KSK-Training (Archivbild) | dpa

Bundeswehr-Elitetruppe Kramp-Karrenbauer will KSK zum Teil auflösen

Stand: 30.06.2020 16:06 Uhr

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer will das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr nach einer Serie rechtsextremer Vorfälle grundlegend umstrukturieren. Eine Kompanie soll komplett aufgelöst werden.

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer will die Elitetruppe KSK nach rechtsextremistischen Vorfällen zum Teil auflösen. Die zweite Kompanie, in der die Vorfälle stattfanden, werde ersatzlos aufgelöst, sagte die Ministerin der "Süddeutschen Zeitung". Damit bleiben dem KSK nur noch drei Einsatzkompanien.

Die Ministerin zog ein kritisches Fazit der Zustände: Das Kommando Spezialkräfte habe sich "in Teilen verselbstständigt, auch weil es eine toxische Führungskultur einzelner gab - daraus folgt, dass das KSK nicht in seiner jetzigen Verfassung bestehen bleiben kann", sagte sie dem Blatt.

Einsätze und Übungen gestrichen

Das Verteidigungsministerium unterrichtete die Fachleute im Bundestag über ein umfassendes Maßnahmenpaket. Demnach wird die Spezialeinheit der Bundeswehr bis auf weiteres nicht an internationalen Übungen und Einsätzen teilnehmen. Einsätze des KSK sollen soweit möglich von anderen Einheiten übernommen werden. Die Ausbildung der Kommando-Soldaten soll künftig unter Verantwortung der Infanterieschule in Hammelburg stehen.

Schussmunition und Sprengstoff verschwunden

Als "beunruhigend" und "alarmierend" bezeichnete die Ministerin neueste Erkenntnisse, denen zufolge beim KSK 48.000 Schuss Munition und 62 Kilogramm Sprengstoff verschwunden seien. 

Nun müsse dringend geklärt werden, ob nur über Jahre hinweg schlampig Buch geführt worden war oder ob im großen Stil Kriegsmaterial entwendet wurde, sagte sie. Kommandeur Markus Kreitmayr, der seit 2018 den Verband führt und die Probleme deutlich angesprochen hat, solle das KSK durch den Reformprozess begleiten.

Annegret Kramp-Karrenbauer | HENNING SCHACHT/POOL/EPA-EFE/Shu

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer: Wenn die Angehörigen des KSK "diesen Schuss jetzt nicht gehört haben, wird sich unausweichlich die Frage nach einer Neuordnung des KSK stellen", Bild: HENNING SCHACHT/POOL/EPA-EFE/Shu

"Bewährungschance" - zunächst bis Oktober

"Die Mauer des Schweigens bricht", sagte Kramp-Karrenbauer. Ende Oktober solle eine erste Bilanz gezogen werden, kündigte Kramp-Karrenbauer an. Es gehe nun um eine "Bewährungschance", sagte sie der Zeitung. Wenn die Angehörigen des KSK "diesen Schuss jetzt nicht gehört haben, wird sich unausweichlich die Frage nach einer Neuordnung des KSK stellen", fügte sie hinzu. 

Das KSK ist wegen mehrerer rechtsextremistischer Vorfälle seit längerem im Blick von Kramp-Karrenbauer und des Militärgeheimdienstes MAD. Im Mai stellte die Polizei bei einer Razzia auf dem Privatgelände eines KSK-Soldaten in Sachsen Waffen, Sprengstoff und Munition sicher.

Im Juni bat ein Hauptmann aus der Truppe die Ministerin dann in einem mehr als zehnseitigen Schreiben um ein Eingreifen. Er warf Ausbildern und Vorgesetzten Willkür vor, die zu einer Art Kadavergehorsam in dem Verband führten. Beschwerden würden unterdrückt oder verschleppt. Im Verband herrsche eine "toxische Kultur des Hinnehmens".