Kanzlerin Merkel in der Pressekonferenz | Bildquelle: REUTERS

G7-Gipfel in Washington Merkel gibt Trump einen Korb

Stand: 30.05.2020 11:00 Uhr

Kanzlerin Merkel wird aller Voraussicht nach nicht zu einem G7-Gipfel nach Washington reisen. Dazu hatte Präsident Trump eingeladen. Ein anderer europäischer Regierungschef befürwortet ein Präsenztreffen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird voraussichtlich nicht zum G7-Gipfel in die USA fliegen, zum dem Präsident Donald Trump Ende Juni in Washington eingeladen hat. Die Kanzlerin danke Trump für die Einladung, teilte ein Regierungssprecher mit. Mit Stand heute könne Merkel "in Anbetracht der Pandemie-Gesamtlage ihre persönliche Teilnahme, also eine Reise nach Washington, nicht zusagen." Die Kanzlerin werde die Entwicklung der Pandemie weiter im Blick behalten.

Zuvor hatte das US-Magazin "Politico" unter Berufung auf Regierungssprecher Steffen Seibert über die Absage berichtet.

"Signal der Normalisierung"

Der US-Präsident wünscht sich inmitten der Corona-Krise, die in den USA bereits mehr als 100.000 Menschenleben gekostet hat, ein Präsenztreffen in Washington. Er selbst sprach von einem "großartigen Signal der Normalisierung".

Die US-Regierung plant, das Treffen hauptsächlich im Weißen Haus stattfinden zu lassen. Jüngste Daten besagen allerdings, dass der Großraum der US-Hauptstadt überproportional stark von der Pandemie betroffen ist. Außerdem gelten strenge Reisebeschränkungen zwischen den USA und Europa. Dies würde weniger die Staat- und Regierungschefs, aber die Delegationen treffen.

Schöne Bilder für die Wahlkampagne?

Trump versucht seit Wochen, in der Corona-Pandemie Zuversicht zu verbreiten, und stellt seit längerem eine schnelle Erholung des Landes in Aussicht. Vehement fordert er von den Bundesstaaten eine schnelle Normalisierung und die Aufhebung von Beschränkungen - obwohl es so viele Infizierte und Todesopfer gibt.

Kritiker des Präsidenten vermuten, dass er angesichts der Corona-Lage und dem steilen Anstieg der Arbeitslosenzahlen um seine Wiederwahl fürchtet. Ein "realer" Gipfel wäre ein PR-Erfolg für Trump, der gute Bilder für seinen Wahlkampf produzieren würde.

Johnson für "reales" Gipfeltreffen

Ein Schild weist auf die Trump National Doral Hotelanlage mit Golfplatz hin. | Bildquelle: AFP
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Ursprünglich sollte das G7-Treffen in einem Trump-Hotel in Doral (Florida) staffinden.

Ursprünglich war das G7-Treffen für den 10. bis 12. Juni geplant gewesen. Zunächst schlug Trump seine eigene Hotelanlage in Florida als Austragungsort vor. Nachdem dies sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern auf Widerstand stieß, sollte der Gipfel dann auf dem Landsitz des Präsidenten in Camp David stattfinden.

Im März hatte die US-Regierung den Gipfel dann abgesagt und stattdessen eine Videokonferenz angesetzt. Vor zehn Tagen kündigte Trump dann überraschend an, angesichts einer Erholung in der Corona-Krise denke er darüber nach, die Zusammenkunft doch als reales Treffen abzuhalten.

Bei einem Telefonat mit dem US-Präsidenten sprach sich gestern auch der britische Premierminister Boris Johnson für ein Treffen in den USA aus. Johnson überstand eine Covid-19-Erkrankung.

Neben den USA, Großbritannien und Deutschland zählen auch Frankreich, Italien, Japan und Kanada zu den G7-Staaten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. Mai 2020 um 09:15 Uhr in den Nachrichten.

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