Die Kirche St. Aposteln in Köln | Bildquelle: dpa

Rekord durch Steuereinnahmen Geldsegen für die Kirche

Stand: 22.06.2016 11:32 Uhr

Trotz sinkender Mitgliederzahlen haben christliche Kirchen in Deutschland im vergangenen Jahr so viel Geld wie noch nie eingenommen. Die Kirchensteuer für das Jahr 2015: 11,5 Milliarden Euro.

Deutschlands christliche Kirchen haben im vergangenen Jahr so viel Geld durch Steuereinnahmen eingenommen wie noch nie zuvor. Trotz sinkender Mitgliederzahlen erreichten die Kirchensteuereinnahmen 2015 mit rund 11,5 Milliarden Euro einen neuen Rekord.

Die Angaben beziehen sich auf Veröffentlichungen der Evangelischen Kirche Deutschland sowie der Steuerkommission des Verbandes der Diözesen Deutschlands. Danach nahm die katholische Kirche rund 6,1 Milliarden Euro ein. Die evangelische Kirche erhielt knapp 5,4 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein Plus von 6,4 Prozent.

2014 hatten die Kirchen insgesamt rund 10,8 Milliarden Euro an Steuern eingenommen. Der Hauptgrund für den Einnahmerekord liege nach Aussage des Statistischen Bundesamtes in der guten Lohnentwicklung der zahlenden Kirchenmitglieder.

Höhe der Kirchensteuer regional verschieden

Wer der evangelischen oder katholischen Kirche angehört und auf seine Einkünfte Steuern zahlt, muss nach geltendem Steuerrecht auch Kirchensteuer zahlen.

Die Höhe des Kirchensteuersatzes ist regional verschieden. In Bayern und Baden-Württemberg liegt er bei acht Prozent, in den übrigen Bundesländern bei neun Prozent der Einkommens-, Lohn- und Kapitalertragsteuer.

Einführung der Kirchensteuer

Die Entstehung der Kirchensteuer geht auf Entwicklungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurück. Durch den sogenannten Reichsdeputationshauptschluss kam es 1803 zu Enteignung und Säkularisierung.

Fürsten hatten damit die Verpflichtung übernommen, für den Unterhalt von Geistlichen zu sorgen. Gesellschaftliche und politische Veränderungen führten schließlich zur Einführung der Kirchensteuer, die in der Weimarer Reichsverfassung 1919 geregelt wurde.

Rekord trotz Mitgliederschwund

Die Rekordeinnahmen konnten trotz sinkender Mitgliederzahlen erzielt werden. Seit Anfang der 1970er-Jahre geht die Zahl der Mitglieder sowohl in der römisch-katholischen als auch in der evangelischen Kirche fast kontinuierlich zurück. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes seien neben der Vertrauenskrise auch demografische Entwicklungen, wie Sterbefälle und die geringe Geburtenrate, für die sinkenden Mitgliederzahlen verantwortlich.

Seit der deutschen Wiedervereinigung hat die evangelische Kirche 4,9 Millionen Mitglieder verloren. Die römsich-katholische Kirche verlor seit 1990 3,1 Millionen Mitglieder.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 22. Juni 2016 um 08:43 Uhr

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