Kind wird gegen Masern geimpft

Steigende Infektionszahlen Masern-Ausbreitung alarmiert WHO

Stand: 30.11.2018 14:49 Uhr

Die Weltgesundheitsorganisation schlägt Alarm: 2017 ist die Zahl der Masern-Infektionen im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel gestiegen - und der Trend hält an. Auch in Deutschland bestehe Grund zur Sorge.

Angesichts der raschen Ausbreitung des Masernvirus ist die Weltgesundheitsorganisation (WHO) alarmiert. 2017 seien weltweit 30 Prozent mehr Fälle registriert worden, teilte die Organisation der Vereinten Nationen in Genf mit.

In diesem Jahr seien es schon bis November zehn Prozent mehr Fälle gewesen als im gesamten Vorjahr.

Die WHO hatte einst das Ziel ausgegeben, Masern bis zum Jahr 2020 auszurotten. Dieses Ziel dürfte nun verfehlt werden.

Deutsche zu leichtsinnig?

Besorgniserregend sei auch die Entwicklung in Deutschland, erklärten die Experten. Weil viele Eltern kaum noch Masernfälle sähen, unterschätzten sie möglicherweise die Gefahr und würden leichtsinnig, sagte Martin Friede von der WHO-Fachabteilung für Impfungen. "Wir werden Opfer unseres eigenen Erfolgs."

Ein Bericht der Nationalen Verifizierungskommission Masern/Röteln (NAVKO) gibt die Zahl der Maserninfektionen in Deutschland mit 929 Fällen an. Der Nationale Aktionsplan zur Eliminierung der Masern sei "entweder nicht oder nur bedingt erreicht" worden, heißt es dort.

Anders als Deutschland sei es 37 von 53 europäischen Staaten gelungen, Masern zu eliminieren. Deutschland habe dieses Ziel zum wiederholten Male verfehlt.

Infektionskrankheit kann tödlich verlaufen

Eine Infektion mit dem Masernvirus geht mit roten Hautflecken, Erschöpfung und Fieber einher. In manchen Fällen können Lungen- und Hirnhautentzündungen auftreten. Besonders gefährdet sind Kleinkinder unter zwei Jahren. Eine spezifische Therapie gibt es nicht, eine Erkrankung kann jedoch durch Impfung verhindert werden.

"Masern sind eine höchst ansteckende, bisweilen tödliche Krankheit mit vielen Komplikationen", warnte Impfexpertin Ann Lindstrand. 110.000 Menschen seien an Masern gestorben, die meisten davon Kinder, schätzt die WHO. Nach Schätzungen der WHO könnten insgesamt 6,7 Millionen Menschen weltweit betroffen sein.

In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass in 110.000 von 190.000 Fällen die Infektion tödlich war. Das ist falsch. Tatsächlich schätzt die WHO die Zahl der Masern-Fälle weltweit auf 6,7 Millionen Menschen. 190.000 wurden nur offiziell auch gemeldet.

Über dieses Thema berichtete am 29. November 2018 Deutschlandfunk Nova um 19:00 Uhr und NDR Info um 20:00 Uhr in den Nachrichten.

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