Museumsbesucher  | Bildquelle: AFP

Corona-Krise Lockerungspläne für Kunst und Kultur

Stand: 17.05.2020 13:24 Uhr

Begrenzte Besucherzahlen, mehr Online-Tickets und Schutz künstlerischer Akteure: Die Kulturminister von Bund und Ländern haben ein Konzept vorgelegt, mit dem die Kulturlandschaft wieder zum Leben erweckt werden soll.

In der Corona-Krise steht das kulturelle Leben in Deutschland weitgehend still. Die für die Kultur zuständigen Minister von Bund und Ländern haben sich jetzt auf Eckpunkte verständigt, die eine langsame Wiederaufnahme des Kulturbetriebs - darunter Kinos und Theater - ermöglichen sollen.

Mit der Öffnung erster Bibliotheken, Museen oder Ausstellungshäuser seien bereits wichtige Schritte gemacht worden, heißt es in dem sechsseitigen Papier für Kanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefs der Länder, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Für ihre weitergehenden Vorschläge berufen sich die beteiligten Minister auf Konzepte einschlägiger Branchen- und Berufsverbände, die "eine bundesweit möglichst einheitliche und transparente sowie sichere Handhabung" gewährleisteten.

Voraussetzung für Lockerungen seien jeweils die lokalen Entwicklung der Infektionszahlen. Auf der Basis sollten individuell an die Spielstätten angepasste Vor-Ort-Konzepte entwickelt werden.

Leere Sitzreihen, keine Warteschlangen

Zur Begrenzung von Besucherzahlen sollen etwa in Theatern Sitzplätze und ganze Sitzreihen ausgelassen werden. Ticketing-Systeme könnten dabei Mindestabstand sicherstellen. Um Warteschlangen zu vermeiden, schlagen die Kulturminister Online-Tickets und Zeitfenster vor. Besucherströme sollen geregelt werden etwa über Verzicht auf Abriss von Eintrittskarten, Scans von Tickets oder zeitversetzten Einlass.

Zur Verringerung der Aerosol-Belastung in Sälen und Innenräumen werden ergänzende Konzepte empfohlen. Zudem sollen Kontaktdaten von Besuchern zur Nachverfolgung bei Erkrankungen gespeichert werden.

Weniger Personal in Probenräumen

Zum Schutz künstlerischer Akteure sind dem Minister-Konzept zufolge unterschiedliche Regelungen für Darsteller auf der Bühne, Orchestermusiker, Chorsänger, Tänzer oder Schauspieler notwendig. In Probenräumen oder Garderoben soll die zulässige Personenzahl beschränkt werden.

Aus Sicht der Kulturminister müssen auch künstlerische Programme den veränderten Bedingungen angepasst werden. Das Papier empfiehlt eine "möglichst zügige Wiederaufnahme des Probenbetriebs für möglichst alle Sparten". Es sollten zunächst kleinformatige Darbietungen "sowohl in geschlossenen Räumlichkeiten als auch im Freien" zugelassen werden.

Weil Kinos "wesentlich vom überregionalen, oft bundesweit einheitlichen Programmangebot und Filmstarts der Filmverleiher abhängig" seien, sollten "möglichst nahe beieinanderliegende Wiedereröffnungstermine angestrebt werden", heißt es in dem Papier. Open Air- und Autokinos sollten "baldmöglichst (wieder-)eröffnet werden.

Umfang von Finanzhilfen unklar

Zur finanziellen Stützung der Szene setzt Kulturstaatsministerin Monika Grütters auf ein "Rettungs- und Zukunftspaket" des Bundes.

Finanzminister Olaf Scholz hatte angekündigt, Kulturschaffende sollten Teil des Konjunkturprogramms werden. Nach einem Bericht des "Spiegel" sollen die Hilfen im Vergleich zu anderen Bereichen gering ausfallen. Sie sollten nicht einmal einen "mittleren einstelligen Milliardenbetrag erreichen", hieß es unter Berufung auf das Finanzministerium.

Aus Kreisen der Länder war ein Programm von zwei Milliarden Euro von Bund und Ländern ins Gespräch gebracht worden.

Der Vorsitzende der Kulturminister-Konferenz, Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU), begrüßte die Pläne des Bundes, die Kulturszene am Konjunkturprogramm zu beteiligen. "Wir müssen die bestehenden Strukturen in Kunst und Kultur erhalten und Unterstützung leisten", sagte Sibler der dpa.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Mai 2020 um 12:30 Uhr.

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