Bayerns Ministerpräsident Markus Söder | Bildquelle: dpa

Vorläufiges Ergebnis in Bayern Hohe Verluste für CSU und SPD - Grüne stark

Stand: 15.10.2018 02:13 Uhr

Die CSU fällt tief, die SPD noch sehr viel tiefer. Großer Gewinner der Landtagswahl in Bayern sind die Grünen. Grund zum Jubeln haben auch Freie Wähler und AfD. Die FDP ist laut dem vorläufigem Ergebnis ebenso im Landtag.

Die Menschen in Bayern haben bei der Landtagswahl der CSU sowie der SPD zweistellige Verluste zugefügt und die politische Landschaft umgekrempelt. Die jahrzehntelang dominierende CSU von Parteichef Horst Seehofer und Ministerpräsident Markus Söder verliert ihre absolute Mehrheit und braucht nun einen Koalitionspartner.

Laut vorläufigem amtlichen Ergebnis kommen die Christsozialen auf 37,2 Prozent. Damit kommt Bayern in der politischen Normalität der Bundesrepublik an. 30 Prozent plus X ist in der heutigen Parteienlandschaft kein schlechtes Ergebnis - für die CSU jedoch ist es ein Desaster. Es ist ihr schlechtestes Ergebnis seit 1950, sie bleibt aber klar stärkste Kraft.

"Kein einfacher Tag"

"Natürlich ist das heute kein einfacher Tag", sagte Ministerpräsident und CSU-Spitzenkandidat Markus Söder. "Wir nehmen das Ergebnis mit Demut an." Nötig sei es nun, eine stabile Regierung zu bilden - "diesen Auftrag nehmen wir an." Er fügte aber hinzu: "Die CSU ist nicht nur stärkste Partei geworden, sie hat auch den klaren Regierungsauftrag bekommen." In den tagesthemen machte Söder klar, dass er sich weiter an der Spitze der Landesregierung sieht. Aber er muss sich Koalitionspartner suchen, um weiter regieren zu können.

Für die Christsozialen, die seit 1957 immer den Ministerpräsidenten stellten und über weite Strecken allein regieren konnten, ist das eine Zäsur. Mit Folgen, die aufgrund ihrer Sonderrolle im Bund weit über Bayern hinaus gehen dürften.

Ministerpräsident Söder, erst seit März nach einem innerparteilichen Machtkampf mit Horst Seehofer im Amt, konnte ganz offensichtlich nicht von einem Amtsbonus profitieren, seine Beliebtheitswerte im Land sind mäßig. Auch seine mehrfachen Kurs- und Imagewechsel während des Wahlkampfs dürften ihn Glaubwürdigkeit gekostet haben. Söder wiederholte am Wahlabend seine Vorwürfe Richtung Berlin. Bei der Großen Koalition sehe er die Schuld für das Wahldebakel. Diese Debatte dürfte nun an Fahrt gewinnen.

SPD im freien Fall

Die SPD hat es in Bayern immer schwer. Aber diese Niederlage ist eine Katastrophe. Die Sozialdemokraten mit Spitzenkandidatin Natascha Kohnen verzeichnet mit 9,7 Prozent ihr bundesweit schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl und wird nur noch fünftstärkste Kraft. Es ist ein dramatischer Absturz - 2013 erzielte sie noch 20,6 Prozent.

"Das wird ein langer, harter Weg, uns da wieder herauszuarbeiten", prophezeite Kohnen. Man werde in den kommenden Tagen im Landesvorstand über alles reden, sagte sie. "Und ich meine über alles."

Bayern-Grüne mit Rekord

Einen Bayern-Rekord stellten die Grünen auf. Sie erreichen 17,5 Prozent und sind nun klar zweitstärkste Kraft im Freistaat. Zum Vergleich: 2013 holten die Grünen 8,6 Prozent. Das Landtagswahlergebnis hat Bayern "jetzt schon verändert", sagte Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze. Die Grünen hätten sich auf den Weg gemacht, weil Bayern eine Partei brauche, die die Probleme der Menschen löse und nicht ständig neue Probleme produziere.

Schulze und ihr Co-Spitzenkandidat Ludwig Hartmann rückten die bayerischen Grünen im Wahlkampf stärker in die gesellschaftliche Mitte. Radikale Fundi-Forderungen waren von ihnen nicht zu hören. So wurden sie zur Alternative für abgeschreckte CSU-Wähler und enttäuschte SPD-Anhänger. Auch dürften die Grünen von ihrer Oppositionsrolle im Bund profitiert haben, Umfragen bescheinigen der Partei einen bundesweiten Höhenflug.

Die Freien Wähler erreichten mit 11,6 Prozent ihr bestes Ergebnis in Bayern überhaupt. Die AfD kam mit 10,2 Prozent erstmals in den bayerischen Landtag, in das letzte deutsche Landesparlament dürfte die Partei in zwei Wochen in Hessen einziehen. Die FDP musste lange zittern. Mit 5,1 Prozent zog sie wieder in den bayerischen Landtag ein, die Linkspartei verpasste mit 3,2 Prozent erneut den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde.

Die Wahlbeteiligung lag mit 72,4 Prozent deutlich über der Beteiligung von 2013 mit 63,9 Prozent.

Söder will mit Freien Wählern regieren

Die CSU bekommt diesen Zahlen zufolge 85 Sitze im neuen, 205 Sitze umfassenden bayerischen Landtag. Die Grünen liegen bei 38 Mandaten, die Freien Wähler bei 27. Die AfD kommt demnach auf 22 Abgeordnete, die SPD auch auf 22 und die FDP auf 11. Die CSU könnte theoretisch mit den Grünen oder den Freien Wählern koalieren. Sie will lieber mit den Freien Wählern regieren, diese Mehrheit wäre aber knapp. Deren Chef, Hubert Aiwanger, kann sich eine Regierungsbeteiligung ebenfalls vorstellen. "Ich wär bereit. Wenn Söder Ja sagt, dann pack mer's", sagte Aiwanger im ZDF.

Viel Zeit für Koalitionsgespräche bleibt nicht. Die bayerische Verfassung setzt einen engen Zeitplan - nur 22 Tage sind vorgesehen, bis sich der neue Landtag konstituieren muss, eine Woche später soll der Ministerpräsident gewählt sein.

Über dieses Thema berichteten am 14. Oktober 2018 die ARD-Wahlsendung ab 17:30 Uhr, die tagesthemen extra um 21:45 Uhr und die tagesthemen um 22:50 Uhr.

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