Mehrere Polizisten stehen neben dem Kölner Hauptbahnhof, im Hintergrund der Dom. | Bildquelle: 20160106

Sicherheitskonzept für Silvester "Wer Hilfe benötigt, bekommt Hilfe"

Stand: 12.12.2016 13:25 Uhr

Nach den Übergriffen in der Silvesternacht ist Köln zum Synonym geworden für die massive Belästigung von Frauen. Polizei und Stadt wollen dieses Mal verhindern, dass sich das Chaos vom vergangenen Jahr wiederholt.

Von Gudrun Engel, WDR

"Köln ist eine friedliche und sichere Stadt", davon ist Oberbürgermeisterin Henriette Reker überzeugt. Und in der kommenden Silvesternacht will sie das gemeinsam mit Landes- und Bundespolizei unter Beweis stellen.

Sicherheitskräfte verzehnfacht

Mehr als 1500 Polizeibeamte sollen deshalb im Einsatz sein - im vergangenen Jahr waren es nur etwa 140. "Nach unserer Vorstellung wird es keinen Bereich geben, in dem Menschen hier in Köln - in der Innenstadtzone jedenfalls - keine Polizeibeamtinnen und -beamten sehen werden", kündigte der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies an. Denn zu den Polizisten kommen etwa 600 Mitarbeiter des Ordnungsamtes und privater Sicherheitsfirmen sowie 400 Einsatzkräfte der Feuerwehr.

Silvestervorbereitungen in Köln mit neuem Sicherheitskonzept
tagesschau 20:00 Uhr, 12.12.2016, Demian von Osten, WDR

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Eine Million Euro für neue Überwachungstechnik

Die Kölner Polizei wird von Einsatz-Hundertschaften aus ganz NRW unterstützt, damit sich die chaotischen Szenen des vergangenen Jahreswechsels nicht wiederholen. Mathies erinnerte an die vielen Opfer der Nacht: "Es erzeugt Wut bei mir, weil die Polizei nicht da war, um die Leute zu schützen. Das darf sich nicht wiederholen. Deshalb werden wir alles daran setzen, dass sich alle hier sicher fühlen können."

Deshalb soll die Videoüberwachung ausgebaut werden. Technik für über eine Million Euro wurde dafür angeschafft. Bereits in zwei Tagen soll mit der Installation der neuen Kameras begonnen werden.

Mehr Videoüberwachung in Köln | Bildquelle: dpa
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Videoüberwachung und Bodycams sollen für mehr Sicherheit sorgen.

Beamte mit Bodycams

Auch die Bundespolizei setzt stärker auf Videoüberwachung und will zum Jahreswechsel deshalb Beamte mit Bodycams einsetzen, um die Lage dokumentieren zu können. Köln ist in diesem Jahr der Einsatzschwerpunkt. "Wir werden in unserem Aufgabenbereich auf jeden Fall die Kontrolle behalten und die Bürger schützen", versprach Wolfgang Wurm von der Bundespolizei, der den Einsatz im Bahnhof leiten wird.

Speziell für Frauen und Mädchen soll es - wie bereits an Karneval - ein spezielles Beratungsangebot geben. Ein mobiler Dienst, der auch telefonisch erreichbar ist, wird dafür auf den Straßen unterwegs sein, ebenso wie Streetworker, als Ansprechpartner für Jugendliche. "Für ganz Köln gilt: Jeder der Hilfe benötigt, wird Hilfe bekommen. Dafür werden wir sorgen", kündigte Reker an.

Sexuelle Übergriffe in der Silvesternacht

In der vergangen Silvesternacht waren Frauen vor dem Hauptbahnhof und dem Dom im dichten Gedränge von Männergruppen, darunter viele Nordafrikaner, massenhaft bestohlen, bedrängt, begrabscht und vergewaltigt worden. Im Lauf der folgenden Wochen gingen mehr als 1200 Anzeigen bei der Polizei ein. Laut dem Gutachten eines Kriminologen bezogen sich die Hälfte davon auf Sexualdelikte, zum Teil in Verbindung mit Diebstahl. Wie sich herausstellte, waren viele illegale Zuwanderer unter den Tätern.

Übergriffe zu Silvester in Köln 2015 | Bildquelle: dpa
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Silvester 2015 - Vor dem Dom und dem Hauptbahnhof herrschte Aufruhr.

Eine Stadt im Aufruhr

Auch Feuerwerk flog im Schatten des Doms zeitweise unkontrolliert umher. Der Polizeieinsatz gilt als misslungen. Ein Untersuchungsausschuss versucht die Ereignisse zu klären, die weltweit Schlagzeilen machten. Das Bild von Köln - bis dahin überall als weltoffen, tolerant und feierfreudig bekannt für Karneval und Dom - hatte Risse bekommen. Die gilt es jetzt zu kitten. "Köln ist mehr als der Silvesterabend im vergangenen Jahr", bekräftigte Reker bei der Pressekonferenz.

Aufarbeitung dauert an

Die juristische Aufarbeitung gestaltet sich schwierig: Obwohl die Polizei mehrere 1000 Stunden Videomaterial ausgewertet hat und sogar Profiler von Scotland Yard zum Einsatz kamen, konnten nur wenige Täter identifiziert werden. Nach den mehr als 1200 Anzeigen konnten nur 267 Ermittlungsverfahren eingeleitet werden, davon 60 wegen sexueller Übergriffe. Die Bilanz bis heute: In nur fünf Fällen wurde Anklage erhoben, in zwei Fällen kam es zu einer Verurteilung.

Sperrzonen in der Innenstadt

Um eine Wiederholung der chaotischen Zustände zu verhindern, soll rund um den Kölner Dom eine Sperrzone eingerichtet werden, in der Feuerwerk verboten ist. Passanten, Besucher der Abend-Messe im Dom und auch das Weltkulturerbe selbst soll so vor Beschuss mit Feuerwerk geschützt werden, heißt es.

Mehrere Polizisten stehen neben dem Kölner Hauptbahnhof, im Hintergrund der Dom. | Bildquelle: 20160110
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Die Polizeigewerkschaft hält das Sicherheitskonzept für gut und ausreichend.

Polizeigewerkschaft hält Konzept für ausreichend

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bewertet die beabsichtigten Maßnahmen des Sicherheitskonzepts als "gut und ausreichend". Zwar sei ein Verbot von Feuerwerkskörpern im Sicherheitsbereich schwer durchsetzbar, aber durchaus sinnvoll, sagte der NRW-GdP-Landesvorsitzende Arnold Plickert dem WDR. "Ein Alkoholverbot hingegen wäre lebensfremd." Das Trinken von Alkohol soll auch weiterhin erlaubt sein - so der Plan bisher. "Die Besucher sollen die Freude am Feiern nicht durch massive Sicherheitsvorkehrungen verlieren", bekräftigte Polizeipräsident Mathies.

Alternativ-Programm auf dem Roncalli-Platz

Der Berliner Lichtkünstler Philipp Geist will die andere Dom-Seite in einen "Licht-Traum-Raum" verwandeln, in den Besucher eintauchen können. Worte, Zeichen und Farben werden auf den Boden und angrenzende Fassaden der Museen projiziert. Außerdem können Besucher mit Kreide ihre Gedanken auf den Platz vor dem Dom malen. "Die beste Antwort auf Schrecken wie im letzten Jahr ist, mit einem positiven Kunstereignis andere Bilder zu entwickeln", erläuterte Geist seine Installation. Außerdem sollen mehrere Chöre auftreten und zum Mitsingen auffordern. Damit Köln an diesem Jahreswechsel wieder ein positives Bild von sich in die Welt senden kann.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Dezember 2016 um 12 Uhr.

Korrespondentin

Gudrun Engel | Bildquelle: WDR/Herby Sachs Logo WDR

Gudrun Engel, WDR

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