Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX

Kanzlerin vor Sommerpause "Solidarisch mit den attackierten Frauen"

Stand: 19.07.2019 18:35 Uhr

Die Kanzlerin verabschiedet sich in ihre Sommerpause. Auf ihrer Pressekonferenz wird Merkel ungewohnt deutlich gegen den US-Präsidenten und dessen rassistische Ausfälle gegen US-Demokratinnen.

Von Dagmar Pepping, ARD-Hauptstadtstudio

Angela Merkel ließ es stoisch über sich ergehen. Die Kanzlerin war fünf Minuten früher als erwartet zu ihrer traditionellen Sommer-Pressekonferenz eingetroffen und blickte freundlich in die Kameras. Der Saal der Bundespressekonferenz war brechend voll. Zur Einleitung verkündet die Kanzlerin, diese Woche sei "sehr ereignisreich" gewesen.

Ein typisches Merkel-Understatement zu Beginn eines zehnminütigen Monologes quer durch die wichtigsten Themen der Innen- und Außenpolitik. Schon dort spürbar: Merkels Zufriedenheit über zwei Personalentscheidungen. Die Wahl von Ursula von der Leyen zur künftigen Präsidentin der EU-Kommission, sei eine aus ihrer Sicht "wirklich gute Nachricht für Europa." Die andere Personalie war Annegret Kramp-Karrenbauers überraschender Eintritt in das Bundeskabinett: "Hier zeigt sich, dass wir wieder eine sehr gute Verteidigungsministerin haben werden."

"Sie kennen mich"

Als eine Fragestellerin sagt, die Kanzlerin habe mit diesen beiden Personalien "ein Stück weit ihren Nachlass geregelt", zieht Merkel kurz die Augenbrauen zusammen. Auf die Frage, wie es ihr jetzt gehe, antwortet die 65-Jährige: "Gut. Bei so vielen interessanten Fragen geht es mir gut."

Fragen auch zu ihrem Gesundheitszustand. Drei Mal hatte die Kanzlerin in den vergangenen Wochen bei öffentlichen Auftritten deutlich gezittert. Merkels Botschaft an die Journalisten im Saal und an die Bürger im Land: "Sie kennen mich ja nun auch schon eine ganze Weile und ich kann diese Funktionen ausfüllen."

Schließlich habe auch sie persönlich ein "hohes Interesse" an ihrer Gesundheit. "2021, das habe ich ja gesagt, ist der Abschluss meiner politischen Arbeit. Aber dann hoffe ich, dass es noch ein weiteres Leben gibt und das würde ich dann auch gerne gesund weiterführen."

In der Bundespressekonferenz zieht Kanzlerin Merkel Bilanz
tagesthemen 21:45 Uhr, 19.07.2019, Hanni Hüsch, ARD Berlin

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CO2-Preis für Merkel der beste Weg

Zunächst steht nach Einschätzung der Kanzlerin der Regierungskoalition ein "arbeitsreicher Herbst" bevor, mit wichtigen Entscheidungen zum Beispiel beim Klimaschutz, etwa ob es eine Abgabe auf den Ausstoß von CO2 geben soll. "Ich plädiere dafür, dass wir neben anderen Maßnahmen auch eine Bepreisung haben werden", so Merkel.

Einen Konsens darüber gebe es in der Koalition noch nicht, räumte die Kanzlerin ein. Die Große Koalition habe in den vergangenen Wochen aber gezeigt, dass sie handlungsfähig sei. Die Zusammenarbeit mit den drei Interimsvorsitzenden der SPD und Vizekanzler Olaf Scholz sei "sehr, sehr verlässlich". "Das gibt mir auch den Optimismus, dass man die Regierungsarbeit sehr wohl weiterführen kann", resümiert Merkel.

Solidarität mit von Trump beschimpften Frauen

90 Minuten dauert die letzte Pressekonferenz, bevor sich die Kanzlerin am Wochenende in den dreiwöchigen Urlaub verabschiedet. Ganz zum Schluss tritt Merkel - ungewohnt undiplomatisch - Donald Trump kräftig vor das Schienbein. Der US-Präsident hatte weibliche Kongressabgeordnete der Demokratischen Partei attackiert, die Trump daraufhin Rassismus vorwarfen.

"Ich distanziere mich davon entschieden und fühle mich solidarisch mit den drei attackierten Frauen."

Rashida Tlaib (l-r), Ilhan Omar, Alexandria Ocasio-Cortez und Ayanna Pressley, alle Kongressabgeordnete der Demokraten, sprechen auf einer Pressekonferenz über die Äußerungen von US-Präsident Trump. | Bildquelle: dpa
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Merkel zeigt sich solidarisch mit den US-Kongressabgeordneten Rashida Tlaib (l-r), Ilhan Omar, Alexandria Ocasio-Cortez und Ayanna Pressley.

Eine "sehr starke Äußerung", meint Kristina Dunz von der "Rheinischen Post", die die Kanzlerin seit Jahren auf Terminen im In- und Ausland beobachtet. "Persönlich fand ich, dass sie nicht ganz so frisch wirkte, wie in manchen Jahren zuvor. Sie hat in früheren Pressekonferenzen oft ein wenig mit den Journalisten gespielt. Sie hat auch häufiger Witze gemacht, das war etwas weniger heute."

Merkel will ihren Urlaub unterbrechen

Auf Florian Gathmann von "Spiegel Online" hat Merkel einen "ganz zufriedenen Eindruck" gemacht. "Vielleicht ist sie deswegen auch so halbwegs entspannt, weil sie so kurz vor dem Urlaub nochmal wichtige Sachen eingetütet hat. Ich gehe schon davon aus, dass sie ihres dazu getan hat, Frau Kramp-Karrenbauer dazu zu bewegen, doch ins Kabinett einzutreten."

Am Mittwoch unterbricht Merkel übrigens ihren Urlaub für einen Tag. Sie nimmt an der Sondersitzung des Bundestages teil, bei der die neue Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer ihren Amtseid leistet.

Über dieses Thema berichtete am 19. Juli 2019 tagesschau24 um 11:00 Uhr, die tagesschau um 12:00 Uhr und NDR Info um 12:15 Uhr sowie 12:45 Uhr in den Nachrichten.

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Dagmar Pepping, NDR

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