Ein Arzt zeigt auf das Röntgenbild einer Lunge. | Bildquelle: picture alliance/dpa

Hilfe bei Lungenkrebs Behandeln nach "Schlüssel-Schloss-Prinzip"

Stand: 08.07.2019 00:02 Uhr

Diagnose Lungenkrebs - das bedeutet oft immer noch ein Todesurteil. Doch es gibt Fortschritte in der Krebstherapie. 15 Klinikzentren haben sich deutschlandweit vernetzt, um Diagnose und Therapie zu verbessern.

Von Martin Rottach, SWR

Weltweit sterben Krebspatienten am häufigsten an Lungenkrebs. Er ist der dritthäufigste Krebs und wird oft erst entdeckt, wenn es schon zu spät ist. 60 bis 70 Prozent aller neu diagnostizierten Patienten sind im Stadium 4. Das bedeutet, dass der Krebs nicht mehr operierbar ist. Lungenkrebs bedeutet oft ein Todesurteil.

Reinhard Büttner und Jürgen Wolf von der Universitätsklinik Köln haben dieser Krebsart zusammen mit der Deutschen Krebshilfe den Kampf angesagt. Sie organisierten einen Zusammenschluss von 15 Krebszentren an Universitätskliniken in Deutschland: das nationale Netzwerk Genomische Medizin Lungenkrebs. "Beim Lungenkrebs gibt es viele spannende Mutationen, die spezifische Therapien ermöglichen. Leider gibt es immer noch einen erheblichen Teil an Lungenkrebspatienten, die nicht ausführlich diagnostiziert werden," sagt Büttner.

Ein älteres Paar ist im Gespräch mit einem Arzt. | Bildquelle: picture alliance / BSIP
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Personalisierte Verfahren und individuell abgestimmte Therapien sollen es möglich machen, die durchschnittliche Lebenserwartung von Lungenkrebspatienten um mindestens fünf Jahre zu erhöhen.

Er kann aus seiner Praxis über ein positives Beispiel berichten. Seine älteste Patientin an der Universitätsklinik in Köln ist 60 Jahre alt. Sie bekam vor zwölf Jahren die Diagnose Lungenkrebs. Acht Chemotherapien musste sie über sich ergehen lassen. Erst fünf Jahre nach der Diagnose konnte in einem personalisierten Verfahren eine bestimmte Genmutation bei ihr nachgewiesen werden. Seitdem bekommt sie genau angepasste Medikamente und lebt immer noch. Man sehe ihr die Krankheit nicht an, so Büttner.

Individuell das Verfahren anzupassen sei eine Möglichkeit, den Patienten Linderung zu verschaffen. Was in Köln hilft, soll auch deutschlandweit funktionieren. Für ihn und seine Partner war das ein Grund, das nationale Netzwerk Genomische Medizin Lungenkrebs zu gründen.

Neues deutschlandweites Netzwerk gegen Lungenkrebs
tagesschau 14:00 Uhr, 08.07.2019, André Kartschall, RBB

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"Zentral testen - dezentral behandeln"

Vom Netzwerk profitieren unter anderem die großen Lungenkrebszentren, da sie ihre Forschungsergebnisse teilen, Verfahren standardisieren und Methoden vereinheitlichen. "In allen Zentren haben wir die gleiche Beratungsstruktur, gleiche Studien, gleiche Dokumentationen und die gleiche Diagnostik," sagt Juliane Lüptitz. Sie ist Koordinatorin des Netzwerks im Zentrum Köln. Zum anderen profitieren kleinere Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte. Sie können teure Testverfahren zentral gesteuert in den großen Zentren durchführen lassen. Damit sollen Patienten vor Ort die bestmögliche Behandlung bekommen. "Die Grundidee des Netzwerks ist: zentral testen aber dezentral behandeln," so Lüptitz.

Behandlungen werden individuell angepasst

Bisher hatte eine Mehrzahl der Krebspatienten keinen Zugang zur aufwendigen personalisierten Behandlung. Felix Herth von der Universitätsklinik Heidelberg erklärt: "Eine Behandlung, die auf den Patienten nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip genau abgestimmt ist, ist beim Lungenkrebs extrem wichtig." Das Verfahren sei jedoch sehr kompliziert und aufwändig. Die typischen Behandlungen mit Operationen und Chemotherapien kämen rasch an ihre Grenzen und seien oft nicht genau auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt.

Hinzu komme, dass kleine Krankenhäuser mit den aufwändigen Tests oft finanziell überfordert sind. Sie könnten die nötigen, individuellen Gentests meistens nicht mit den Krankenkassen verrechnen und führten sie deshalb oft gar nicht erst durch. Das nationale Netzwerk genomische Medizin Lungenkrebs ermöglicht diese Personalisierung und Anpassung der Therapie.

Außerdem ist die Abrechnung mit den Krankenkassen gewährleistet. Das sorgt für eine grundlegende Verbesserung der Behandlung durch eine genauere Diagnostik, eine bessere Einstellung der Medikamente und einen Zugang der Patienten zu klinischen Studien. Im Zentrum Heidelberg sei durch die personalisierte Behandlung eine signifikante Verlängerung der Lebenserwartung von Lungenkrebspatienten erreicht worden, sagt Herth.

Personalisierte Behandlung erhöht die Lebenserwartung

Die Forschung in der Lungenkrebstherapie ist schnell - laut Lüptitz schneller als bei allen anderen Krebsarten. Um diese Fortschritte zu bündeln und alle davon profitieren zu lassen, könnte dieses Netzwerk ein Vorbild für alle Arten von Krebsbehandlungen sein. Die Deutsche Krebshilfe lobt das europaweit größte Projekt seiner Art und fördert es mit 9,3 Millionen Euro. Damit werden in jedem Krebszentrum Planstellen besetzt, die die Infrastruktur gewährleisten sollen.

Büttner ist optimistisch, dass das Netzwerk den Lungenkrebspatienten mehr Lebenszeit bescheren kann. Durch die personalisierten Verfahren sei es möglich, die durchschnittliche Lebenserwartung von Lungenkrebspatienten um mindestens fünf Jahre zu erhöhen, sagt er. Damit ist der Kampf gegen den Lungenkrebs zwar nicht gewonnen, aber das nationale Netzwerk genomische Medizin Lungenkrebs konnte immerhin schon im ersten Jahr 35.000 Patienten erreichen. Also jeden dritten Patienten, der an Lungenkrebs erkrankt ist. Nächstes Jahr sollen es doppelt so viele sein, hofft Büttner.

Deutsche Krebshilfe: Netzwerk gegen Lungenkrebs
Vera Wolfskämpf, ARD Berlin
08.07.2019 11:02 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 08. Juli 2019 Deutschlandfunk um 13:24 Uhr und die tagesschau um 14:00 Uhr.

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