Flugzeug fliegt am Himmel | Bildquelle: picture alliance / dpa

Gipfel in Hamburg Krisentreffen der Luftfahrtbranche

Stand: 05.10.2018 03:59 Uhr

Streiks, Flugausfälle, Verspätungen: Die Luftfahrtbranche bekommt die Probleme nicht in den Griff. Beim heutigen Treffen in Hamburg suchen die Teilnehmer nach Lösungen - doch schon vorher gab es Ärger.

Von Michael Immel, ARD-Luftfahrtexperte

"Auch der Himmel stößt an seine Grenzen" - so lauteten die ganzseitigen Anzeigen, als der Chaos-Sommer Ende Juni nicht mehr abwendbar war: endlose Warteschlangen an den Flughäfen, massive Verspätungen und Tausende Flugausfälle.

Den Unmut der Reisenden versuchten zahlreiche Manager der Luftfahrtbranche, mit einer Entschuldigung in den großen deutschen Tageszeitungen abzufedern.

Luftfahrtbranche trifft Maßnahmen gegen Verspätungen
tagesschau 15:00 Uhr, 05.10.2018, Bernd Rasem, NDR

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Aber wer war dafür verantwortlich? Anfangs wurde gern auf den anderen gezeigt - Airlines auf Flughäfen, Flughäfen auf die Flugsicherung und die Flugsicherung wiederum auf die Airlines. Ans Tageslicht kam ein Mix von Problemen: unzählige Streiks europaweit, eine überforderte Flughafen-Infrastruktur, Airlines mit Wachstumsschmerzen, extreme Wetterlagen und fehlende Fluglotsen.

Heute nun versuchen führende Manager der Flugsicherung, zahlreicher Airlines und Flughäfen gemeinsam mit Politikern aus Bund und Ländern einen gemeinsamen Kurs einzuschlagen. Bei dem Krisentreffen in Hamburg kommen aber die kleinen, mächtigen Spartengewerkschaften der Luftfahrtindustrie nicht zu Wort. Die sind nicht eingeladen - und fragen sich: Wer soll denn dort die unbequemen Fragen nach der Umsetzbarkeit stellen?

Eine Fluglotsin steht in einem Flughafen-Tower und blickt mit Ferngläsern nach draußen.
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Fluglotsin in Flughafen-Tower: Wurde zu wenig Nachwuchs ausgebildet?

Werden Probleme gelöst?

Zwar hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer diese Woche noch kurzfristig eine Einladung zu einer Art Nachtreffen am 11. Oktober nachgereicht. Aber das kam gar nicht gut an. Denn die Probleme, sagen die Gewerkschaften unisono, wird ein zweistündiger Gipfel nicht lösen.

"Ich bin selbst sehr gespannt, welche 'Ergebnisse' der Gipfel zu Tage befördert", sagt Matthias Maas, Bundesvorsitzender der Fluglotsen-Gewerkschaft GdF. Die Politik werde sich im nachhinein hinstellen und sagen, dass sie alle Big-Player an einen Tisch gebracht und die Situation schonungslos analysiert habe. "Alle werden bemüht sein, zu sagen, dass es nicht noch einmal zu so einem Sommer wie dieses Jahr kommt."

Mit Blick auf den leergefegten Fluglotsen-Markt ist aber heute auch klar: Allein bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Karlsruhe, wo der obere deutsche Luftraum überwacht wird, fehlen rund 100 Lotsen. Mass beklagt Kostendruck, Regulierung und falsche Verkehrssteigerungsprognosen. "In den letzten fünf Jahren haben wir zu wenig Nachwuchs ausgebildet. Dieses Problem kann der Gipfel nicht beheben."

Die Ausbildung neuer Lotsen dauert vier bis fünf Jahre. "Selbst wenn jetzt versucht wird, fertige Fluglotsen aus dem Ausland anzuwerben, dauert deren Umschulung auch mindestens ein Jahr", sagt Maas.

Vereinigung Cockpit fordert mehr Personal

Für die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ist die Personalsituation der Dreh- und Angelpunkt. "Es muss mehr in qualifiziertes Personal investiert werden", urteilt Pressesprecher und Vorstandsmitglied Janis Schmitt. "So kurzfristig wird sich bei den Fluggesellschaften wohl kein Personal ausbilden lassen. Erst recht nicht, wenn die aktuellen Arbeitsbedingungen für den einen oder anderen im Ausland attraktiver sind."

Viele Gesellschaften hätten sich Sparprogramme aufgezwungen. "Anscheinend möchte man um jeden Preis Marktanteile sichern und vergrößern. Wie es gelingen soll, die Arbeitsbedingungen einerseits weiter zu senken, um Kosten zu sparen und auf der anderen Seite mehr Personal einzustellen, ist rätselhaft", sagt er. "Fluglinien versuchen jetzt sogar im Ausland, vornehmlich aus einkommensschwächeren Ländern, Flugbegleiter und Piloten anzuwerben."

Eine Anzeigetafel am Frankfurter Flughafen | Bildquelle: dpa
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Verspätungen und Flugausfälle an Flughäfen: Zu wenig Personal für zu viel Reiseverkehr?

Abfertiger unterbieten sich gegenseitig

Das Problem bestehe nicht nur bei den Fluggesellschaften, sondern auch bei den Flughäfen. "Auch dort versuchen sich, die Abfertiger gegenseitig zu unterbieten. Die Folge: Es finden sich kaum noch qualifizierte Arbeitnehmer, die für die aktuell angebotenen Bedingungen bereit sind, im Schichtdienst bei Wind und Wetter an den Flughäfen zu arbeiten. Dabei fehlt es schon jetzt an Mitarbeitern, die die Flugzeuge abfertigen. "Wie soll man da die Verspätungsproblematik beheben?", fragt Schmitt.

Daniel Flohr ist der Leiter Tarifpolitik bei UFO, der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation. Er stellt fest: "Die Politik hat den Luftverkehr in den letzten Jahren nur stiefmütterlich behandelt." Das in zwei Stunden nachzuholen, sei unmöglich. "Insofern kann es höchstens ein Aufschlag für eine langfristige Betrachtung der Branche sein." Alles andere sei Augenwischerei und diene allein der Beruhigung von Wählern vor den Landtagswahlen in Bayern und Hessen mit den beiden größten deutschen Drehkreuzen.

Chaotische Zustände auch 2019?

Eine Verbesserung der Lage ist für Flohr nicht in Sicht. Chaotische Zustände wie in diesem Jahr an den Flughäfen Hamburg, Frankfurt und München seien für 2019 quasi programmiert.

"Zu wenig Personal für zu viel Reiseverkehr wird wieder zu stundenlangen Wartezeiten bis hin zu Flugausfällen führen", sagt Flohr. Zudem seien Arbeitskämpfe im kommenden Jahr wahrscheinlich.

"Zwischen Lufthansa und UFO ist die Stimmung schon seit Monaten am Boden, Ryanair wird mittlerweile fast wöchentlich bestreikt." Doch auch Ferienflieger wie SunExpress seien der Frage ausgesetzt, ob sie Gewerkschaften und Betriebsräte in ihrem Haus akzeptieren oder per Streik dazu gezwungen würden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Oktober 2018 um 07:00 Uhr.

Korrespondent

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Michael Immel, HR

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