Armin Laschet im Bundestag | dpa
Kommentar

Wahlkampf der Union im Bundestag In absoluter Alarmstimmung

Stand: 07.09.2021 18:43 Uhr

Wenn sogar Kanzlerin Merkel die laute Wahlkämpferin geben muss, ist klar: Die Union ist mehr als alarmiert. Geholfen hat da auch Kandidat Laschets aggressive Kritik an seiner Konkurrenz nichts.

Ein Kommentar von Barbara Kostolnik, ARD-Hauptstadtstudio

Heute muss es auch dem Letzten klar geworden sein: Die Union steht mit dem Rücken an der Wand - ach was: in der Wand. Wie sonst ist es zu erklären, dass die bislang so moderate Kanzlerin, die sich kaum jemals als aggressive Wahlkämpferin hervorgetan hat, im Bundestag mit roten Socken wedelt als sei sie CDU-Generalsekretärin? Der Druck auf Angela Merkel, jetzt doch endlich mal für den ausgesprochen unbeliebten Unions-Kanzlerkandidaten Stellung zu beziehen und aktiv zu werben, muss immens gewesen sein. Und auch Merkel muss schließlich eingesehen haben: Sie kann nicht länger schweigen.

Barbara Kostolnik ARD-Hauptstadtstudio

Ob sie aber selbst davon überzeugt ist, dass "der beste Weg für Deutschland eine Unions-geführte Bundesregierung mit Armin Laschet als Bundeskanzler ist, die für Maß und Mitte stehen wird"? Wo doch viele Menschen denken, dass der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen nicht so sehr Maß und Mitte, als vielmehr höchstens Mittelmaß ist?

Lage immer alarmierender

Daran ändert auch die engagierte, kämpferische Rede Laschets wenig. Er wird gewusst haben, dass in einer neuerlichen Umfrage ein weiterer Tiefstand auf der nach unten offenen Laschet-Skala erreicht wurde: die Union rutscht unter 20 Prozent, Laschet trauen nur mehr neun Prozent das Kanzleramt zu - die Lage wird für CDU und CSU immer alarmierender.

Und so attackierte er beherzt den SPD-Kanzlerkandidaten Scholz, lieferte sich ein Wortgefecht mit Grünen-Kandidatin Baerbock und versuchte das Dilemma aufzulösen, warum es nach 16 so guten Kanzlerinnen-Jahren ein Modernisierungsjahrzehnt mit ihm an der Spitze braucht.

Außer Kritik an der Konkurrenz fast nichts gewesen

Dumm nur, dass er sich derart an seinen direkten Konkurrenten abarbeitete, dass kaum mehr Zeit für eigene Akzente übrig blieb. Grüne als klimaschutzfixierte Industrie- und Arbeitsplatzvernichter, SPD als verantwortungslose Schuldenmacher und Steuererhöher: Laschet zeichnete ein Bild der Situation in Deutschland, als stünde der Untergang des Abendlandes unmittelbar bevor - wenn die Union nicht mehr auf der Regierungsbank sitzt.

Das ist ziemlich arm. Von einem Kandidaten einer Partei, die sich Volkspartei nennt, erwartet man doch etwas mehr als ein Bekenntnis zur Automobilindustrie, der Warnung vor Clan-Kriminalität oder dem ollen Schreckgespenst von Rot-Grün-Rot. 

Was also bleibt nach diesem Auftritt? Die Union hat sich offensichtlich dafür entschieden, die letzten Tage einen Angst-Wahlkampf zu führen. Die eigene Angst vor einem Machtverlust und dem Fall in die oppositionelle Bedeutungslosigkeit muss wahrlich groß sein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. September 2021 um 18:15 Uhr.