Ein Arzt zeigt auf das Röntgenbild einer Lunge. | Bildquelle: dpa

Streit über Grenzwerte Kollegenschelte von Kinderlungenärzten

Stand: 29.01.2019 21:56 Uhr

100 Lungenärzte hatten den Nutzen der Grenzwerte für Luftschadstoffe bezweifelt. Nun haben Kinderlungenärzte geantwortet: Solche pauschalen Zweifel ohne Belege seien unseriös.

In der Debatte um die Grenzwerte für Luftschadstoffe sind Kinderlungenärzte auf Distanz zu einer Gruppe von Lungenspezialisten gegangen, die die geltenden Grenzwerte kritisiert hatte. Der Verband der Kinderlungenärzte wies nun in einer Stellungnahme auf die Gesundheitsgefahren durch die Schadstoffe hin.

Die gesundheitsschädigenden Auswirkungen seien "in zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten" dokumentiert, erklärte der Vorstand der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP). Der Verband unterstützt deshalb die Grenzwertempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und ähnliche Positionen anderer Verbände.

Deutliche Kritik an Kritikern

"Wissenschaftliche Aussagen pauschal in Frage zu stellen, ohne hierfür Belege anzuführen, ist unseriös", heißt es in der Stellungnahme. "Wer öffentlichen Zweifel an dem gesundheitsschädlichen Potential von Luftschadstoffen sät, ohne hierfür wissenschaftliche Arbeiten zu zitieren, verletzt die Grundsätze ärztlich-wissenschaftlichen Handelns."

Nach Ansicht der Kinderlungenärzte kommt in der Diskussion auch die Gesundheitsfürsorge zu kurz: Die Schutzwürdigkeit besonders gefährdete Gruppen werde häufig nicht erwähnt. Dazu zählen die Ärzte neben Kindern und Jugendlichen auch Schwangere, ältere Menschen und Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen.

Heftige Kritik

Zuvor hatten bereits internationale Forscher heftige Kritik an dem Vorstoß der Gruppe der Lungenärzte geübt. Unter anderem das International Forum of Respiratory Societies (FIRS) verteidigte die Grenzwerte und betonte in einer Expertise, "qualitativ hochwertige epidemiologische Studien berücksichtigen andere Risikofaktoren für Erkrankungen sehr genau" - also beispielsweise Rauchen, mangelnde körperliche Bewegung, Ernährung, Bildung, Einkommen.

Es sei ebenfalls falsch, zu sagen, "dass in den Studien lediglich die Landbevölkerung mit der Stadtbevölkerung verglichen würde. Im Gegenteil: Die meisten Studien vergleichen heutzutage unterschiedlich belastete Stadtbevölkerungen".

In der vergangenen Woche hatten mehr als 100 Lungenspezialisten ein Positionspapier von von zwei Ärzten und zwei Ingenieuren unterstützt. Darin werden aktuelle Grenzwerte und Studien angezweifelt. Sie sähen keine wissenschaftliche Begründung, die die Werte rechtfertigen würden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 23. Januar 2019 um 22:15 Uhr.

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