Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer und Bundeskanzlerin Merkel | Bildquelle: AFP

USA-Reisen des Kabinetts Getrennte Anreise über den Atlantik

Stand: 22.09.2019 15:51 Uhr

Kanzlerin Merkel und Ministerin Kramp-Karrenbauer starten von Berlin in die USA. Obwohl sie fast zeitgleich fliegen, nutzen sie zwei Maschinen. Das sorgt für höhere Kosten, Kritik und Erklärungsbedarf.

Nahezu zeitgleich fliegen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer an die US-Ostküste. Für Aufsehen sorgt dabei die Tatsache, dass sie zwei verschiedene Maschinen der Luftwaffe nutzen und nicht gemeinsam im selben Flugzeug reisen.

Merkel flog am Sonntagnachmittag mit einem Airbus A340 von Berlin-Tegel in Richtung New York, um dort am Montag am UN-Klimagipfel und anschließend an der UN-Vollversammlung teilzunehmen. Kramp-Karrenbauer sollte eine halbe Stunde nach der Kanzlerin in einem Truppentransporter ebenfalls in Berlin-Tegel abheben. Ihr Ziel ist Washington, wo sie zum Antrittsbesuch bei US-Verteidigungsminister Marc Esper erwartet wird.

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Nur Fliegen wäre schöner

Keine Fluggastrechte, keine Erstattung, keine Entschädigung - aber jede Menge Pannen. Wer auf die Flugbereitschaft der Bundeswehr angewiesen ist, muss leidensfähig sein. Ein Überblick der prominentesten Fälle.

Angela Merkel kommt auf dem Flughafen Neu Delhi an.

Da klappte es wenigstens technisch: Kanzlerin Angela Merkel kam 2011 bei ihrem ersten Flug mit der neuen Regierungsmaschine trotzdem mit mehrstündiger Verspätung in Indien an, weil der Iran zeitweise keine Überflugrechte erteilte. Vier Jahre später streikte ihr Airbus bei einem Besuch in dem Land - zurück ging es in einem Truppentransporter der Bundeswehr. | Bildquelle: dpa

Pläne für Mitflug geändert

Ursprünglich war geplant, dass Kramp-Karrenbauer mit ihrer Delegation in der Kanzler-Maschine mitfliegt, in der auch Entwicklungsminister Gerd Müller und Umweltministerin Svenja Schulze reisen. Der Airbus A340 sollte erst in New York zwischenlanden und dann weiter nach Washington fliegen. Weil Kramp-Karrenbauer bereits am Montagabend nach Deutschland zurückfliegt, wollte sie eine normale Linienmaschine nehmen. Die Flugtickets waren bereits bestellt.

Doch dann soll nach Informationen der "Bild am Sonntag" das Kanzleramt dem Verteidigungsministerium signalisiert haben, dass ein Mitflug Kramp-Karrenbauers nicht gewünscht sei und die Anreise eigenständig erfolgen solle.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet in ihrer Online-Ausgabe, dass Kramp-Karrenbauer aus dem Kanzleramt mitgeteilt worden sei, dass sie ihre Delegation auf ein Minimum hätte zusammenstreichen müssen, um Platz in Merkels Maschine zu haben. Dadurch hätte die Verteidigungsministerin nicht einmal ihr engstes Führungsteam mitnehmen können. Diese Blöße habe sie sich nicht geben wollen. Weil alle anderen Regierungsmaschinen ausgebucht waren, wurde ein Truppentransporter bereitgestellt, mit bis zu 214 Sitzplätzen für die 15-köpfige Delegation der Ministerin.

Regierung rechtfertigt Vorgehen

Im Zuge der Reiseplanung sei versucht worden, "den Einsatz der Flugzeuge zu optimieren", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Vor dem Hintergrund, dass sich die Flugplanung nach dem jeweiligen Zielflughafen, der Flugstrecke, der Delegationsgröße und den terminlichen Verpflichtungen der Regierungsmitglieder richte, werde die Verteidigungsministerin direkt von Berlin nach Washington reisen. Das Ministerium verwies darauf, dass unterschiedliche Delegationsreisen "unabhängig geplant" würden.

Flugreisen stehen derzeit angesichts der Klimaschutzdebatte in der Kritik. "Der zusätzliche Flug ist nicht nur ökologisch unsinnig, sondern auch Steuergeldverschwendung", sagte der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen, Tobias Lindner, dem "Spiegel". Der Umgang mit den Maschinen der Flugbereitschaft habe "das Niveau von Kleinkindern, die sich um Sandförmchen streiten". Laut "Spiegel"-Informationen summieren sich die zusätzlichen Kosten infolge der Nutzung von zwei Maschinen auf bis zu eine halbe Million Euro.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 22. September 2019 um 18:04 Uhr.

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