Neubauten in Frankfurt am Main

Steigende Mieten Großstadt muss man sich leisten können

Stand: 01.10.2019 16:22 Uhr

Wohnen zur Miete wird immer teurer - vor allem in den großen Städten. Neue Mietverträge liegen dort bis zu 25 Prozent über dem Gesamtdurchschnitt. Besonders bedrohlich ist das für Mieter mit niedrigem Einkommen.

Dass die Mieten in Städten höher sind als auf dem Land, war bekannt. Und dass sie dort schneller steigen auch. Wie rasant sich aber derzeit die Entwicklung vollzieht, zeigen Zahlen, die das Statistische Bundesamt heute präsentierte.

Demnach müssen Neumieter (Mietbeginn 2015 oder später) in den sieben größten deutschen Städten im Schnitt jetzt 10,80 Euro pro Quadratmeter zahlen, das sind satte 21 Prozent mehr als der Durchschnitt aller Altverträge in diesen Metropolen. Den höchsten Anstieg verzeichnete demnach Berlin mit fast 25 Prozent. Als Metropolen gelten die Städte Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt/Main, Stuttgart und Düsseldorf.

Mehrfamilienhäuser aus der Gründerzeit in der Nähe des Kollwitzplatzes im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg | Bildquelle: dpa
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Besonders stark gestiegen sind die Mieten in Berlin.

Mieten driften auseinander

Damit driften die Mieten in Deutschland immer weiter auseinander. Denn der deutlichen Steigerung in den Metropolen von 21 Prozent steht bundesweit nur ein Anstieg von zwölf Prozent zwischen neuen und alten Mietverträgen gegenüber.

Die steigenden Mieten bedeuten für Großstadtbewohner natürlich auch: Sie müssen einen immer größeren Teil ihres Einkommens fürs Wohnen aufwenden, mittlerweile sind es laut Statistischem Bundesamt 29,5 Prozent, bei Neuverträgen sogar 31 Prozent. Auf dem Land sind es nur rund 26 Prozent.

"Dringender Handlungsbedarf"

Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Eva Högl, sprach von einem dringenden Handlungsbedarf, "damit Wohnen auch in großen Städten bezahlbar bleibt". Jenseits der verlängerten Mietpreisbremse seien weitere wirksame Maßnahmen für einen besseren Schutz vor überhöhten Mieten nötig. Die SPD-Politikerin forderte einen Mietenstopp, damit Mieter eine Atempause bekommen.

Für die Linkspartei rügte Caren Lay, die Mietenpolitik der Bundesregierung sei "reine Kosmetik, denn sie hat nicht den Mut, sich mit den Preistreibern auf dem Wohnungsmarkt anzulegen". Die Mietpreisbremse sei ein einziger Flop.

Miete als Armutsrisiko

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, sagte: "Die Mietwohnung wird vielerorts zum echten Armutsrisiko." Der Mietenanstieg treffe bestimmte Gruppen besonders hart: Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung, die eine barrierefreie Wohnung suchten, Studierende, Alleinerziehende und kinderreiche Familien sowie Ausländerinnen und Ausländer, erklärte Schneider.

Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, sagte, die Belastungsgrenze bei den Mieten sei für armutsgefährdete Menschen überschritten. "Besonders diese Bürgerinnen und Bürger müssen wirksam vor solchen Mietbelastungen und Mietsteigerungen geschützt werden", erklärte Bentele.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Oktober 2019 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.

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