Eine Maske liegt auf einem Tisch in einer Schulklasse | dpa

Corona in Deutschland Lehrerverband erwartet Einschränkungen

Stand: 21.07.2021 10:57 Uhr

Der Präsident des Lehrerverbandes rechnet damit, dass es auch im neuen Schuljahr Einschränkungen an den Schulen geben wird. Niemand könne eine enorme vierte Welle ausschließen. Die Inzidenz in Deutschland steigt indes weiter an.

Der Präsident des Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, erwartet auch im kommenden Schuljahr große Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie. Meidinger äußerte in der "Welt" die Befürchtung, dass wegen der besonders ansteckenden Delta-Variante des Virus Hunderttausende Schüler in Quarantäne müssen. "Niemand kann ausschließen, dass wir wegen der Delta-Variante und der mangelnden Impfquote eine enorme vierte Welle bekommen, in der dann auch wieder Wechselunterricht nötig wird."

Meidinger rief die Politik zu Ehrlichkeit auf. "Wer jetzt verspricht, dass es im nächsten Jahr auf jeden Fall vollständigen Präsenzunterricht geben wird, begibt sich auf dünnes Eis", sagte der Verbandspräsident. "Präsenzunterricht um jeden Preis bedeutet, die Durchseuchung der Schulen in Kauf zu nehmen. So ehrlich sollte die Politik das schon sagen."

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hatte sich zuvor optimistisch gezeigt. Sie sei "zuversichtlich, dass diesen Herbst die Schulen grundsätzlich offen gehalten werden können". "Wir haben jetzt eine ganz andere Ausgangslage nach den Ferien. Wir haben eine steigende Impfquote, eine gute Teststruktur", sagte die CDU-Politikerin der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Anfang August beginnt in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern schon wieder das neue Schuljahr.

Lindner fordert Impfangebote an Schulen

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner sprach sich für Corona-Impfungen auch in den Schulen aus. Nach den Sommerferien dürfe es nicht mehr dazu kommen, dass Schulen geschlossen werden müssten, sagte Lindner den Zeitungen der "Funke Mediengruppe". "Ich bin dafür, dass es an den Schulen auch Impfangebote für Jugendliche gibt. Das muss man schon jetzt mit mobilen Impfteams in großem Umfang vorbereiten." Am Ende müssten Schüler und Eltern aber selbst entscheiden, ob sie eine Impfung wollten.

Die Medizinerin Eva Hummers rät jedoch dazu, zunächst weiter abzuwarten: Es sollten sich primär Erwachsene impfen lassen, sagte das Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) dem "Mannheimer Morgen". "Es kann ja nicht sein, dass wir jetzt die Kinder in die Verantwortung nehmen und sagen, sie müssen sich impfen lassen, um impfunwillige Erwachsene in ihrem Umfeld zu schützen."

Hummers verwies darauf, dass immer noch nicht klar sei, "ob die Impfung möglicherweise oder in welchem Umfang sie möglicherweise für die Kinder eine Gefährdung ist". Erwachsene hingegen würden die Impfstoffe im Allgemeinen sehr gut vertragen und seien außerdem diejenigen, die selbst durch Covid-19 gefährdet seien.  Bisher unbegründet sei zudem die Befürchtung, dass Kinder in relevantem Umfang Erwachsene anstecken würden: "Meist wurde das Virus durch Erwachsene zum Beispiel in die Schulen hineingetragen."

Inzidenz steigt weiter an

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit über zwei Wochen kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) lag sie bei 11,4 - am Vortag betrug der Wert 10,9, beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9. Demnach haben die Gesundheitsämter dem RKI zuletzt binnen eines Tages 2203 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 1548 Ansteckungen gelegen.

Deutschlandweit wurden binnen 24 Stunden 19 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 28 Tote gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.748.613 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.642.000 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.416.

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