Bischöfe und Besucher nehmen an dem Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Fuldaer Dom teil. | Bildquelle: dpa

Bischofskonferenz in Fulda Ab Advent gehen die Katholiken neue Wege

Stand: 26.09.2019 18:53 Uhr

Vor der Reform kommt das Reden - das ist die Grundidee des synodalen Weges, für den sich die Bischofskonferenz ausgesprochen hat. Doch aus Rom kommen Bedenken gegen die Form der Debatte.

Von Tilmann Kleinjung, BR

Die katholischen Bischöfe wollen den Weg der Reformen weitergehen - trotz der Einsprüche aus Rom, trotz des Widerstands einiger Bischöfe gegen den sogenannten "synodalen Weg". 

Am Vorabend hatte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer eine persönliche Erklärung veröffentlicht. Tenor: Die Bischofskonferenz setze die falschen Prioritäten, wenn sie gemeinsam mit den katholischen Laien über den Zölibat, Machtmissbrauch, Frauen in der Kirche und Sexualmoral diskutiere. Vor allem müsse es doch um die "Glaubenskrise" in Deutschland gehen.

Gegner wollen trotzdem teilnehmen

Die Mehrheit der deutschen Bischöfe sieht das anders und hat bei ihrer Tagung in Fulda den Satzungsentwurf für den "synodalen Weg" angenommen. Die unterlegene Minderheit will trotz grundsätzlicher Bedenken an den Sitzungen des Gremiums teilnehmen.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, freut sich nun auf kontroverse Diskussionen: "Das ist der Ort, um Gegensätze auszutragen. Deshalb machen wir den 'synodalen Weg'. Jetzt kommen alle zusammen und miteinander."

Einwände aus dem Vatikan

Schon in den vergangenen Tagen hatten die Bischöfe intensiv darüber geredet, wie man die Einwände aus dem Vatikan im Reformprozess berücksichtigt. Papst Franziskus hatte die Katholiken in Deutschland ermahnt, bei den anstehenden Diskussionen die Weltkirche im Blick zu halten.

"Dass die Idee aufkommen konnte, die Kirche in Deutschland wolle einen Sonderweg gehen und sich von der Weltkirche lösen, finde ich eine abenteuerliche Unterstellung, die kein Bischof je gesagt hat", sagte Marx dazu.

In einem weiteren Schreiben aus dem Vatikan wurde außerdem daran erinnert, dass die Entscheidungsgewalt der Bischöfe durch den "synodalen Weg" nicht eingeschränkt werden dürfe. Deshalb kann die synodale Versammlung einen Beschluss erst fassen, wenn auch eine Zweidrittel-Mehrheit der Bischöfe zustimmt.

Sollten Entscheidungen des "synodalen Weges" auch die Gesamtkirche betreffen, dann wird Rom miteingebunden, sagt der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick: "Repräsentant der Gesamtkirche ist der Papst. Und dann muss man mit ihm dieses Votum besprechen und sehen, was dabei herauskommt."

Entschädigung für Opfer sexuellen Missbrauchs

Ein zentrales Thema auf der Bischofskonferenz war die Frage, wie Opfer von sexuellen Missbrauchs durch Angehörige oder in Einrichtungen der Kirche entschädigt werden sollen.

Die Konferenz endete ohne konkreten Beschluss. Noch stehen zwei Varianten zur Debatte: Den Opfern soll entweder eine pauschale Summe von 300.000 Euro gezahlt werden oder die Entschädigung wird nach Einzelfall bemessen, sodass Beträge zwischen 40.000 und 400.000 gezahlt werden sollen.

Die Opferinitiative Eckiger Tisch geht von mindestens 3000 Betroffenen aus, die Anspruch auf die Entschädigung hätten. Sollte die Pauschalsumme von 300.000 Euro gezahlt werden, kämen auf die katholische Kirche Kosten von fast einer Milliarde Euro zu.

Beginn im Dezember

Am 1. Advent soll der "synodale Weg" starten. Mitglieder der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) machten bei einer kleinen Demonstration am Fuldaer Dom schon einmal deutlich, was sie von diesem Prozess erwarten. "Weiheämter für Frauen" stand auf einem Plakat, auf einem anderen: "Macht verteilen, Zukunft gestalten". "Bei uns in der KJG ist das ganz normal. Wir machen seit 50 Jahren Leitung im Team. Bei uns sind alle Vorstände paritätisch besetzt. Das funktioniert sehr gut. Und das sind Dinge, von denen wir uns wünschen, dass es mehr in diese Richtung geht", sagte KJG-Mitglied Rebekka Biesenbach.

In Fulda geht eine Bischofskonferenz zu Ende, bei der viel über Veränderung  gesprochen wurde. Der Reformdruck ist gewaltig. Ein Bischof sagte zum "synodalen Weg": "Wenn wir das jetzt nicht umsetzen, können wir morgen zumachen."

Bischöfe einigen sich bei Herbstvollversammlung auf Satzung zur Gestaltung eines Reformprozesses
tagesschau 20:00 Uhr, 26.09.2019, Sebastian Kisters, HR

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. September 2019 um 20:00 Uhr.

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