Ein rund sieben Meter hoher Weihnachtsstern steht auf dem Alten Markt vor dem Rathaus in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern). | dpa

Weihnachten Kirchen rufen zu Zusammenhalt auf

Stand: 24.12.2021 12:58 Uhr

Am zweiten Weihnachten in der Corona-Pandemie rufen die großen Kirchen zu Zusammenhalt auf. Wegen des Streits um Schutzimpfungen gehe durch viele Familien ein Riss. Da tröste die Weihnachtsbotschaft.

Die großen Kirchen in Deutschland haben an Weihnachten zu Zusammenhalt und Engagement für das Gemeinwohl aufgerufen. In ihren Predigten und Weihnachtsbotschaften nannten sie etwa die Hilfe für Geflüchtete und die Opfer der Hochwasserkatastrophe in Teilen Deutschlands. Sie riefen zudem zu mehr Rücksicht in der Corona-Pandemie auf.

Zum zweiten Mal feiern Christen das Fest unter den Bedingungen der Corona-Pandemie: Gottesdienste können nur eingeschränkt und mit deutlich weniger Besuchern als sonst stattfinden. Vielerorts dürfen auch nur Geimpfte, Genesene und negativ Getestete in die Kirchen kommen.

Bedford-Strohm: "Ein angespanntes Weihnachten"

In einer ökumenischen Videobotschaft dankten Münchens katholischer Erzbischof Kardinal Reinhard Marx und Bayerns evangelischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm allen, "die sich jetzt gerade in dieser weihnachtlichen Zeit einsetzen für andere". Als Beispiele nannten sie Menschen, die in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Impfzentren arbeiten.

Bedford-Strohm erinnerte daran, dass dieses Fest "für viele ein angespanntes, ein nervöses Weihnachten" ist. Die kontroversen Diskussionen über das Impfen hätten zu "Rissen bis in die Familien hinein" geführt. Gerade in dieser angespannten Zeit sei die Weihnachtsbotschaft besonders wichtig.

Marx: "Gott ist keine Theorie"

In seiner Weihnachtspredigt sagte Marx zudem, Auftrag der Kirche sei es, auch mitten in der Pandemie-Welle Weihnachten zu feiern. Das Fest rege zu einer neuen Suche an, was Gott bedeute. Die Geschichte von Bethlehem wolle erzählen, "Gott ist keine Theorie, sondern Gott ist konkretes Leben! Ein Kind, ein Gesicht, das uns anschaut".

Der Würzburger Bischof Franz Jung sprach mit Blick auf die derzeitigen Krisen von einer Ermutigung durch die Geburt Jesu. Er wünsche den Menschen, nicht zu verzagen, "sondern das göttliche Ja an Weihnachten zu dieser Welt mitzusprechen", sagte Jung in der Christmette. Als Beispiele nannte er neben der Klima- und Corona-Krise auch eine "total zerrissene Gesellschaft". Der Bischof erinnerte auch an Menschen auf der Flucht.

Kurschus: "Der Macht der Zahl ausgeliefert"

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, zieht in ihrer Heiligabend-Predigt Vergleiche zwischen der biblischen Weihnachtsgeschichte und der Corona-Pandemie. Die Weihnachtsgeschichte beginne mit einer Volkszählung, also "mit einem pandemischen, das ganze Volk betreffenden Befehl", sagt Kurschus nach einer vorab verbreiteten EKD-Mitteilung. "Kaiser Augustus lässt zählen. Und da zählt nicht, ob du den Weg schaffst. Da zählt nicht, ob du ein Kind bekommst. Da zählt nicht, ob du eine Herberge findest."

Heute würden die Menschen auf nie gekannte Weise erfahren, was es bedeute, der Macht der Zahl ausgeliefert zu sein: "Wie viele Infizierte? Wie viele Erkrankte? Wie viele Tote? Wie viele Intensivbetten? Wie viele Beatmungsgeräte? Wie lautet die Reproduktionszahl - und wie die Inzidenzzahl?" Die Macht der Zahlen lasse viele vor Angst erstarren, so Kurschus. Die christliche Weihnachtsbotschaft laute jedoch, dass man trotz allem Hoffnung haben dürfe.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 24. Dezember 2021 um 11:02 Uhr.