Eine Mutter hält ihren Sohn an der Hand. | Bildquelle: dpa

Probleme in Corona-Krise Mehr Hilfe für Alleinerziehende?

Stand: 20.04.2020 01:00 Uhr

Alleinerziehende kommen in der Corona-Krise an ihre Grenzen: Nur etwa ein Viertel von ihnen hat laut einem Medienbericht derzeit Anspruch auf eine Kita-Notbetreuung - weil ihre Jobs systemrelevant sind. Das soll sich ändern.

Kinderbetreuung in der Corona-Krise stellt viele Eltern vor massive Probleme. Vor allem die rund 1,78 Millionen erwerbstätigen Alleinerziehenden müssen neue Modelle finden. Lediglich 450.000 von ihnen haben derzeit Anspruch auf eine Kita-Notbetreuung. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, die die Linkspartei angefragt hat und die der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vorliegen.

117.000 Alleinerziehende arbeiten demnach in der öffentlichen Verwaltung, 50.000 im Lebensmittel-Einzelhandel, 36.000 im Bereich der Finanzdienstleistungen und Versicherungen und 30.000 in der Lagerlogistik. Ein Job in systemrelevanten Bereichen ist bislang noch maßgeblich für den Zugang zur Kita-Notbetreuung während der Corona-Pandemie.

"Es ist gut, dass Alleinerziehenden und anderen Eltern, die in kritischen Infrastrukturen arbeiten, eine Notbetreuung zur Verfügung steht", sagte die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann der Zeitung. "Doch es braucht für alle 1,8 Millionen berufstätigen Alleinerziehenden eine Lösung, damit sie ohne finanzielle Einbußen die Betreuung ihrer Kinder sichern können."

Mehr Kinder in Notbetreuung?

Die Bundesregierung plant, die Notbetreuung für alle Alleinerziehenden und weitere Berufsgruppen zu öffnen. Wie das konkret geschieht, liegt in der Hand der Länder. Niedersachsen hat eine Ausweitung bereits angeordnet. Dort wird es nach Meinung der Kommunen künftig einem Großteil der Bevölkerung möglich sein, Kinder in die Notbetreuung zu geben.

"Damit ist es ab Montag rechtlich fast unmöglich, Eltern die Nachfrage auf einen Platz in der Notbetreuung zu verwehren", kritisiert die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände in Niedersachsen. Sie sieht die erzielten Erfolge bei der Bekämpfung des Coronavirus in Gefahr.

Ab Montag will eine Arbeitsgruppe von Ländern, Bund und Experten Leitlinien erarbeiten, wie eine schrittweise Wiederöffnung der Kitas aussehen kann. Familienministerin Franziska Giffey sagte: "Eine pauschale Aussage, die Kitas bleiben bis zum Sommer zu, führt bei vielen Familien zu noch mehr Stress und kann nicht die einzige Antwort sein."

Studie: Frauen leiden mehr als Männer unter Corona-Krise

Laut einer Studie treffen die sozialen Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen Frauen stärker als Männer. Darauf deuteten erste Erkenntnisse einer Untersuchung der Potsdamer Sozialwissenschaftlerin Lena Hipp hin.

Die Zufriedenheit habe sowohl in Bezug auf die Arbeit als auch auf das Leben im Allgemeinen bereits in den ersten Wochen nach den Schul- und Kita-Schließungen bei Frauen stärker abgenommen hat als bei Männern. Frauen hätten vermutlich eine höhere Belastung während der Krise, betonte die Professorin, die an der Universität Potsdam und am Wissenschaftszentrum Berlin lehrt und forscht.

Sie arbeiteten im Homeoffice und fühlten sich zugleich für die Betreuung und den Heimunterricht der Kinder verantwortlich. Die Ungleichheiten, die schon zu Normalzeiten existierten, könnten sich nun massiv verschärfen.

Über dieses Thema berichtete NDR 90,3 Aktuell am 16. April 2020 um 13:00 Uhr.

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