Ein Priester hält einen Rosenkranz

Katholische Kirche Schmerzensgeld für Missbrauchsopfer

Stand: 05.03.2020 17:48 Uhr

Die katholische Kirche will Missbrauchsopfer mit bis zu 50.000 Euro entschädigen. Der Weg dahin soll für die Opfer möglichst unbürokratisch gestaltet werden. Ihre Vertreter hatten höhere Summen gefordert.

Die Kirche will den Missbrauch an Kindern und Jugendlichen durch Hunderte ihrer Priester materiell entschädigen. Betroffene sollen demnach ein Schmerzensgeld erhalten, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann.

An Schmerzensgeld-Tabelle orientieren

Die Kirche will sich dabei an der geltenden Schmerzensgeld-Tabelle in Deutschland und entsprechenden Gerichtsurteilen orientieren. Zu ersten Auszahlungen könne es voraussichtlich am Jahresende kommen. Die Zahlungen werden sich demnach zwischen 5000 und 50.000 Euro pro Fall bewegen.

Das Verfahren zur Beantragung und Auszahlung des Geldes soll laut Ackermann möglichst unbürokratisch gestaltet werden. Eine unabhängige Kommission aus Juristen, Psychologen und Medizinern soll die Schwere jedes gemeldeten Falls einschätzen und dann Empfehlungen aussprechen.

Bischofskonferenz beschließt Entschädigung für Missbrauchsopfer
tagesschau 20:00 Uhr, 05.03.2020, Johanna Wahl, SWR

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Die Bischöfe erklärten, ihnen sei "bewusst, dass die in Deutschland zuerkannten Schmerzensgelder zuweilen als zu gering in der Kritik stehen". Die von der Kirche gewährten Leistungen sollten deshalb im oberen Bereich der geltenden Schmerzensgeld-Listen liegen.

Zu wenig, kritisieren die Opfer

Mit dem neuen Verfahren reagiert die katholische Kirche auf die Kritik von Betroffenen und unabhängigen Beauftragten. Diese hatten das seit 2011 praktizierte kirchliche Verfahren für unzureichend erklärt, weil es in der Regel lediglich einen Pauschalbetrag von 5000 Euro "in Anerkennung des erlittenen Leids" vorsah.

5000 Euro angesichts der seelischen Folgeschäden sei nicht angemessen, hieß es. Opferverbände forderten ein anderes System. Es sollte echten Schadensersatz leisten - ausgehend von dem Gedanken, dass viele Opfer aufgrund der seelischen Schäden dauerhaft gehandicapt und zum Beispiel im Beruf weniger erfolgreich seien als Menschen ohne eine solche Vorgeschichte.

Opferverbände forderten bis zu 400.000 Euro Entschädigungszahlung pro Fall.

Das neue Verfahren bleibt nun in der Höhe und auch im Grundgedanken deutlich hinter dem zurück, was sich manche Opfervertreter gewünscht hatten. Andererseits sei es transparent, einheitlich und orientiere sich an den Vorgaben des deutschen Zivilrechts, hieß es.

"Versagen der Bischöfe"

Auch nach der Entscheidung kam heftige Kritik: Die katholische Kirche sei noch immer nicht bereit, das "zweite Verbrechen" des Vertuschens und Verschweigens wahrzuhaben, das von der Institution Kirche begangen worden sei, kritisierte der Sprecher der Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch. "Die Schmerzensgelder, die in Deutschland gerichtlich durchgesetzt werden können, sind oft erbärmlich gering."

Es sei mutlos und bedeute ein Versagen der Bischöfe. Die Kirche wolle sich auf dieses Minimum des gerichtlich Durchsetzbaren beschränken.

Weiter kämpfen

Wir werden weiter für eine tatsächliche Entschädigung kämpfen", kündigte die Initiative an.

Kritik kam auch von "Wir sind Kirche": Solange die Bischöfe keine glaubwürdigen Antworten auf den Missbrauchsskandal gäben und auch nicht zu angemessenen Entschädigungen bereit seien, bleibe die Kirche gelähmt. Dies zeigten auch die anhaltend hohen Kirchenaustrittszahlen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. März 2020 um 16:00 Uhr.

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