Die thüringer Landes- und Fraktionschefin der Linkspartei, Hennig-Wellsow | Bildquelle: dpa

Linkspartei-Vorsitz Zwei Frauen wollen kandidieren

Stand: 04.09.2020 19:30 Uhr

Nach Janine Wissler aus Hessen hat die zweite Frau ihre Kandidatur für den Bundesvorsitz der Linkspartei angekündigt. Die Thüringer Landeschefin Susanne Hennig-Willsow gilt als führungsstarke Pragmatikerin.

Die Linkspartei könnte erstmals eine weibliche Doppelspitze bekommen. Nach Hessens Fraktionschefin Janine Wissler hat auch die Thüringer Landesvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow ihre Kandidatur für den Bundesvorsitz angekündigt.

Nach einer Vorstandsitzung der Thüringer Linkspartei gab Hennig-Wellsow ihre Pläne bekannt. "Ich hab' da echt Bock drauf", sagte sie. Sie wolle das Potenzial, das die Linke habe, heben und "aus der etwas verschlafenen Partei" eine machen, "die den Aufbruch will".

Die 42-Jährige hatte zuletzt mehrfach betont, dass sie sich eine weibliche Doppelspitze gut vorstellen könne. Sie wurde zusammen mit Wissler dafür schon gehandelt. Beide sind weder dem Flügel der linken Fundamentalisten noch den gemäßigten Reformern zuzurechnen.

Janine Wissler | Bildquelle: dpa
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Janine Wissler wurde bereits vor ihrer Ankündigung als mögliche Kandidatin für den Bundesvorsitz gehandelt.

Ruf als führungsstarke Pragmatikerin

In Thüringen führt Hennig-Wellsow die Partei seit November 2013 und damit seit fast sieben Jahren. Den Fraktionsvorsitz übernahm sie im Dezember 2014, nachdem Bodo Ramelow zum ersten linken Ministerpräsidenten Deutschlands gewählt wurde. Beim Schmieden des Bündnisses aus Linkspartei, SPD und Grünen in Thüringen soll sie damals entscheidend mitgewirkt haben. Die frühere Profi-Eisschnellläuferin gilt als führungsstarke Pragmatikerin.

Die Linkspartei ist in keinem anderen Bundesland so stark wie in Thüringen, wo sie auf Umfragewerte von mehr als 30 Prozent kommt. Bei der Landtagswahl 2019 wurde die Partei mit ihrem Spitzenkandidaten Ramelow erstmals stärkste Kraft in einem Bundesland.

Bundesweit für Schlagzeilen sorgte Hennig-Wellsow, als sie am 5. Februar dieses Jahres dem damals frisch gewählten Thüringer Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich einen Blumenstrauß vor die Füße warf. Der FDP-Politiker war mit Stimmen von AfD, CDU und FDP überraschend zum Regierungschef gewählt worden, nahm die Wahl an und löste damit ein politisches Beben aus, das bis nach Berlin reichte. Auf öffentlichen und parteiinternen Druck hin trat er später zurück.

Wissler "möchte es tun"

Die 39-jährige Wissler hatte am Nachmittag in Wiesbaden ihre Bewerbung angekündigt. "Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich auf dem kommenden Parteitag als Parteivorsitzende kandidieren soll und bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich es tun möchte", sagte Wissler.

Die Entscheidung werde sie mit dem hessischen Landesverband beraten. Dessen Unterstützung sei ihr für die Kandidatur wichtig. Wissler ist bereits Vize-Vorsitzende der Linkspartei.

Der Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Dietmar Bartsch, bezeichnete Wissler als eine herausragende Politikerin. Er gehe davon aus, dass sich noch einige Kandidaten melden würden und wünsche sich, dass man im Vorfeld des kommenden Parteitages zu tragfähigen Lösungen kommen werde.

Rot-rot-grüne Koalition nach der Wahl?

Die bisherige Doppelspitze der Linkspartei, Katja Kipping und Bernd Riexinger, hatte angekündigt, nicht wieder für den Parteivorsitz anzutreten. Die Wahl der neuen Vorsitzenden ist für den Bundesparteitag im Herbst geplant, der vom 30. Oktober bis 1. November in Erfurt angesetzt ist.

Eine neue Führung im Bund wird die Partei in den Wahlkampf zur Bundestagswahl im Herbst 2021 führen müssen. Für die Linkspartei stellt sich dabei vor allem die Frage, ob sie bereit wären, zusammen mit SPD und Grünen eine Regierung zu bilden.

Janine Wissler will Linken-Chefin werden
Anita Fünffinger, ARD Berlin
04.09.2020 15:34 Uhr

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