Jörg Meuthen, AfD | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX

Nach Kalbitz-Rauswurf Meuthen wehrt sich gegen AfD-interne Kritik

Stand: 24.05.2020 13:47 Uhr

Als treibende Kraft hinter dem Kalbitz-Rauswurf aus der AfD wird Bundessprecher Meuthen parteiintern als "Spalter" beschimpft. Gegen die Kritik wehrt er sich - und glaubt die Mehrheit der Partei hinter sich.

Im AfD-internen Machtkampf hat Parteichef Jörg Meuthen ein Ende der parteiinternen Kritik an ihm gefordert. Seinem Co-Vorsitzenden Tino Chrupalla und Fraktionschef Alexander Gauland warf er eine Überreaktion vor. "Wenn ich mir vergegenwärtige, was Herr Chrupalla und Herr Gauland sagen, dann halte ich das für eine Überreaktion, die dem Moment geschuldet ist", sagte Meuthen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Das legt sich wieder, und es muss sich auch legen, weil es einfach in der Sache falsch ist."

Meuthen zeigte sich überzeugt, dass eine Mehrheit der Parteimitglieder seinen Kurs mitträgt. "Ich weiß die Partei hier wirklich hinter mir", sagte der Bundesvorsitzende. Er wolle eine "rechtskonservative Partei, die bekennend freiheitlich und bürgerlich ist und auch patriotisch, aber eben nicht nationalistisch und nicht sozialistisch". Die AfD müsse frei von extremistischen Bezügen sein. "Die Brandmauer nach Rechtsaußen muss fest stehen", sagte Meuthen. 

Rauswurf wegen Mitgliedschaft in verbotener Vereinigung

Der AfD-Bundesvorstand hatte die Mitgliedschaft von Brandenburgs Ex-Landeschef Andreas Kalbitz auf Meuthens Betreiben per Mehrheitsbeschluss für nichtig erklärt. Als Grund wurde genannt, dass Kalbitz eine Mitgliedschaft in der inzwischen verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) und bei den Republikanern nicht angegeben hatte.

Der 47-jährige Kalbitz war seit 2017 Mitglied des AfD-Bundesvorstands. Er ist neben dem Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke der bekannteste Vertreter der rechtsnationalen Strömung der Partei - lange Zeit als der "Flügel" bekannt.

Seit Kalbitz' Rauswurf wird Meuthen in den sozialen Netzwerken mit Hass und Hetze überzogen und aus den eigenen Reihen als "Spalter" beschimpft.

Chrupalla: Meuthen schuld an "Selbstzerfleischung der AfD"

Gauland hatte sich zuletzt skeptisch zur Zukunft Meuthens geäußert. "Wenn Herr Kalbitz nicht Recht bekommen sollte, vor dem Parteigericht oder einem ordentlichen Gericht, dann ist das eben so", sagte Gauland dem "Spiegel". "Wenn er aber Recht erhält, dann wird es für diejenigen, die das losgetreten haben, schwierig." Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" soll Gauland parteiintern gesagt haben, er fürchte wegen Meuthen um sein "politisches Lebenswerk".

Auch Meuthens Co-Vorsitzender Chrupalla ist der Meinung, dass es besser gewesen wäre, erst ein "aussagekräftiges Rechtsgutachten" über die Frage der Aberkennung von Kalbitz' Parteimitgliedschaft einzuholen. Dass der Parteivorstand nicht auf diese Möglichkeit eingegangen war, habe zu einer innerparteilichen Auseinandersetzung geführt, "die in der Öffentlichkeit als Selbstzerfleischung der AfD wahrgenommen werden", hatte er in einem Rundschreiben erklärt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Mai 2020 um 23:38 Uhr.

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