Vertrocknete Blätter liegen auf einem Waldboden, der von Rissen durchzogen ist. | dpa
Kommentar

Waldsterben in Deutschland Bäume im Dauerstress

Stand: 24.02.2021 15:32 Uhr

Dem deutschen Wald geht es schlecht. Hitze, Stürme, Schädlinge und der Mensch setzen ihm zu. Das dürfe niemanden kaltlassen - und müsse alle zum Umdenken bringen.

Ein Kommentar von Birgit Schmeitzner, ARD-Hauptstadtstudio

Ein schöner Waldspaziergang, frische Luft mit genügend Abstand zu den anderen - in diesen Corona-Zeiten haben viele diese kleine Flucht hinaus ins Grün für sich entdeckt. Ein Ort der Erholung, hier blitzen Sonnenstrahlen durchs Blätterwerk, dort huscht das Eichhörnchen den Ast entlang. Ruhig ist es. Und es ist gut, dass Bäume nicht schreien können. Denn wenn sie es könnten, wäre es vorbei mit Ruhe und Beschaulichkeit.

Birgit Schmeitzner ARD-Hauptstadtstudio

Dem Wald geht es schlecht, er steht unter Dauerstress. Ein Dürre-Jahr nach dem anderen, lange Hitze-Perioden und Stürme - immer weitere Wetterextreme also. Dazu die zunehmende Luftverschmutzung und Schädlinge wie die Borkenkäfer, die sich durch Rinde und Holz der Bäume bohren. Nur noch jeder fünfte Baum steht gesund da mit voller Krone.

Schaut man sich die Absterberate an - wie viele Bäume also zwar noch stehen, aber innerhalb eines Jahres abgestorben sind - wird einem ganz anders: Die Kurve für die Fichte zum Beispiel schießt fast senkrecht nach oben.

Ökosystem in Schieflage

Das darf niemanden kalt lassen. Denn so ein Wald ist mehr als eine schöne Kulisse für den Sonntagsspaziergang. Hier wird Holz produziert und Grundwasser gefiltert und gespeichert. Der Wald bindet klimaschädlichen Kohlenstoff, reguliert den Niederschlag, reinigt die Luft und ist Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten. Der Klimawandel bringt das alles in eine Schieflage.

Bäume entwickeln sich nun einmal anders, viel langsamer als Pilze oder Insekten. Das heißt: Sie können sich auch nicht so schnell an veränderte Umwelteinflüsse anpassen. Und wir sind noch immer nicht gut darin, dieses sensible Ökosystem wieder in ein Gleichgewicht zu bringen.

Verbündeter gegen die Erderwärmung

Förderprogramme von Bund und Ländern helfen, etwa die Nachhaltigkeitsprämie des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Höhe von 500 Millionen Euro - gut investiertes Geld, um wieder aufzuforsten. So, dass die Wälder stressresistenter werden: mit Mischwald statt Monokultur und Baumarten, die besser zurechtkommen mit zunehmender Trockenheit.

Aber auch wenn 500 Millionen Euro nach sehr viel Geld klingen: Bei den kleinen Waldbesitzern kommen davon nur ein-, zweihundert Euro an. Es ist gerade einmal eine symbolische Anerkennung für das, was sie für die Gesellschaft leisten.

Alle sollten mehr tun. Weil das Verhalten aller das Klima verändert, so wie die Menschen leben, heizen, fahren und konsumieren. Der Wald, dieser so geschätzte Erholungsraum, leidet darunter. Dabei ist er, wenn wir ihn wieder gesunden lassen, ein wichtiger Verbündeter gegen die Erderwärmung.

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Über dieses Thema berichtete am 24. Februar 2021 MDR Aktuell um 16:35 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.