Nordrhein-Westfalen, Stolberg: Ein Polizei Fahrzeug fährt am Bastinsweiher im Ortskern von Stolberg vorbei.  | Bildquelle: dpa

Nordrhein-Westfalen Angriff in Stolberg - Ermittler suchen Motiv

Stand: 14.09.2020 15:50 Uhr

Nach dem Messerangriff in Stolberg prüfen Ermittler einen islamistischen Hintergrund. Auch ein Zusammenhang mit den NRW-Kommunalwahlen wird nicht ausgeschlossen. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen.

Nach einem Messerangriff auf einen Autofahrer im rheinischen Stolberg prüfen die Ermittler einen islamistischen Hintergrund und einen möglichen Zusammenhang mit der Kommunalwahl am Sonntag in Nordrhein-Westfalen. Nach der Festnahme eines 21-Jährigen Tatverdächtigen übernahm die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf den Fall.

Der mutmaßliche Täter hatte in der Nacht zum Sonntag in der nordrhein-westfälischen Stadt Stolberg um 0:40 Uhr einen 23-Jährigen angegriffen, der in seinem Auto saß. Der Deutsch-Iraker riss dessen Autotür auf und stach mit einem Messer auf ihn ein. Dabei soll er laut Zeugenaussagen "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen haben. Das Opfer wurde nach Angaben der Polizei schwer am Arm verletzt. Der Generalstaatsanwaltschaft zufolge wird bislang noch wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Tat möglicherweise islamistisch motiviert

Die Ermittler gingen zudem Hinweisen nach, wonach der Tatverdächtige das 23-Jährige Opfer womöglich im Zusammenhang mit einem politischen Werbemotiv angegriffen haben könnte, auf dem der Vater des Opfers mit weiteren Menschen zu erkennen gewesen sei. Auf dem Motiv der AfD Stolberg waren bei Facebook vier Männer und der örtliche AfD-Vorsitzende Hans Wolf zu sehen. Dazu stand der Slogan "Auch Deutsch-Türken wollen Veränderung". Der Vater des Opfers ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft Türke. Sein Sohn hat die deutsche Staatsangehörigkeit. Der Vater des Opfers gab nach Ermittlerangaben bei seiner Befragung an, er habe einer Verwendung des entsprechenden Fotomotivs nicht zugestimmt und davon auch nichts gewusst.

AfD-Politiker Wolf hat inzwischen bestätigt, dass die Partei das Werbemotiv inzwischen bei Facebook gelöscht habe. Das Foto sei zufällig bei einem Rundgang im Stadtteil Mühle entstanden. Für die Veröffentlichung im Internet hätten die Beteiligten zugestimmt. Dass das Foto mutmaßlich zu einer Gewalttat geführt habe, erschüttere ihn. Die Polizei Köln bestätigte, dass Beamte den AfD-Politiker noch am Sonntag aufsuchten, um ihn "präventiv zu beraten". Wolf selbst sagte, die Polizei habe ihn gewarnt, im Dunkeln alleine vor die Tür zu gehen. Im Notfall solle er die 110 wählen.

Opfer musste operiert werden

Das 23-Jährige Opfer wurde nach der Tat laut Polizeiangaben in einer Klinik operiert. Nachdem die Ermittlungen eingeleitet wurden, wurde der Tatverdächtige dann am frühen Sonntagabend in Stolberg von Spezialkräften der Polizei bei einem Zugriff in einem Auto festgenommen. Auch ein 26-Jähriger weiterer Fahrzeuginsasse wurde zunächst festgenommen, er gilt aber laut Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft in dem Fall lediglich als Zeuge. Bei dem Zugriff wurden die beiden Männer und ein Beamter verletzt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. September 2020 um 14:00 Uhr.

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