Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen | Bildquelle: dpa

Kanzlerkandidatur der Union Laschet bekräftigt CDU-Anspruch

Stand: 14.06.2020 02:19 Uhr

Wegen seiner guten Umfragewerte sehen manche CSU-Chef Söder schon als nächsten Kanzlerkandidaten der Union. Die Bewerber für die Nachfolge von CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer pochen hingegen auf das Vorrecht ihrer Partei.

In die Debatte über die Kanzlerkandidatur bei der Union kommt nach den Monaten der Konzentration auf den Kampf gegen die Corona-Pandemie neuer Schwung.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet unterstrich den Anspruch seiner Partei, den Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2021 zu stellen. "Viele in der Union teilen die Auffassung, dass die Erfolge unter Konrad Adenauer, Helmut Kohl und Angela Merkel auch auf die Verbindung von Kanzlerschaft und Parteivorsitz zurückzuführen sind", sagte der CDU-Politiker der "Welt am Sonntag". Auch er selbst habe dies "immer so gesehen und gesagt".

Laschet geht weiter davon aus, dass CSU-Chef Markus Söder nicht als Kanzlerkandidat zur Verfügung steht. "Dazu hat er sich ja schon selbst klar geäußert. Das nehme ich ernst." Söder hatte Ende Mai erklärt, dass er für Januar mit einer Entscheidung in der Frage rechne. Der CSU-Chef hatte mehrfach betont, dass sein Platz in Bayern sei. Zuletzt äußerte er sich in der Frage aber vorsichtiger. Seine Umfragewerte sind in der Corona-Krise stark gestiegen, er liegt zum Teil weit vor anderen potenziellen Kanzlerkandidaten.

Kramp-Karrenbauer setzt auf Geschlossenheit

Vor Laschet hatte auch die scheidende CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer auf den Machtanspruch ihrer Partei gepocht. "Wir werden zunächst den Vorsitz der CDU neu bestimmen. Der hat aus unserer Sicht den ersten Anspruch auf die Kanzlerkandidatur", sagte sie am Freitag gegenüber "Focus online"

Am Ende müsse es "immer eine gemeinsame Entscheidung von CDU und CSU sein, wer der gemeinsame Spitzenkandidat ist", betonte Kramp-Karrenbauer. Sie hob zugleich die aus ihrer Sicht große Geschlossenheit der Union hervor. Es gebe gegenüber der SPD den Vorteil, "dass unser Kandidat oder unsere Kandidatin die volle Rückendeckung der gesamten Union hat".

Nachdem Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach vier Amtszeiten nicht mehr antreten will, ist die Frage der Unions-Kanzlerkandidatur offen. Die CDU will auf einem Parteitag Anfang Dezember zunächst die Nachfolge von Kramp-Karrenbauer klären. Als aussichtsreiche Bewerber gelten neben Laschet der Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz und der Außenpolitiker Norbert Röttgen. Anschließend soll mit der CSU über einen gemeinsamen Kanzlerkandidaten beraten werden.

Weitere Kandidaten setzen auf Einigung mit CSU

Merz zeigte sich am Freitag bei "Bild live" optimistisch, die Wahl zum CDU-Vorsitz zu gewinnen: "Ich bin sehr zuversichtlich, aber es sind noch sechs Monate bis dahin - und da kann noch sehr viel passieren." Die Frage der Kanzlerkandidatur werde wahrscheinlich erst im Januar 2021 beantwortet. Nach der Wahl an die Parteispitze werde der neue CDU-Chef "sofort mit der CSU in ein Gespräch gehen". Dann werde es eine gemeinsame Entscheidung von CDU und CSU geben.

Röttgen sagte der "Augsburger Allgemeinen", er habe zwar "eine klare Präferenz für einen Kanzlerkandidaten der CDU, aber CDU und CSU gehören zusammen". Über die K-Frage hätten sich CDU und CSU immer geeinigt und würden es wieder tun. Zu einer möglichen Kandidatur Söders sagte er: "Zu den Eigenschaften und Fähigkeiten von Markus Söder zählt Flexibilität, und darum glaube ich, wird er sich bis Jahresende die Zeit nehmen, das für sich zu entscheiden."

Die CSU hat erst zweimal den Kanzlerkandidaten der Union gestellt. Franz Josef Strauß (1980) und Edmund Stoiber (2002) schafften es aber nicht ins Kanzleramt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Juni 2020 um 08:00 Uhr.

Darstellung: