Frank Hannig | Bildquelle: dpa

Prozess gegen Stephan E. Verteidiger im Fall Lübcke abberufen

Stand: 28.07.2020 11:46 Uhr

Von einem "zerrütteten Vertrauensverhältnis" zwischen Verteidiger und Angeklagtem spricht das Gericht - und entpflichtet Stephan E.s Verteidiger Hannig. Er soll gegen die Interessen seines Mandanten gehandelt haben.

Im Prozess um den gewaltsamen Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ist einer der beiden Anwälte des Hauptangeklagten Stephan E. abberufen worden, wie das Oberlandesgericht Frankfurt bekannt gab.

Die Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses zwischen E. und seinem Pflichtverteidiger Frank Hannig sei nachvollziehbar, so das Gericht am siebten Verhandlungstag. Damit stimmte der Senat einem Antrag auf Entpflichtung Hannigs zu. Der Kölner Anwalt Mustafa Kaplan, zweiter Verteidiger des Hauptangeklagten E., hatte ihn im Einvernehmen mit E. gestellt.

Anträge gegen die Interessen des Angeklagten

Zur Begründung der Entpflichtung Hannigs sagte der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel, der Verteidiger habe in der Verhandlung am Montag Anträge gestellt, die den Interessen seines Mandanten widersprächen.

Darin wollte Hannig die Vernehmung weiterer Zeugen erreichen, die womöglich ebenfalls am Tatort waren. Auch einen Einbruch im Kasseler Regierungspräsidium, bei dem Akten verschwunden seien, wollte er untersuchen lassen. Mit einem dieser Anträge habe der Verteidiger andeuten wollen, dass Lübcke und seine Söhne in "krumme Geschäfte verwickelt" seien, so Richter Sagebiel. Zudem habe der Anwalt "weitreichende Mutmaßungen" über eine Beteiligung Dritter an der Tat gestellt.

Unmittelbar nach Verkündung des Beschlusses verließ Hannig den Gerichtssaal.

Stephan E. soll im Juni 2019 den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke auf der Terrasse von dessen Wohnhaus erschossen haben. Motiv für die Tat war nach Auffassung der Bundesanwaltschaft eine rechtsextremistische Gesinnung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Juli 2020 um 12:00 Uhr.

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