Notbetten für Flüchtlinge aus der Ukraine in einer Sporthalle in Frankfurt am Main. | dpa

Menschen aus der Ukraine Vorbereitungen für Krankentransporte laufen

Stand: 07.03.2022 16:19 Uhr

Deutschland will eine zentrale Rolle bei der medizinischen Behandlung von Ukraine-Flüchtlingen übernehmen. Sie sollen dieselbe Versorgung bekommen wie deutsche Staatsbürger, so Gesundheitsminister Lauterbach.

Deutsche Krankenhäuser bereiten sich nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach auf die Versorgung schwer verletzter oder kranker Menschen aus der Ukraine vor. Deutschland wolle eine "zentrale Rolle" bei der medizinischen Versorgung der Menschen in und aus der Ukraine einnehmen, sagte Lauterbach.

Die Bundesregierung werde versuchen, schwerkranke und verletzte Menschen nach Deutschland zu bringen und hier in den Krankenhäusern zu versorgen - auf dem Luftweg sei das aktuell aber nicht möglich.

Voraussetzung für die Verlegung von Verletzten und Erkrankten aus der Ukraine nach Deutschland sei, dass es zu den dafür nötigen Korridoren und Waffenstillständen kommt, sagte Lauterbach. "Wir sind, was die Transporte angeht, in der Vorbereitungsphase." Zum jetzigen Zeitpunkt sei die Gefährdung für die Patienten und die Transporte nicht akzeptabel.

Zahl der ukrainischen Patienten noch unklar

Russland schrecke offenbar auch nicht davor zurück, die medizinische Infrastruktur in der Ukraine anzugreifen, so Lauterbach weiter. Man wolle daher bei der Versorgung helfen, wenn es gelinge, die Menschen herauszuholen. Deutschland habe ein starkes Gesundheitssystem und müsse diese Stärke nun erneut unter Beweis stellen.

Wie viele Patienten aus der Ukraine nach Deutschland gebracht werden könnten, konnte der Gesundheitsminister nicht sagen. Auch ukrainische Flüchtlinge sollen in den hiesigen Krankenhäusern versorgt werden und zwar genauso wie deutsche Staatsbürger, betonte Lauterbach. Dazu gehörten auch Corona-Tests und -Impfungen.

Lauterbach sagt Ukraine Hilfslieferungen zu

Sehr viele der Geflüchteten seien an Covid-19 erkrankt, das müsse bei ihrer Unterbringung durch die Kommunen berücksichtigt werden. Dass sich die Pandemie-Lage in Deutschland dadurch aber verschärfen könnte, glaubt Lauterbach nicht.

Er versprach der Ukraine zudem die Lieferung von Medikamenten, Betäubungsmitteln und medizinischen Hilfsgütern. Bisherige Schwierigkeiten rund um Ausfuhrgenehmigungen und Zoll seien geklärt.

Dem Minister zufolge wollen zudem deutsche Ärztinnen und Ärzte Hilfe in der Ukraine leisten. Koordiniert wird dies nach Angaben des Ministeriums von internationalen Hilfsorganisationen. Das Auswärtige Amt unterstützt dabei auch finanziell. Wie viele Mediziner dazu bereit sind, konnte Lauterbach nicht sagen. Es gebe konkrete Anfragen, sagte er und drückte seinen Respekt dafür aus. Jeder wisse, mit welchem Risiko dies behaftet sei, sagte er.

Mehr als 50.000 Flüchtlinge eingereist

Nach Angaben des Bundesinnenministerium hat die Polizei bislang 50.294 Flüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland gezählt. Wie der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Maximilian Kall, sagte, können sie im Regelfall 90 Tage visafrei einreisen. Spätestens dann müssten sie sich bei den Ausländerbehörden oder Erstaufnahmeeinrichtungen registrieren lassen. Die Registrierung eröffne eine Aufenthaltserlaubnis von einem bis maximal drei Jahren, wie dies seit Freitagabend für die geflüchteten Menschen aus der Ukraine EU-weit gelte.

Der Bund steht den Angaben nach im ständigen Kontakt mit den Ländern, um bestmögliche Unterbringung zu gewährleisten. Alle Bundesländer hätten Unterstützung angeboten. Der Bund habe 50.460 Unterkunftsplätze, die allerdings teilweise besetzt seien. Er wolle darüber hinaus 5000 Plätze bereitstellen.


Mit Informationen von Jim-Bob Nickschas, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. März 2022 um 15:03 Uhr.