Die Silouette eines Kohlekraftwerks im US-Bundesstaat Missouri bei Sonnenuntergang (Archivbild). | AP

"Klimaunion" Klimabewegung in konservativ

Stand: 15.04.2021 03:34 Uhr

Die neu gegründete "Klimaunion" will die CDU auf Klimaschutz trimmen. Wie viel Einfluss der Verein letztlich haben kann, hängt auch an der Frage, wer Kanzlerkandidat wird.

Von Marcel Heberlein, ARD-Hauptstadtstudio

Wenn man politisch etwas durchsetzen will, hilft es meistens, einen knackigen Spruch dafür parat zu haben. "Lieber Energie aus dem Wind vom Deich als aus dem Öl vom Scheich", sagt Wiebke Winter gern, die Chefin der Jungen Union in Bremen. Doch schicke Slogans allein werden die Union nicht auf Klimaschutz polen, das weiß auch die junge Konservative.

Marcel Heberlein ARD-Hauptstadtstudio

Die 25-Jährige hat sich zusammengetan mit Leuten, die frisch eingetreten sind in die CDU - mit Fahrrad-Aktivist Heinrich Strößenreuther zum Beispiel, oder dem ehemaligen Deutschland-Chef von Tesla, Philipp Schröder. Die Klimaunionistinnen und -unionisten wollen es schaffen, zwei ambitionierte Ziele im Parteiprogramm der CDU zu verankern: das Klimaziel von maximal 1,5 Grad Erderwärmung, und dass Deutschland bis spätestens 2040 klimaneutral wird.

Echtes grünes Bewusstsein

Gerade beim Wirtschaftsflügel der Union könnte das Unbehagen auslösen. Klimaneutral bis 2040 - das wäre immerhin zehn Jahre früher als die Bundesregierung das bisher plant. Wenn es um die konkreten Maßnahmen zum Klimaschutz geht, mutet Wiebke Winter ihren Parteifreunden weniger zu - zumindest auf den ersten Blick. Erneuerbare Energien ausbauen, Stromtrassen ausbauen. Ein Co2-Preis, aber sozial verträglich. Das klingt vertraut für konservative Ohren.

Aber die Klimaziele von Winter und Co. sind so straff, dass der ökologische Wandel viel schneller und radikaler passieren müsste als bisher. Die Atomkraft sieht Wiebke Winter nicht als Ausweg aus der Klimakrise. Schon mit 13 Jahren habe sie sich auf ihrer ersten umweltpolitischen Demonstration gegen Kernkraft eingesetzt. Ihr grünes Bewusstsein, und das ihrer Mitstreiter, ist echt, will sie damit sagen, keine PR-Aktion. Aber auch von vielen Klima-Aktivistinnen und Aktivisten von Fridays for Future grenzt Winter sich ab. Verbote, etwa von innerdeutschen Flügen, will sie nicht. "Ich mag jeden dazu ermutigen, selbst zu überlegen, wo er oder sie etwas tun kann, um das Klima zu schützen. Aber ich finde es falsch, wenn wir hier mit Verboten vorangehen", sagt Winter.

Grüne reagieren gelassen

Sollte die Union jetzt wirklich das Klimathema für sich entdecken, und nicht nur alte politische Inhalte mit frischer Farbe anmalen, könnte das natürlich vor allem einer Partei bei der Wahl schaden. OIiver Krischer, Fraktionsvize der Grünen im Bundestag, reagiert demonstrativ gelassen. "Ich würde mir mit der Union gerne einen Wettbewerb darüber liefern, wer die bessere Klimaschutz-Politik macht", sagt Krischer. Konkurrenz belebt das Geschäft. Und Hauptsache es kommt guter Klimaschutz raus - so erklärt Krischer das, zumindest jetzt noch, sechs Monate vor der Wahl.

Ein starker Klimaflügel in der Union könnte auch ein mögliches gemeinsames Regieren von Union und Grünen leichter machen, glaubt Krischer. "Aber eine Klimaunion mit ein paar unbekannten Leuten macht aus einer CDU/CSU mit Söder, Altmaier und Laschet am Ende noch keine Klimapartei."

Klimaschutz-Engagement hängt von der Führungsfrage ab

Im Machtkampf in der Union werben Söder und Laschet für unterschiedliche Strategien im Umgang mit den Grünen. Laschet fordert, sich von ihnen in Klimafragen klar abzugrenzen. Söder dagegen scheint die Ökopartei eher durch eine feste Umarmung schwächen zu wollen, indem er einige ihrer Forderungen übernimmt. Für wieviel Klimaschutz die Union am Ende antritt, wird auch von der Führungsfrage abhängen.

Die Klimaunion hat nach ihrem offiziellen Start in der vergangenen Woche nun auch einige Abgeordnete aus dem Bundestag für sich gewonnen. Doch wirklich einflussreiche Unterstützer sind bisher nicht dabei. Der profilierteste ist noch Andreas Jung - einer der Fraktionsvizes von CDU und CSU im Bundestag. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat die Initiative auf Twitter gelobt. Beigetreten ist er nicht. Um dem Klimaschutz in der Union zum Durchbruch zu verhelfen, muss die Klimaunion wohl eigene, neue Gesichter nach vorn bringen.

Über dieses Thema berichtete radiobremen am 09. April 2021 um 19:30 Uhr im Regionalmagazin buten und binnen.