Annegret Kramp-Karrenbauer  | Bildquelle: SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX/Shu

Annegret Kramp-Karrenbauer Die Risikobereite

Stand: 06.12.2018 19:42 Uhr

Kramp-Karrenbauer ist kein Merkel-Klon, aber auch kein Gegenentwurf. Sie könnte wohl am ehesten alle CDU-Flügel einbinden, und: sie hat schon Wahlen gewonnen. Von allen Kandidaten geht sie das größte Risiko ein.

Von Alex Krämer und Marcel Heberlein, ARD-Hauptstadtstudio

"Ich weiß, mein Name ist kompliziert", sagt Annegret Kramp-Karrenbauer. "AKK" nennen sie deshalb die meisten - das ist einfach. Kompliziert dagegen ist, wie sie oft formuliert - Bandwurmsätze, Bürokratiedeutsch. Dabei kann sie mitreißen, wie im Februar in ihrer Bewerbung als Generalsekretärin: "Ich kann, ich will und ich werde, und deshalb stelle ich mich gern in den Dienst der Partei", sagte die 56-Jährige unter Applaus.

Viele rechnen ihr hoch an, dass sie ihren Posten als Ministerpräsidentin aufgegeben hat, um Generalsekretärin zu werden. Angela Merkel hat sie nach Berlin geholt - was für "AKK" Fluch und Segen ist.

Von Merkel absetzen, aber sachte

Das Label "Merkel 2.0" klebt an ihr. Nicht ganz zu unrecht: Sie wirkt uneitel und bodenständig - wie Merkel. Sie hat nichts gegen einen großen Sozialstaat - wie Merkel. Im Asylstreit mit der CSU im Sommer schwörte sie die Parteimitglieder mit Briefen auf die Linie der Kanzlerin ein: "Ich werde jetzt nicht, nur um einen Wettbewerbsvorteil zu haben, mich künstlich von jemanden absetzen, den ich in einem hohen Maße schätze."

Nicht künstlich absetzen - aber absetzen schon. Das muss sie und will sie vielleicht auch, ganz sachte. Kramp-Karrenbauer zweifelt am Ende der Wehrpflicht, bringt ein Pflichtjahr für alle ins Gespräch. Auch Merkels folgenschwere Entscheidung, die deutschen Grenzen 2015 nicht zu schließen, will sie nochmal mit der ganzen Partei diskutieren. Überhaupt, die Partei: "Zuerst Debatte in der Partei, dann Vorschläge zur Umsetzung in der Fraktion, und dann in die Regierung - das ist demokratische Reihenfolge, das entspricht einer selbstbewussten Partei. Das ist es, was wir wollen."

Alle Flügel einbinden und zusammenhalten

Atomausstieg, Homo-Ehe, der Islam gehört zu Deutschland - für die CDU gab es unter Merkel oft nur "friss oder stirb". Kramp-Karrenbauer verspricht Linderung, Zusammenhalt und das Einbinden aller Flügel. Merkels Klon ist sie nicht. Schon deshalb nicht, weil sie gesellschaftspolitisch die konservativste der drei Kandidaten ist.

Elisabeth Motschmann, Bundestagsabgeordnete aus Bremen und Delegierte beim Parteitag in Hamburg, sagt über Kramp-Karrenbauer: "Sie hat zum Beispiel dafür gesorgt, dass die Kreuze im Saarland in den öffentlichen Räumen nicht abgehängt werden. Das war ein bewusster Akzent. Und sie mahnt in Diskussionen, dass wir dieses C nicht aus den Augen verlieren dürfen ... Sie moderiert nicht so, wie Angela Merkel. Sondern sie entscheidet, setzt durch."

"Mit allen Wassern gewaschen"

Armin Schuster, Bundestagsabgeordneter aus Baden-Württemberg und ebenfalls Delegierter beim Bundesparteitag, sagt: "Ich bin überzeugt, dass kaum etwas stimmt an der Formulierung, sie sei ein Abziehbild oder sowas. Der das sagt, kennt die beiden Frauen nicht, oder er will ganz bewusst eine Kampagne fahren." Aus seiner Sicht habe sie "das breiteste Profil. Das könnte in der CDU ein Erfolgsmoment sein. Die Frau ist konsequent, thematisch mit allen Wassern gewaschen, logisch, Ministerpräsidentin. Für mich natürlich ein starker Typ, weil sie Innenministerin war." Das spüre man ganz stark. Außerdem sei sie "sehr, sehr nahbar".  

Porträt Annegret Kramp-Karrenbauer
tagesschau24 09:00 Uhr, 07.12.2018, Tom Schneider, ARD Berlin

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Kramp-Karrenbauer hat noch ein anderes großes Pfund: Sie hat schon Wahlen gewonnen, 2017 zuletzt. Im kleinen Saarland nur, aber mit mehr als 40 Prozent für die CDU. Die AfD landete unter sieben Prozent, obwohl die Flüchtlingsdebatte da schon in vollem Gange war. "Kein Unterricht ist ausgefallen, keine Klasse ist größer geworden, keinem Menschen mit Behinderung ist irgendetwas weggenommen worden, weil wir die anderen Aufgaben erledigt haben", erklärte sie. "Und so, meine sehr geehrten Damen und Herren, in einem der wohlhabendsten Länder der Welt, so muss man Politik machen. Nicht die eine gegen die andere Gruppe ausspielen." Ihre Botschaft lautet: "Die AfD klein kriegen, der Merz und der Spahn versprechen's, ich hab's schon geschafft."

Eine Frage des Willens

"Menschen kriegt man nur dazu, Tempo mitzugehen, wenn sie sich sicher fühlen. Und dazu brauchen sie einen Staat, der ganz deutlich macht, dass er stark ist, dass er wehrhaft ist, dass er sich nicht auf der Nase rumtanzen lässt. Weder von denen, die Steuern hinterziehen noch von arabischen Großclans, die hier durch die Straßen marodieren", so "AKK". Das sage sie als ehemalige Innenministerin. "Das ist keine Frage von schrillen Tönen, das ist zum Teil noch nicht mal eine Frage von Rechtsverschärfungen. Das ist einzig und alleine eine Frage des Willens und Vollzugs, es auch wirklich zu tun. Und auch hier haben wir in der CDU, auch dort wo wir Verantwortung tragen, noch Luft nach oben. Das gehört zur Wahrheit auch dazu."

Bleibt eine letzte Frage: Nach 18 Jahren Merkel - will die CDU wirklich nochmal eine Frau an der Spitze? Die Delegierte Elisabeth Motschmann sagt dazu: "Manche sagen: Nicht schon wieder eine Frau. Da sag ich: Wie oft hab ich schon wieder einen Mann erlebt?"

Unterm Strich: Kramp-Karrenbauer ist keine Bomben-Rednerin, aber punktet im direkten Umgang. Kein Merkel-Klon, aber auch kein Gegenentwurf. Sie könnte wohl am ehesten alle Flügel der Partei einbinden. Die bodenständige Mutter aus dem Saarland hat schon Wahlen gewonnen - in der machtbewussten CDU ein starkes Argument. Merz und Spahn könnten AfD-Wähler zurückholen, aber "AKK" kann besser Grüne ansprechen. Zündet ihre Bewerbungsrede auf dem Parteitag, könnte es reichen für sie. Reicht es nicht, steht sie ohne Amt da. Von allen Kandidaten geht sie das größte Risiko ein.

Porträt Annegret Kramp-Karrenbauer
Marcel Heberlein, ARD Berlin
06.12.2018 14:35 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 06. Dezember 2018 um 22:15 Uhr.

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