Angela Merkel | dpa

Merkel zu AstraZeneca "Müssen Impfstoffen vertrauen können"

Stand: 30.03.2021 22:11 Uhr

Die Bundesregierung wird der geänderten STIKO-Altersempfehlung zu AstraZeneca folgen. Kanzlerin Merkel sagte, Vertrauen in die Impfstoffe sei wichtig - auch wenn die Entscheidung die Impfkampagne zurückwerfe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die neuen Altersbeschränkungen für das Präparat von AstraZeneca mit Blick auf das Vertrauen in die Corona-Impfungen gerechtfertigt. "Vertrauen entsteht aus dem Wissen, dass jedem Verdacht, jedem Einzelfall nachgegangen wird", sagte Merkel nach Beratungen mit den Ministerpräsidenten der Länder. Auch nach einer entsprechenden Einschätzung der Ständigen Impfkommission (STIKO) seien die Meldungen über Auffälligkeiten sehr selten, aber nicht zu ignorieren.

Die Entscheidung habe auch Folgen für die gesamte Impfkampagne: Es müsse Änderungen an Lieferplänen geben, und Bund, Länder und Kommunen wollten nun gemeinsam nötige Änderungen auch mit der stärkeren Einbeziehung der Praxen klären. Auch die Logistik müsse angepasst werden. Dass mehrere verschiedene Impfstoffe zur Verfügung stünden, sei daher ein großes Glück, sagte Merkel. Mit immer größeren Lieferungen könne man Schritt für Schritt die Pandemie überwinden.

Änderungen ab morgen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärte weiter, die Änderungen in der Altersempfehlung träten ab Mittwoch in Kraft. Das hätte unter anderem zur Folge, dass auch die Alterskohorte der 60 bis 69-Jährigen sich schon damit impfen lassen könnten, auch wenn sie nach der Priorisierung eigentlich noch nicht an der Reihe wären. "Die Älteren in dieser wachsenden dritten Welle zu schützen, ist wichtig." Er bitte daher darum, das bestehende Impfangebot anzunehmen. Der Impfstoff von AstraZeneca sei "sehr wirksam, gerade auch bei den Älteren", sagt Spahn.

Es sei "ohne Frage ein Rückschlag", wenn sich herausstelle, dass ein Impfstoff für eine bestimmte Altersgruppe ein erhöhtes Risiko berge.Das Vakzin könne aber auch weiterhin bei unter 60-Jährigen eingesetzt werden. Dies solle aber "nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung" geschehen.

Laschet für mehr Flexibilität

CDU-Parteichef Armin Laschet glaubt dennoch, dass sich viele Menschen mit AstraZeneca impfen lassen werden. In den tagesthemen sagte er: "Unser Gefühl in Nordrhein-Westfalen ist: Viele Menschen sagen, es gibt ein minimales Risiko, aber meine Sorge vor einer Corona-Infektion ist größer - ich lasse mich impfen." Man müsse gleichzeitig bei den Freigaben flexibler werden, etwa wenn jüngere Menschen sich nach ärztlicher Beratung doch für das Vakzin entschieden.

31 Fälle von Thrombosen

Hintergrund für die Änderungen ist eine seltene, aber schwere Nebenwirkung des Vakzins: Insbesondere bei jüngeren Frauen traten in einer Reihe von Fällen nach der Impfung Hirnvenenthrombosen auf. Es handelt sich um 31 Fälle, von denen neun tödlich verliefen. Experten gehen von einem kausalen Zusammenhang aus.

Die STIKO hatte deshalb ihre Altersempfehlung angepasst. Auch die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich dem angeschlossen und entschieden, AstraZeneca nur noch für Personen ab 60 Jahren einzusetzen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. März 2021 um 21:00 Uhr.