Horst Seehofer und Angela Merkel | Bildquelle: dpa

Streit der Schwesterparteien Merkel fährt nicht zum CSU-Parteitag

Stand: 15.12.2017 18:18 Uhr

Lange wurde darüber spekuliert, jetzt ist es entschieden: Die CDU-Vorsitzende und Kanzlerin Merkel wird nicht zum CSU-Parteitag fahren. Das bestätigte ein CSU-Sprecher dem ARD-Hauptstadtstudio. Einen erneuten Streit der Schwesterparteien auf offener Bühne wolle man vermeiden, verteidigte CSU-Vize Aigner die Entscheidung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel fährt Ende nächster Woche nicht zum Parteitag der Schwesterpartei CSU nach München. Darauf einigte sich die Kanzlerin am Freitagabend in einem vertraulichen Vier-Augen-Gespräch mit dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer im Kanzleramt. Einen entsprechenden "BamS"-Bericht bestätigte ein CSU-Sprecher gegenüber dem ARD-Hauptstadtstudio.

Die CSU bricht damit mit einer jahrzehntelangen Tradition. Eine Teilnahme der Parteivorsitzenden an den jeweiligen Parteitagen der Schwesterpartei gilt in der Union normalerweise als obligatorisch.

Spannungen wegen Flüchtlingspolitik

Ursprünglich wollte die CSU erst auf ihrer Vorstandssitzung am Montag über eine Teilnahme Merkels entscheiden. Seehofer hatte bis zuletzt offen gelassen, ob er Merkel einladen werde. Hintergrund ist das seit der Flüchtlingskrise angespannte Verhältnis der beiden Parteivorsitzenden.

Die Annäherung beider Parteien sei zwar auf einen guten Weg, heißt es in Unionskreisen. Aber die Lösung aller Streitpunkte seien noch nicht abgeschlossen. Ein Auftritt Merkels bei der CSU wäre noch zu früh. Das bedeute aber nicht automatisch, dass Seehofer auch nicht zum CDU-Parteitag Anfang Dezember nach Essen komme.

Kein Streit mehr auf offener Bühne

Auch Bayerns Wirtschaftsministerin und CSU-Vize Ilse Aigner verteidigte die Entscheidung. "Es hat keinen Sinn, offene Sachfragen auf der Bühne zu klären", sagte Aigner der "Welt am Sonntag". Wie es aussehe, wenn man den Dissens zelebriere, habe man im vergangenen Jahr erlebt. "Das müssen wir nicht wiederholen", so Aigner weiter.

Beim Parteitag 2015 hatte Seehofer die Kanzlerin direkt nach ihrer Gastrede auf der Bühne bloßgestellt. Dies hatte die Stimmung zwischen den Schwesterparteien schwer belastet.

Mit Blick auf die Bundestagswahl 2017 sagte Aigner, Merkel werde sicher in Absprache mit Seehofer über eine erneute Kanzlerkandidatur entscheiden. Sie werde erst gemeinsam mit Seehofer die Themen klären und sich dann äußern.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Oktober 2016 um 14:00 Uhr.

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