Eine Spritze liegt auf einem Impfpass (Archivbild) | dpa

Ende der Übergangsfrist Masern-Impfpflicht gilt ab Sonntag

Stand: 29.07.2022 13:36 Uhr

Bislang galt für die Masern-Impfpflicht eine Übergangsfrist. Ab dem 31. Juli aber müssen Eltern die Impfung ihrer Schul- und Kitakinder uneingeschränkt nachweisen können. Auch in anderen Bereichen gilt die Impfpflicht.

Von Sonntag an gilt in Deutschland eine uneingeschränkte Impfpflicht bei Masern. Kinder und Beschäftigte in Schulen und Kitas, aber auch in Flüchtlingsunterkünften, Arztpraxen und Krankenhäusern müssen dann gegen die Infektionskrankheit nachweislich geschützt sein.

Der Bundestag hatte die Masern-Impfpflicht 2019 beschlossen. Seit 1. März 2020 greift sie für Kinder ab dem Alter von einem Jahr, die in Kitas und Schulen neu aufgenommen werden. In einer zweiten Stufe müssen nun bis 31. Juli auch für Jungen und Mädchen Impfnachweise - oder bei Genesung von Masern ärztliche Atteste - vorgelegt werden, die am 1. März 2020 schon in den Einrichtungen waren.

Wegen Corona zwei Fristverlängerungen

Die Frist, die auch für Personal gilt, sollte eigentlich im August 2021 enden. Sie war dann aber wegen der Corona-Pandemie zwei Mal verlängert worden. Nichtgeimpfte Kinder können vom Kita-Besuch ausgeschlossen werden. An Schulen geht dies wegen der Schulpflicht nicht. Verhängt werden können am Ende auch Bußgelder bis zu 2500 Euro.

Schon vor dem Streit über Corona-Impfungen war über die Impfpflicht bei Masern heftig diskutiert worden. Im Mai 2020 lehnte das Bundesverfassungsgericht einen Eilantrag von Impfgegnern ab, die Masern-Impfpflicht für Kinder in Kitas und Kindergärten aufzuheben. Damit scheiterten mehrere Eltern, die ihre einjährigen Kinder auch ohne Impfung in einer Kita beziehungsweise von einer Tagesmutter betreuen lassen wollen.

Infektionen im schlimmsten Fall tödlich

In Deutschland kommt es immer wieder zu Masernausbrüchen, da weniger als 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass sich die Masern nicht ausbreiten können, wenn mehr als 95 Prozent der Bürger eine Immunität gegen Masern durch Impfung oder durch eine durchgemachte Erkrankung haben.

Komplikationen im Zusammenhang mit Maserninfektionen sind laut Experten nicht selten. Bernd Salzberger, Infektiologe am Universitätsklinikum Regensburg, erklärte gegenüber tagesschau24, diese beträfen häufig die Lunge, aber auch das Gehirn. Etwa könnten Entzündungen die Folge einer Masernerkrankung sein, so Salzberger. Im schlimmsten Fall könnten Kinder oder Erwachsene sterben. Auch Erblindungen und andere bleibende Behinderungen könnten aus einer Infektion resultieren.

Zwei Impfungen erforderlich

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine erste Impfung gegen Masern als Masern-Mumps-Röteln-Kombinationsimpfung (MMR) bei Kindern im Alter von 11 bis 14 Monaten. Eine zweite Impfung sollte im Alter von 15 bis 23 Monaten erfolgen.

Für Erwachsene empfiehlt die STIKO eine Impfung gegen Masern für alle, die nach 1970 geboren wurden. Bei den Älteren vertraut der Gesetzgeber darauf, dass die meisten von ihnen als Kinder bereits eine Masern-Krankheit durchgemacht haben. Eine durchlebte Infektion bietet einen lebenslangen Schutz.