Angela Merkel | dpa

Appell von Merkel und Spahn "Je mehr Impfungen, umso freier"

Stand: 13.07.2021 16:38 Uhr

Erneut haben Kanzlerin Merkel und Gesundheitsminister Spahn die Menschen zur Impfung aufgerufen. Je mehr geimpft seien, desto freier könne man wieder leben, so Merkel. Einer Impfpflicht erteilten beide eine Absage.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn haben an die Menschen in Deutschland appelliert, sich impfen zu lassen. "Die Pandemie hat uns allen gezeigt, dass wir wechselseitig verwundbar sind und wir alle aufeinander angewiesen sind", sagte Merkel bei einem Besuch des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Manchem möge eine Impfung überflüssig oder bedrohlich erscheinen. Deshalb sage sie allen, die noch unsicher seien: "Eine Impfung schützt nicht nur Sie, sondern auch immer jemanden, dem Sie nahe stehen, der Ihnen wichtig ist, den Sie lieben."

Eine Impfung bewahre nicht nur vor schwerer Krankheit, sondern auch vor den belastenden Beschränkungen des Alltags. "Je mehr geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein, umso freier können wir wieder leben", so die Kanzlerin. Um auch mit aggressiveren Varianten des Virus zurechtzukommen, müssten 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen geimpft sein sowie 90 Prozent der über 60-Jährigen. "Von diesen Impfquoten sind wir noch weit entfernt." Ohne deutlich höhere Quoten werde es wieder sehr hohe Covid-19-Fallzahlen geben.

Einer Impfpflicht wie in Frankreich erteilte Merkel eine Absage. "Wir haben nicht die Absicht, diesen Weg zu gehen, den Frankreich vorgeschlagen hat. Wir haben gesagt, es wird keine Impfpflicht geben", sagte sie. Sie glaube nicht, dass durch eine Veränderung dieser Aussage Vertrauen gewonnen werden könne. Das könne man gewinnen, indem man für das Impfen werbe.

Spahn: "Es gibt keine Ausreden mehr"

Auch Spahn erklärte, es werde keine Impfpflicht geben. Er sprach aber von einem "Impfgebot". US-Präsident Joe Biden habe das Impfen als patriotische Pflicht bezeichnet. Damit habe er Recht, so Spahn. Je mehr Menschen sich jetzt impfen ließen, desto besser komme man durch Herbst und Winter. "Wir haben es selbst in der Hand, in den nächsten Wochen den entscheidenden Unterschied zu machen." Das Impftempo sei hoch. "Wir sehen aber, dass es nachlässt."

Spahn verwies auf die gute Versorgungslage mit Impfstoffen. Termine seien zudem leicht zu bekommen. "Es gibt keine Ausreden mehr", sagte er. "Impfen Sie sich auch, um unsere Kinder und Jugendlichen zu schützen." Nachdem die jungen Menschen in den letzten Monaten auf viel verzichtet hätten, müssten die Erwachsenen nun auch Rücksicht auf sie nehmen.

Seehofer: Impfpflicht immer nur "Ultima Ratio"

Frankreichs Präsident Macron und die Regierung Griechenlands hatten am Montag angekündigt, jeweils eine Impfpflicht für Personal im Gesundheitswesen einzuführen. Eine Ausweitung dieser Pflicht auf die Gesamtbevölkerung sei zudem möglich, sagte Macron. Eine Debatte darüber, ob für bestimmte Berufsgruppen eine Impfung verbindlich vorgeschrieben werden sollte, hatte es zuvor auch in Deutschland gegeben.

Bundesinnenminister Horst Seehofer sprach sich nun deutlich gegen eine Verpflichtung zur Impfung für Polizisten aus. "Ich bin gegen eine Impfpflicht, zumal wir noch viele Möglichkeiten haben, durch Kampagnen und Anreize zu einem höheren Impfverhalten beizutragen", sagte der CSU-Politiker. Eine Impfpflicht könne immer nur "Ultima Ratio" sein.

Seehofer hatte sich rund drei Wochen nach seiner ersten Impfung mit dem Vakzin von BioNTech und Pfizer im Mai mit dem Coronavirus infiziert. Zu seiner Covid-19-Erkrankung sagte er: "Das ist selbst bei mildem Verlauf eine teuflische Angelegenheit."

Zahl der Impfungen geht zurück

Merkel und Spahn hatten sich bei ihrem Besuch im RKI mit dessen Präsident Lothar Wieler ausgetauscht. Dabei ging es unter anderem um den Einfluss der Impfungen auf den Pandemieverlauf vor dem Hintergrund wieder steigender Infektionszahlen durch die Delta-Variante des Coronavirus.

Aktuell haben mehr als 58 Prozent der Menschen in Deutschland eine Corona-Schutzimpfung erhalten. Etwa 43 Prozent haben den vollständigen Schutz, für den bei den meisten Herstellern zwei Impfungen erforderlich sind. Zuletzt ging die Zahl der Impfungen zurück

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Juli 2021 um 12:45 Uhr.

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Moderation 13.07.2021 • 20:15 Uhr

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