Schülerinnen und Schüler in München nehmen mit Mund- und Nasenschutz am Unterricht teil. (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Corona und die Schulen Bildungsverbände fordern klare Ansagen

Stand: 26.12.2020 10:28 Uhr

Sollen Schülerinnen und Schüler nach den Ferien zumindest teilweise zu Hause bleiben? Wie sollen die Prüfungen in Corona-Zeiten aussehen? Die Bildungsverbände verlangen Antworten aus den Kultusministerien - und zwar rechtzeitig.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) pocht auf eine frühzeitige Entscheidung, wie es ab dem 10. Januar an den Schulen weitergeht. Es sei abzusehen, dass die Lockdown-Maßnahmen über die Ferien hinaus verlängert werden müssten, sagte GEW-Chefin Marlis Tepe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Lehrer, Schüler und Eltern bräuchten Konzepte rechtzeitig, um sich auf die Situation einstellen zu können. "Ansagen am Freitag, die am Montag umgesetzt sein sollen, darf es nicht mehr geben. Das hat in der Vergangenheit alle Beteiligten oft genug vor unlösbare Probleme gestellt."

Am 5. Januar wollen Bund und Länder über das weitere Vorgehen beraten. Kultusministerien und Schulbehörden müssten die verlängerte Ferienzeit nutzen, um tragfähige Konzepte für unterschiedliche Szenarien zu entwickeln, forderte die GEW-Chefin. "Dazu gehört, sich endlich von der Schimäre des bedingungslosen Offenhaltens der Schulen zu verabschieden."

Sie dränge darauf, im weiteren Verlauf der Pandemie stärker auf Wechselunterricht zu setzen, sagte Tepe. Nur so könne das Recht auf Bildung aufrechterhalten werden, nur so könnten die Lehrer den Kontakt zu den Schülern halten. "Nur so kann es gelingen, insbesondere ohnehin benachteiligte Kinder und Jugendliche nicht zu verlieren." Das gesellschaftliche Gebot, Kontakte so weit möglich zu vermeiden, müsse auch in den Schulen umgesetzt werden.

Neue Lernformen, statt Stoff zu pauken

Auch das Thema Prüfungen beschäftigt Bildungsgewerkschaften und -verbände. "Die Kultusministerien müssen Druck von den in dieser Zeit psychisch stark belasteten Schülerinnen und Schülern, aber auch den Lehrkräften nehmen", sagte die GEW-Chefin. "Prüfungen und Tests, die zurzeit nicht viel mehr als soziale Ungleichheiten widerspiegeln, sollen ausgesetzt werden", forderte sie. "Statt am sogenannten Stoff festzuhalten, sollte sich der Unterricht an den von der Kultusministerkonferenz schon lange beschlossenen Bildungsstandards orientieren, die neue Lehr- und Lernformen ermöglichen."

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sieht die Lehrer durch die Schuld der Kultusminister in der Bredouille. "Die Kultusministerien haben die Lehrkräfte in eine schwierige Situation gebracht", sagte VBE-Chef Udo Beckmann dem RND-Bericht zufolge. Er forderte von der Kultusministerkonferenz "dringend Aussagen", wie Prüfungen durchgeführt und bewertet werden sollen, "aber auch welche Anpassungen an den Curricula und der Anzahl der Leistungstests sowie deren Inhalt vorgenommen werden".

Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing, sagte dem RND: "Die Kultusministerien müssen die realen Daten erheben, wie viel Unterricht in diesem Schuljahr und im letzten Schuljahr im Vergleich zu den letzten Schuljahren bisher ausgefallen ist. Daraus müssen entsprechende Konsequenzen für Prüfungen und für die Förderung von Schülerinnen und Schülern gezogen werden", so Lin-Klitzing. "Erheben Sie jetzt die Daten und schaffen Sie die Planungsgrundlagen für die Durchführung des nächsten Abiturs im Frühjahr!", forderte die Verbandsvorsitzende von den Kultusministern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Dezember 2020 um 05:00 Uhr.

Darstellung: