Rauch und Dampf steigen aus dem RWE Braunkohlekraftwerk Neurath hinter Windrädern, aus der Nähe von Elsdorf gesehen, auf.  | dpa

Weniger Treibhausgase Klimabilanz lässt aufhorchen

Stand: 16.03.2020 15:36 Uhr

Saubere Luft dank Corona-Krise: In Teilen von China ist diese Entwicklung zu beobachten. Für Umweltministerin Schulze eine Ausnahme - sie lobt stattdessen die deutsche Energiewende und präsentierte überraschende Zahlen für 2019.

Deutschland hat 2019 deutlich weniger CO2 ausgestoßen als im Vorjahr. Umweltministerin Svenja Schulze lobte bei der Vorstellung der Klimabilanz, Deutschland sei besser vorangekommen als erwartet. Denn: Der Treibhausgas-Ausstoß sank 2019 im Vergleich zum Vorjahr nach amtlichen Schätzungen um 6,3 Prozent - vor allem, weil weniger Strom aus Kohle gewonnen wurde.

Dazu kam der Ausbau von Windkraft und Solaranlagen in Deutschland. Erneuerbare Energien hatten laut UBA 2019 einen Rekordanteil von 42,1 Prozent am Strom, der Anteil am gesamten Energieverbrauch stieg auf 17,1 Prozent. "Dieser Ausbau muss dringend weitergehen", mahnte Schulze mit Blick auf den Koalitionsstreit über Abstandsregeln für Windräder.

Kritisch sieht Schulze die Situation beim Heizen und im Verkehr: Dort stiegen die Emissionen 2019. Das lag auch daran, dass Heizöl relativ günstig war und mehr und größere Autos auf den deutschen Straßen unterwegs waren. Umweltverbände wie Greenpeace und BUND forderten ebenfalls mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz.

Größter Rückgang seit der Finanzkrise

Laut der vorläufigen Bilanz des Umweltbundesamtes setzte Deutschland 2019 rund 805 Millionen Tonnen CO2 frei. Das sind etwa 54 Millionen Tonnen weniger als 2018. Mit Ausnahme des globalen Krisenjahres 2009 sei dies der größte jährliche Rückgang seit 1990 - trotz wirtschaftlichen Wachstums.

Im Vergleich zu 1990 verringerte Deutschland seinen Treibhausgas-Ausstoß um 35,7 Prozent. Damit komme man dem 2020-Ziel von 40 Prozent "deutlich näher als gedacht", sagte Schulze.

Corona? "Absoluter Ausnahmezustand"

Auch die aktuelle Corona-Krise mit ihren Einschränkungen für die Weltwirtschaft hat positive Effekte auf das Klima. Schulze warnte jedoch davor, diese zu überschätzen. Die derzeitige Lage sei ein "absoluter Ausnahmezustand". Es helfe im Kampf gegen die Erderwärmung nicht, wenn in diesem Jahr die Emissionen zurückgingen und im kommenden Jahr wieder stiegen. Auch wenn das Engagement gegen das Coronavirus derzeit absolute Priorität habe, blieben daher Maßnahmen gegen die Klimakrise wichtig. Der Klimawandel sei ebenfalls bedrohlich und "geht nicht einfach weg".

Der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, ging im Zusammenhang mit den Reisebeschränkungen in der Corona-Krise ebenfalls von einem "Einmaleffekt" bei den Treibhausgasen aus. "Nach der Krise sind diese Emissionen wieder da", betonte er und schlug daher vor, den angeschlagenen Branchen mit grünen Konjunkturpaketen unter die Arme zu greifen. Ein Umbau der Wirtschaft sei nach wie vor nötig. Er könne sich indes vorstellen, dass die Gesellschaft derzeit eine größere Sensibilität dafür entwickele, dass es Dinge gebe, die die Welt in ihren Grundfesten erschüttern könnten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. März 2020 um 16:00 Uhr.