Die "Konrad Adenauer" der Flugbereitschaft auf dem militärischen Teil des Airports Berlin-Tegel | Bildquelle: dpa

Reifenpanne in New York Schaden am Flugzeug bremst Maas aus

Stand: 01.04.2019 20:17 Uhr

Erneut bringt eine Panne an einem Regierungsflieger die Pläne eines deutschen Ministers durcheinander. An dem Airbus A340, mit dem Außenminister Maas nach New York reiste, platzte bei der Landung ein Reifen.

Beim ersten Dienstflug des Regierungsfliegers "Konrad Adenauer" nach einer viermonatigen Generalüberholung hat es gleich wieder eine Panne gegeben. Nach neunstündigem Flug von Berlin nach New York mit Bundesaußenminister Heiko Maas an Bord platzte bei der Landung ein Reifen, so dass der Airbus A340 nicht selbstständig in die Parkposition kommen konnte.

"Wir haben Probleme mit einem Reifen, so dass wir geschleppt werden müssen", gab der Pilot nach der Landung durch.

Mehr als eine Stunde im Flieger warten

Maas war nach New York gereist, um für Deutschland den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat einzunehmen. Es ist das erste Mal seit sieben Jahren, dass Deutschland den Sitz innehat. Maas musste mehr als eine Stunde im Flieger warten und verpasste wegen des Zwischenfalls den Auftakt einer informellen Sitzung des wichtigsten Gremiums der Vereinten Nationen.

Nach den Regularien des Flughafens John F. Kennedy in New York dürfen Maschinen mit geplatztem Reifen nicht selbstständig in die Parkposition fahren. Maas stieg letztlich auf dem Flugfeld aus, bevor die Parkposition erreicht wurde.

"Bei uns ist die Luft nicht raus"

Die Luftwaffe nahm die Panne mit Humor. "Bei uns ist die Luft nicht raus", twitterte sie. Aber bei der Landung sei ein Reifen überhitzt und das Sicherheitsventil habe kontrolliert Luft abgelassen. "Der Reifen muss getauscht werden." Die Weiterreise verzögere sich gegebenenfalls, hieß es.

Nach "Spiegel"-Informationen war die Ursache für die Überhitzung ein Defekt am Bremssystem. Nach einer ersten Analyse der Bundeswehr hätten Techniker der Lufthansa das betroffene rechte Fahrwerk und die Reifen des Jets bei der Generalüberholung in den letzten Monaten komplett ausgetauscht. Bei der Landung habe dann aber das System versagt, das verhindern soll, dass die Reifen beim Abbremsen blockieren.

Auch Merkel hatte Probleme

Mit der "Konrad Adenauer" war am 29. November Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Weg zum G20-Gipfel in Argentinien gestrandet. Es war die schwerste Panne bei einem Regierungsflug in den vergangenen Jahren oder sogar Jahrzehnten. Merkel musste deswegen ihren Flug nach Buenos Aires abbrechen und kam einen Tag zu spät zum Gipfel der wichtigsten Wirtschaftsmächte der Welt.

Ein defektes Bauteil - eine zentrale Schalteinheit in der Bordelektronik - hatte gleich zwei Funksysteme lahmgelegt, die sich im Notfall gegenseitig ersetzen sollen. Außerdem konnte der Pilot durch den Defekt kein Kerosin in der Luft ablassen, um das Landegewicht zu verringern. Der in Berlin gestartete Flieger musste umkehren und wurde auf den Flughafen Köln/Bonn geleitet.

Die Kanzlerin musste mit einer spanischen Linienmaschine weiterfliegen - ohne den größten Teil ihrer Delegation.

Drei neue Langstreckenmaschinen in Auftrag

Die "Konrad Adenauer" wurde repariert und in der Werft der Lufthansa in Hamburg anschließend generalüberholt. Aber auch dabei lief nicht alles wie geplant.

Jetzt durfte ausgerechnet der Minister den Flieger als erstes testen, der schon vor Abflug in Berlin das jüngste Opfer der Pannenserie der Bundeswehr-Flugbereitschaft war. Er hatte im Februar zum Abschluss einer Afrika-Reise einen unfreiwilligen Aufenthalt in der malischen Hauptstadt Bamako. Maas musste dort 20 Stunden auf einen Ersatzflieger warten. Es war seine erste Panne nach 300.000 Flugkilometern.

Die Bundesregierung zog inzwischen Konsequenzen aus den zahlreichen Pannen bei den Regierungsfliegern. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gab die Beschaffung von drei neuen Langstreckenmaschinen in Auftrag, die die Flotte von derzeit 14 teils recht alten Flugzeugen ergänzen sollen. Außerdem bietet die Bundeswehr Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nun den Mitflug einer zweiten Maschine bei wichtigen Reisen an.

Der FDP reicht das nicht aus. Die Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann bekräftigte ihre Forderung nach einer Generalüberholung der gesamten Flotte und einer Neuanschaffung von Fliegern außerhalb des Verteidigungsetats. "Die erneute Panne an einem Regierungsflieger macht sprachlos", sagte sie. "Es ist nicht nur peinlich für die Vertreter der Bundesrepublik, sondern auch lebensgefährlich."

Reifen geplatzt, Auftakt auch: Außenminister Maas verspätet zum UN-Sicherheitsrat
Kai Clement, ARD New York
01.04.2019 17:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. April 2019 um 16:29 Uhr.

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