Mitarbeiter und der kirchlichen Angestellten habe mit den sexuellen Missbrauchsfällen nichts zu tun, sagte er. Zudem verwies er darauf, dass "sexualisierte Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Phänomen" sei.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, betonte in der "Bild am Sonntag", zur Prävention und Aufarbeitung sei in der katholischen Kirche schon vieles in Gang gebracht worden. Nun gehe es um wichtige Schritte zur Reform der Kirche, sagte Marx und nannte beispielhaft die Themen Sexualmoral, Ausbildung und Lebensform der Priester sowie Macht und Teilhabe in der Kirche.

Papst thematisiert Missbrauchsfälle nicht

Papst Franziskus sparte das Thema Missbrauch bei den Weihnachtsfeierlichkeiten im Vatikan aus. Kinder und schwache, wehrlose Menschen betreffend sagte er, dass Jesus sie beschützen möge.

Auch der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke äußerte keine Selbstkritik. Es sei nicht Aufgabe der Kirche, sich um ihr Erscheinungsbild als Institution zu sorgen. Vielmehr müsse sich die Kirche darum kümmern, dass Gottes Licht weitergegeben werde, sagte Hanke bei seiner Predigt im Eichstätter Dom. Die Kirche müsse sich nicht in das Scheinwerferlicht öffentlicher Aufmerksamkeit und Anerkennung stellen. "Sie muss sich nicht profilieren als Mitspielerin im Konzert der öffentlichen und politischen Meinungen."

Papst Franziskus bei einem Treffen der Kurie | Bildquelle: AP
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Bei einem Treffen der Kurie am 22. Dezember erklärte der Papst, dass die Kirche nie wieder Missbrauch decken dürfe.

Tausende Minderjährige missbraucht

Im September hatte die Deutsche Bischofskonferenz eine Studie über sexuellen Missbrauch katholischer Kleriker an Kindern und Jugendlichen vorgestellt. Dabei wurden Personalakten zwischen 1946 und 2014 untersucht: Im Ergebnis sollen mindestens 1670 katholische Geistliche 3677 meist männliche Minderjährige missbraucht haben.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Dezember 2018 um 17:00 Uhr in den Nachrichten.

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