Kramp-Karrenbauer | REUTERS
Interview

Politologin zu Kramp-Karrenbauer "Es war ihre fehlende Führungskraft"

Stand: 10.02.2020 13:00 Uhr

Der Richtungskampf in der CDU werde nun "voll losgehen", sagt die Politologin Römmele im tagesschau-Interview. Mit der AfD habe der Rückzug Kramp-Karrenbauers eher nicht zu tun. Grund sei ihre fehlende Führungskraft.

tagesschau: Was bedeutet der Rückzug Kramp-Karrenbauers für die künftige Ausrichtung der CDU?

Andrea Römmele: Das bedeutet zuerst einmal, dass der Versuch von Angela Merkel gescheitert ist, den Übergang in die Zeit nach ihrer Kanzlerschaft geordnet zu vollziehen. Es bleibt jetzt die große Frage, wer der Nachfolger sein wird. Es zeigt aber auch, wie tief gespalten die CDU ist. Das wird die große Herkulesaufgabe des Nachfolgers oder der Nachfolgerin von Kramp-Karrenbauer sein.

tagesschau: Kramp-Karrenbauer hat ihre Entscheidung auch damit begründet, dass Teile der Partei ein unklares Verhältnis zur AfD hätten. Franst die CDU - salopp gesagt - jetzt am rechten Rand aus?

Römmele: Es war nicht die Haltung gegenüber der AfD, die Frau Kramp-Karrenbauer zu Fall gebracht hat. Es war ihre fehlende Führungskraft in die Partei hinein, bei den Parteimitgliedern, in die Landesverbände. Es ist jetzt die große Aufgabe eines neuen Parteivorsitzenden, hier die Partei wieder zu einen.

"Merkel als Führungspersönlichkeit gestärkt"

tagesschau: Kramp-Karrenbauer war die Wunschkandidatin von Kanzlerin Merkel. Was bedeutet das für die Rolle der Kanzlerin? Ist auch sie geschwächt?

Römmele: Die Kanzlerin hat ein klares Machtwort gesprochen was Thüringen anbelangt. Das hat sie nochmal als Führungspersönlichkeit gestärkt. Hier hat sie eine starke und deutliche Haltung gezeigt. Prinzipiell hätte sie sich ihre Nachfolge aber geordneter vorgestellt. Das ist die zweite Seite: Im Hinblick auf ihre Nachfolge ist sie geschwächt.

tagesschau: Steht der Partei jetzt ein offener Machtkampf bevor?

Römmele: Ja, ich erwarte einen Machtkampf. Frau Kramp-Karrenbauer hatte als Parteivorsitzende ja nicht nur eine "Nebenvorsitzende" mit der Kanzlerin. Sondern sie hatte auch mindestens drei vielleicht sogar vier "heimliche Parteivorsitzende". Hier wird der Richtungskampf in der CDU voll losgehen - und sicherlich auch ein Phase der Destabilisierung einläuten.

"Das würde ganz klar gegen Söder sprechen"

tagesschau: Die CDU will im Sommer einen neuen Parteichef und Kanzlerkandidaten bestimmen. Hat sie dazu überhaupt noch die Kraft oder schlägt jetzt in der Union die Stunde des CSU-Vorsitzenden und bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder?

Römmele: Einige habe sich ja schon für NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ausgesprochen. Ich denke, hier gilt auch das Wort der Kanzlerin und auch der Noch-Parteivorsitzenden, dass es immer gut ist, Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur und dann eben auch Kanzlerschaft in einer Hand zu halten. Und das würde ganz klar gegen Herrn Söder sprechen.

tagesschau: Bislang war die Union der stabile Teil der Bundesregierung, die SPD sorgte mit innerparteilichen Querelen und häufigen Personalwechseln für Instabiliät. Kommt jetzt die gesamte Regierung ins Wanken?

Römmele: Für die SPD ist es sicherlich etwas Neues, mal nicht im Fokus zu stehen, sondern die innerparteilichen Querelen in der CDU zu beobachten. Ich denke aber, es ist noch zu früh zu sagen, ob die Große Koalition ins Wanken kommt oder nicht. Was wir aber bis zu den Neuwahlen - ob die nun dieses Jahr kommen oder wie geplant 2021 - sicher sehen werden, ist ein nach innen gerichteter Blick der Bundesrepublik.

Das Interview führte Susanne Holst, tagesschau. Es wurde für die schriftliche Fassung redigiert und leicht gekürzt. Die vollständige Fassung finden Sie als Video auf dieser Seite.

Über dieses Thema berichtete eine Extra-Ausgabe der tagesschau am 10. Februar 2020 um 11:15 Uhr.