Friedrich Merz, Kandidat für den CDU-Vorsitz, bei der Jungen Union in Köln | dpa

Kandidaten für den CDU-Vorsitz Schaulaufen bei der Parteijugend

Stand: 04.10.2020 08:32 Uhr

Die Junge Union hatte geladen - und alle Kandidaten für den Parteivorsitz kamen: Laschet, Röttgen und Merz stellten in Köln ihre Positionen klar heraus - auch mit dezenten Hinweisen auf angebliche Schwächen des Gegners.

Von Christian Feld, ARD-Hauptstadtstudio

Es gibt diese Momente, da ist Armin Laschet einfach im Vorteil. Er hat schließlich ein Amt, er regiert. Rückblick auf die Woche: Am Dienstag bespricht die Bundeskanzlerin mit den Länder-Chefinnen und Chefs das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie.

Christian Feld ARD-Hauptstadtstudio

Am Mittwoch entstehen gleich zweimal Bilder von gewichtigen Begegnungen. In Rom trifft Laschet den italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte. Mit US-Außenminister Mike Pompeo ist der NRW-Ministerpräsident fast zeitgleich im Vatikan. Die Privataudienz beim Papst hat nur Laschet.

Laschet setzt auf Kontinuität und Mitte

Es sind solche Termine, auf die die beiden anderen Bewerber um den CDU-Vorsitz verzichten müssen. Ganz anders gestern in Köln: Die Junge Union Nordrhein-Westfalen ist mächtig stolz darauf, dass bei ihr Norbert Röttgen, Friedrich Merz und Armin Laschet eine gemeinsame Bühne bekommen. Im Gürzenich, wo sonst im Kölner Karneval große Sitzungen abgehalten werden, werben jetzt nacheinander die drei Kandidaten für sich und ihre Ideen. Einzug Armin Laschet zum jecken Klassiker "Echte Fründe". Das hebt die Stimmung.

Am Rednerpult macht der NRW-Ministerpräsident sehr deutlich, was er nicht plant: einen Bruch mit der Politik von Angela Merkel. Er wolle "Kontinuität" und eine "Politik der Mitte". Das praktiziere er mit seiner Landesregierung. Laschet nennt sie die "stabilste, die wir in Deutschland haben". Eine neue Bundesregierung müsse - wie in Düsseldorf - breiter aufgestellt sein und allen Wurzeln der CDU Raum geben: christsozial, liberal und wertkonservativ. "Alles gehört zur CDU, alles muss integriert werden, alles muss sichtbar sein", ruft Laschet dem Parteinachwuchs zu.

Die Konkurrenten um den CDU Vorsitz, Armin Laschet und Friedrich Merz, begrüßen sich.  | dpa

In Köln trafen die Konkurrenten auf den CDU-Vorsitz aufeinander. Bild: dpa

Digitalisierung, Außenpolitik und Obama-Optik

Eigentlich hatte der Zeitplan ja genug zeitlichen Puffer zwischen den drei Auftritten vorgesehen. Doch Laschet verspätet sich. Als er bei seiner Rede darüber klagt, wie sehr doch die CDU in Nordrhein-Westfalen nach der Landtagswahl 2012 "am Boden" gelegen habe, sitzt Röttgen bereits im Publikum. Der dezente Hinweis gilt ihm, dem damaligen Spitzenkandidaten und Landesvorsitzenden.

In einem liegt das Unterstützer-Team von Röttgen klar vorn. Es ist optisch deutlich zu erkennen. Auf T-Shirts ist ihr "Nobbi" - in Obama-Optik - aufgedruckt. Röttgen fordert in Köln einen "digitalen Aufbau Deutschland 2025" und warnt: "Es geht nicht, dass wir zurückhängen." Vor allem jedoch beackert er mit der Außenpolitik das Feld, das ihm zuletzt viel Aufmerksamkeit in den Medien eingebracht hat: das "aggressive Russland", China, USA und eine EU, deren Zusammenhalt alles andere als garantiert sei. Doch so tapfer die eigenen Anhänger auch klatschen, so laut wie anfangs bei Laschet oder danach bei Merz wird es im Saal nicht.

Norbert Röttgen, Kandidat für den CDU-Vorsitz | dpa

Röttgen setzte vor allem auf die Themen Digitalisierung und Außenpolitik. Bild: dpa

Abgrenzung und Wirtschaftsnähe

"Polka, Polka, Polka" - der dritte Karnevalshit für den dritten Kandidaten. Der Sauerländer Merz wirbt für sich als Mann der klaren Kante. Er grenzt sich besonders scharf von den Grünen ab. Überhaupt: Vor der Anschlussfähigkeit komme erst einmal die eigene Profilschärfung: "Da kämpfen wir nicht für eine Koalition oder für eine Kombination aus irgendwelchen Farben, sondern bei dieser Bundestagswahl kämpfen wir ausschließlich für uns."

Nachhaltigkeit fordert er nicht nur in der Umweltpolitik, sondern auch in der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Und: "Wir brauchen ein besseres Klima für die Wirtschaft."

Entscheidung noch vor dem Parteitag?

Drei Männer im Karneval-Saal - das Dreigestirn der CDU? So ganz passt der Vergleich nicht. Zwar kann es auch im närrischen Hofstaat am Ende nur einen Prinzen geben. Allerdings bildet der mit Bauer und Jungfrau ein eingeschworenes Männer-Team. Ob das bei Laschet, Merz und Röttgen so kommen wird, ist noch nicht ausgemacht.

Ralph Brinkhaus, der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, hätte es am liebsten, wenn die drei Kandidaten sich schon vor dem Parteitag auf eine gemeinsame Lösung verständigen würden. Hofft er noch darauf? Es wäre schon schön, sagt Brinkhaus im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio, wenn man sich einigen könnte, wie es nach dem Parteitag weitergehe: "Nicht also, dass der Verlierer oder die Verlierer schmollend nach Hause gehen, und der Gewinner alleine dasteht."

Söder und die K-Frage

Und dann wäre da ja auch noch die Frage, wer für die Union in das Rennen um das Kanzleramt geht. Als CSU-Chef Markus Söder am Mittwoch ein Buch über Laschet präsentiert, sagt er: "Natürlich ist der Platz in Bayern."

Doch er verweist auch noch einmal auf den weiteren Ablauf. Erst wähle die CDU einen Vorsitzenden, dann würden sich die beiden Unionsparteien zusammensetzen. "Und dann wird, nehme ich an, ein Kandidat ausgerufen, der vor die Wählerinnen und Wähler tritt." Eine betonharte Absage klingt anders. Gerade erscheint eine neue Biografie über Söder. Sie trägt den Titel: "Der Schattenkanzler".

Ein Interview mit Friedrich Merz und mehr zu diesem Thema sehen Sie um 18:05 Uhr im Bericht aus Berlin.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. Oktober 2020 um 09:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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c4-- 04.10.2020 • 16:28 Uhr

Worum genau geht es bei einem CDU-Vorsitzenden?

Letztlich soll jemand gefunden werden, der die CDU repräsentiert und anführt, jemand, der letztlich als Bundeskanzlerkandidat für die Union ins Rennen geschickt wird (falls sich Söder nicht durchsetzt) und (aller Voraussicht nach) Kanzler einer Unionsgeführten Regierungskoalition wird. Ich kann gut verstehen, dass angesichts des wahrscheinlichen Aufstiegs bis ins Kanzleramt alle mitreden wollen (ich würde NIE jemandem den Mund verbieten), aber Hand aufs Herz, für viele hier im Kommentarbereich wäre ein Kanzler aus der CDU/CSU ohnehin nicht die erste Wahl. Daher erscheint es mir müßig, wenn sie mitbestimmen wollen, wen die CDU und letztlich die Union aufstellt. . Ich stehe der Union recht nahe und würde mich über Merz als Vorsitzenden, Kandidaten und Kanzler sehr freuen. Wenn sie ihn aufstellen, dann ist ihnen meine Stimme sicher. Er ist inhaltlich Kompetent, konservativ, kein Merkel-Loyalist und hat das Potenzial vergraulte CDU Wähler zurückzugewinnen.