Armin Laschet | dpa

Flüchtlingslager auf Lesbos Laschet bricht Besuch in Moria ab

Stand: 04.08.2020 12:48 Uhr

Ministerpräsident Armin Laschet hat einen Besuch im Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos aus Sicherheitsgründen abgebrochen. Die Stimmung sei aufgeheizt gewesen, hieß es.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat einen Besuch im überfüllten Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos aus Sicherheitsgründen abgebrochen. Laschet hatte am Dienstag (04.08.2020) nach dem Besuch des Container-Bereichs eine Visite im sogenannten wilden Teil außerhalb des Camps geplant. Auf Anraten des örtlichen Sicherheitschefs wurde der Besuch in dem Teil kurzfristig abgesagt.

Flüchtlinge halten Laschet für deutschen Regierungschef

Zuvor hatten sich Gruppen von Flüchtlingen aus Afghanistan und Afrika versammelt und in Sprechchören "Free Moria" skandiert. Aus Delegationskreisen verlautete, der Sicherheitschef habe gesagt, die Flüchtlinge hätten Laschet für den "Prime Minister of Germany" gehalten. Ein starkes Aufgebot an Sicherheitskräften schirmte Laschet vor den Flüchtlingen ab.

Ministerpräsident Laschet an einem Tor im Flüchtlingslager Moria, Menschen um ihn herum  | dpa

Auch NRW-Familienminister Stamp in Lesbos Bild: dpa

Das 2015 auf einer früheren Militäranlage errichtete Aufnahmezentrum ist mit mehr als 14.000 Flüchtlingen das größte Flüchtlingslager Europas und restlos überfüllt. Um das eigentliche Camp herum haben Migranten Zelte und provisorische Behausungen errichtet.

Sicherheitslage in Moria schlecht

Im und um das Lager kommt es immer wieder zu Schlägereien und Messerstechereien zwischen Migranten verschiedener Nationalitäten. Vor allem im wegen der Überfüllung des Hauptlagers gebildeten Satellitencamp herrscht Gesetzlosigkeit. Immer wieder kommt es dort zu Gewalttaten, die in den vergangenen fünf Jahren mehrere Menschen das Leben gekostet haben.

Anschließend fuhr der NRW-Regierungschef in das Camp Kara Tepe. In dem als "Vorzeigelager" geltenden Camp halten sich etwa 1.300 Menschen auf. Dieser Besuch lief zunächst ohne Zwischenfälle ab.

Laschet will sich im Dezember um den CDU-Bundesvorsitz bewerben und gilt damit auch als möglicher Kanzlerkandidat.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. August 2020 um 12:00 Uhr.