Gebäude der Justizvollzugsanstalt in Kleve | Bildquelle: picture alliance / dpa

Brand in der JVA Kleve Feuer war offenbar selbst gelegt

Stand: 05.11.2018 17:30 Uhr

Wegen vieler Ungereimtheiten nach dem tödlichen Brand in der JVA Kleve steht der NRW-Justizminister seit Wochen unter Druck. Nun setzt er auf Transparenz - und legt neue Erkenntnisse vor.

Gleich zu Beginn der Pressekonferenz am Montag (05.11.2018) bricht Peter Biesenbach (CDU) die Stimme. Seit im September der zu Unrecht inhaftierte Syrer Amad A. in der JVA Kleve bei einem Brand gestorben war, steht der NRW-Justizminister stark unter Beschuss. Grüne forderten bereits seinen Rücktritt.

Mehrfach hatte das Ministerium Details zu dem Fall bekannt gegeben, die sich später als unrichtig herausstellten. Von Lügen ist seither die Rede, von Vertuschungsversuchen und bewusstem Beweismittelverlust.

Biesenbach wirkt angeschlagen, die Anschuldigungen gegen ihn nennt er "unsittlich" und "boshaft". Wehren wolle er sich jetzt mit größtmöglicher Transparenz: Ein 60-seitiger Bericht, den er am Mittwoch auch dem Rechtsausschuss des Landtags vorlegen will, enthalte alle vorliegende Erkenntnisse "bis Montag, den 5. November 2018, 9.37 Uhr".

Wohl keine Fremdeinwirkung

Zwar kann Biesenbach auf viele Fragen lediglich antworten, dass noch weiter ermittelt werden müsse - dennoch steht für ihn bezüglich der Brandursache fest: "Da war keine Fremdeinwirkung." Nach den Ermittlungen gehe man von einer vorsätzlichen Brandstiftung aus, "vermutlich mit suizidaler Absicht". Lediglich das Motiv bleibe für ihn rätselhaft.

Frau am Schreibtisch mit Computermonitor | Bildquelle: picture-alliance / epd
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Chat-Seelsorge

Haben Sie Suizidgedanken? Hier gibt es Hilfe

Wer sich mit Suizidgedanken trägt, empfindet seine persönliche Lebenssituation als ausweglos. Doch es gibt eine Fülle an Angeboten zur Hilfe und Selbsthilfe, auch anonym.

Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge ist unter den Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 sowie 116 123 rund um die Uhr erreichbar. Sie berät kostenfrei und in jeder Hinsicht anonym. Der Anruf hier findet sich weder auf Ihrer Telefonrechnung noch im Einzelverbindungsnachweis wieder.

Menschen muslimischen Glaubens können sich an das muslimische Seelsorgetelefon wenden. Es ist ebenfalls kostenfrei und anonym 24 Stunden am Tag unter der Rufnummer 030/44 35 09 821 zu erreichen.

Chat der Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge bietet Betroffenen auch die Möglichkeit an, sich Hilfe per Chat zu holen. Dazu meldet man sich auf deren Webseite an.

E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge

Menschen mit Suizidgedanken können sich auch an die E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge wenden. Der E-Mail-Verkehr läuft über die Webseite der Telefonseelsorge und ist deshalb nicht in Ihren digitalen Postfächern zu finden.

Überblick auf Hilfsangebote

Darüber hinaus hat die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) zahlreiche Informationen zu Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und sozialpsychiatrischen Diensten aufgelistet, an die sich Suizidgefährdete und Angehörige wenden können, um Hilfe zu erhalten. Entsprechende Informationen finden Sie unter nachfolgendem Link:

Amad A. habe im Feuer "ausgeharrt"

Aussenfassade: Gefängnisfenster mit Brandspuren
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Amad A.s Zelle in der JVA-Kleve

Brandermittler sind zu dem Ergebnis gekommen, dass das Feuer gegen 19 Uhr an jenem Montagabend ausgebrochen sein muss. Deutlich später, um 19.19 Uhr, soll sich der Häftling Amad A. über eine Gegensprechanlage beim wachhabenden JVA-Beamten gemeldet haben.

Der habe aber geantwortet, "dass er derzeit noch ein Telefonat zu führen habe und sich später melden würde". Amad A. habe sich daraufhin "nicht weiter bemerkbar gemacht". Ob der Mann überhaupt angehört oder "weggedrückt" wurde, müssten nun weitere Ermittlungen klären, räumt Biesenbach ein. Ein externer Dienstleister werte die Meldungen per Gegensprechanlage derzeit noch aus.

Als der Beamte dann um 19.23 Uhr die Tür des Haftraums 143 öffnete, sei ihm Rauch entgegengequollen und Amad A. aus der Tür getaumelt. Amad A. habe also mindestens 15 Minuten mit dem Feuer "ausgeharrt".

Zellentüren in der Justizvollzugsanstalt in Kleve
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Zellen ohne Notrufsystem

Tritte gegen die Tür statt Notrufsystem

Ein spezielles Notrufsystem, das räumte Jakob Klaas, Abteilungsleiter Justizvollzug im Ministerium, ein, gibt es in der JVA Kleve nicht. Im Notfall müssten sich Gefangene durch Schläge und Tritte gegen die Türen bemerkbar machen - so, wie es mehrere Insassen im Stockwerk über Amad A.s Zelle taten, als sie den Rauch bemerkten.

Tödlicher Brand in JVA Kleve: Weitere Ungereimtheiten
wdr
13.11.2018 18:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. November 2018 um 18:15 Uhr.

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