Bayern, Unterhaching: Schüler und Schülerinnen einer 12. Klasse des Lise-Meitner-Gymnasiums tragen im Unterricht Mundschutz.

Videoschalte der Kultusminister Wie geht es weiter in den Schulen?

Stand: 10.12.2020 05:07 Uhr

Am Anfang des Schuljahrs kündigten die Bundesländer einen reibungslosen Wechsel zwischen verschiedenen Unterrichtsformen an. Davon ist bislang wenig zu sehen. Heute berät die Kultusministerkonferenz, wie es in den Schulen weitergeht.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Angesichts anhaltend hoher Infektionszahlen hat die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina eine drastische Verschärfung der Corona-Beschränkungen gefordert. Die Feiertage und der Jahreswechsel sollten für einen "harten Lockdown" genutzt werden. In einem ersten Schritt sollte die Schulpflicht ab kommendem Montag, den 14. Dezember, bis zu den Weihnachtsferien aufgehoben werden. Damit sei gemeint, dass die Schüler nicht mehr in die Schule kommen müssen, erläuterte eine Sprecherin der Leopoldina. Das entbinde nicht von der Pflicht, zu Hause Aufgaben zu lösen.

Patrick Gensing tagesschau.de

"Untauglich"

Die Kultusministerkonferenz (KMK) berät heute per Videoschalte. Ob sie sich den Empfehlungen der Leopoldina und anderer Fachleute anschließt, erscheint fraglich. Die CDU-Politikerin Susanne Eisenmann, Kultusministerin von Baden-Württemberg, sagte bereits: "Manche Forderungen zeigen, dass die Leopoldina bei den Corona-Maßnahmen nicht ganz auf der Höhe der Zeit zu sein scheint."

Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) lehnte den Vorschlag als "untauglich" ab. Ihr sei völlig unverständlich, wie eine solche Äußerung von einer Akademie der Wissenschaft in die Öffentlichkeit getragen werden könne. Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte, in dem Stadtstaat brauche man eine Aussetzung der Präsenzpflicht ab dem 14. Dezember nicht, da die Ferien in Hamburg am 19. Dezember beginnen.

Festhalten an Präsenzpflicht

Sachsen ist das erste Bundesland, das in der zweiten Corona-Welle nun doch flächendeckende Schulschließungen ankündigte. Die Kultusministerinnen und Minister hatten immer wieder betont, "so lange wie möglich" an der Präsenzpflicht festhalten zu wollen, ohne konkret zu benennen, wann dies nicht mehr möglich sei.

Bereits Ende Oktober hatte sich die KMK in einer Videokonferenz darauf geeinigt, den Regelunterricht fortzuführen - trotz wachsender Bedenken von Fachleuten und Verbänden. Das Robert Koch-Institut (RKI) bedauerte damals, dass sich die Länder weiter nicht an alle Empfehlungen des Instituts halten.

KMK legt Zahlen vor

Nach dieser Videokonferenz hatte die KMK zudem angekündigt, man wolle Zahlen aus den Ländern "zusammenführen" und die Lage genau beobachten. Den aktuellen Zahlen zufolge waren in der vergangenen Woche 109 Schulen in Deutschland komplett ohne Präsenzunterricht. Das waren 48 weniger als in der Vorwoche. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 32.000 allgemeinbildende Schulen und rund 9000 Berufsschulen. Deutlich mehr Schulen meldeten allerdings eingeschränkten Präsenzbetrieb. Nach der am Dienstag veröffentlichten KMK-Statistik waren an 4389 von rund 25.000 Schulen, zu denen entsprechende Daten vorlagen, einzelne Klassen oder Lerngruppen im sogenannten Distanzunterricht, also zu Hause. In der Vorwoche waren es 3712 Schulen.

Nachweislich mit Corona infiziert waren den Daten zufolge in der vergangenen Woche 19.202 Schülerinnen und Schüler (Vorwoche: 18.240). Insgesamt gibt es rund elf Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland. Bei rund 890.000 Lehrkräften, zu denen eine Meldung aus den Ländern vorlag, wurden 3533 Corona-Fälle gezählt (Vorwoche: 2831 von knapp 805.000). Darüber hinaus waren 213.887 Schülerinnen und Schüler (2,87 Prozent) sowie 13.504 Lehrkräfte (2,14 Prozent) in Quarantäne.

Eingeschränkte Aussagekraft

Die KMK veröffentlicht diese Zahlen seit Kurzem einmal wöchentlich, indem verfügbare Daten aus den Bundesländern zusammengetragen werden. Sie können allerdings nur einen groben Überblick geben und sind nur begrenzt von Woche zu Woche vergleichbar. Nicht alle Länder übermitteln in allen abgefragten Bereichen Zahlen, und die Grundmengen der Schulen, Schüler und Lehrer, zu denen Daten übermittelt werden, variieren. Die KMK schreibt selbst, bei den Zahlen handele es sich nicht um infektionsmedizinisch belastbare Daten.

Zudem haben sich die RKI-Vorgaben für Testungen verändert, Fachleute warnten daher vor einer höheren Dunkelziffer. Daten zeigen zudem, dass schulpflichtige Kinder seltener getestet werden als die meisten anderen Altersgruppen. Zudem gibt es eine relativ hohe Positivrate bei Schülerinnen und Schülern, die laut WHO ebenfalls auf eine Dunkelziffer hinweist.

Handreichung zum Lüften

Um den Präsenzunterricht fortführen zu können, hatte die Kultusministerkonferenz Mitte Oktober eine Handreichung zum Lüften vorgestellt. Mobile Luftreiniger könnten hingegen weder CO2 noch Luftfeuchte abführen, hieß es. Zudem seien "sie in der Regel nicht in der Lage, die Innenraumluft schnell und zuverlässig von Viren zu befreien, insbesondere in dicht belegten Klassenräumen".

Anfang September hatte die KMK Maßnahmen im Hygienekonzept angepasst. In diesem Konzept wurden auch unterschiedliche Modelle skizziert, wie geteilte Klassen und Distanzunterricht. Wann diese aber genau eingeführt werden sollten, wurde nicht konkret benannt. In dem Papier hieß es:

Vor dem Hintergrund des dynamischen Infektionsgeschehens sind die Länder auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet, die in Abhängigkeit zu den lokalen Infektionszahlen stehen. Ob und wann die einzelnen Szenarienaufgrund eines veränderten Infektionsgeschehens erreicht werden, ist im Bedarfsfall in Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden zu entscheiden, um flexibel einen zügigen Wechsel zwischen den folgenden Szenarien auf der Ebene einer Schule, einer Region oder des Landes zu vollziehen.

"Schneller Wechsel zwischen Szenarien"

Anfang August hatte die KMK verschiedene Unterrichtsmodelle ebenfalls noch ausdrücklich als Option benannt. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und rheinland-pfälzische Bildungsministerin, Stefanie Hubig, lobte damals eine Stellungnahme der Leopoldina. Weiter sagte sie, die Länder bereiteten sich "auf verschiedene Szenarien vor: Auf den Regelbetrieb mit begleitenden Hygienemaßnahmen, auf einen erneuten Wechsel von Fern- und Präsenzunterricht, aber auch auf lokale oder regionale Schulschließungen, sollte das Infektionsgeschehen dies notwendig machen". Wichtig sei hierbei, so die KMK-Präsidentin im August, "dass ein Wechsel zwischen den unterschiedlichen Szenarien reibungslos und schnell funktioniert".

Tatsächlich untersagten Bundesländer wie NRW Schulen, Klassen zu teilen. Verschiedene Kultusministerinnen und Minister lehnten zudem Wechselunterricht ab und bestehen weiterhin auf einen vollständigen Präsenzunterricht. Die Kultusministerkonferenz will am Freitag über die Ergebnisse der Beratungen informieren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Dezember 2020 um 09:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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schneegans 10.12.2020 • 14:45 Uhr

Temperaturtests ...

führe ich jedes Jahr durch, indem ich versuche, das Heizen lange hinaus zu zögern. Dieses Jahr erprobe ich mal zusätzlich die Anweisungen der Stoß-Lüftungsfraktion im heimischen Umfeld. Na große Klasse, wie da Lernen noch möglich sein soll. Toll, wie private Sponso-Initiativen bezüglich Lüfter unterbunden werden. Will man mögliche Erfolgsmeldungen verhindern?