Klaus Kinkel | Bildquelle: ATTILA KISBENEDEK/EPA-EFE/REX

Zum Tod von Klaus Kinkel Der bedächtige Außenminister

Stand: 05.03.2019 13:26 Uhr

Visionäres war ihm fremd - sein Amt als Außenminister füllte Kinkel bedächtig und ruhig aus. Wichtig war ihm der enge Kontakt zu den USA, auch aus persönlichen Gründen.

Von Horst Kläuser, ARD-Hauptstadtstudio

Klaus Kinkel war kein lauter Mann, weder im Amt noch im Ruhestand. Dem Schwaben aus Metzingen, eigentlich ein Karrierebeamter, war gewiss nicht in die Wiege gelegt, dass er mal Außenminister werden sollte. Fünf Jahre lang war er sogar Vizekanzler der Bundesrepublik.

Mitten in die Naziherrschaft wurde Kinkel geboren und erlebte so als Kind Teile der Zerstörung, das Kriegsende und die amerikanischen Besatzungstruppen, die seine spätere Haltung prägten.

"Ich bin 1936 geboren. Ich habe noch aus dem Blechnapf bei der Schulspeisung gegessen. Ich hab erlebt, was es bedeutet hat, dass sie uns den Marshall-Plan gebracht haben. Ich hab in meiner außenpolitischen Zeit mit Genscher und mit Kohl zusammen erlebt, was es bedeutet - da war die Zeit der Teilung Deutschlands -, dass die Amerikaner für die Wiedervereinigung waren."

Und sie blieben auch später prägend für ihn, beispielsweise in Begegnungen mit Henry Kissinger, dem deutschstämmigen früheren US-Außenminister.

Klaus Kinkel mit 82 Jahren gestorben
tagesschau 20:00 Uhr, Sebastian Deliga, SWR

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Stets an Genschers Seite

Kinkel, promovierter Volljurist, wurde nach verschiedenen Stationen im Bundesinnenministerium 1970 persönlicher Referent von Hans-Dietrich Genscher, damals noch Innenminister. Genscher nahm ihn 1974 als Leiter von Leitungs- und Planungsstab mit ins Auswärtige Amt.

Vor fast genau drei Jahren, im April 2016, erinnerte sich Kinkel an seinen fast legendären Vorgänger im Amt, an den beinahe ewigen Außenminister. Deutschland nahm im ehemaligen Bundestag zu Bonn Abschied von Genscher: "Das waren wahrlich große Schuhe, in die zu treten wahnsinnig schwierig war. Er hat mir dabei sehr geholfen."

Hans-Dietrich Genscher und Klaus Kinkel | Bildquelle: dpa
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Hans-Dietrich Genscher war sein politischer Ziehvater. Es seien "wahrlich große Schuhe" gewesen, diesem als Außenminister zu folgen, sagte Kinkel viele Jahre später.

Keine visionären Etappen der deutschen Außenpolitik

Kinkel füllte diese Schuhe anders. Er war nicht der umarmende, joviale Typ wie sein Vorgänger. Er war ruhig, bedächtig formulierend, abwägend. Mit Kinkels Amtsführung wird man vermutlich keine visionären Etappen der deutschen Außenpolitik verbinden.

Die Wiedervereinigung war politisch gestemmt, Deutschland gewöhnte sich an seine international größer werdende Rolle als 80-Millionen-Nation im Herzen Europas. Die Anschläge von New York und Washington, als 9/11 in die Geschichte eingegangen, waren zu seiner Zeit noch nicht passiert. Die Welt war noch nicht so turbulent, wie Kinkel sie nach seiner Amtszeit mehrfach beschrieb.

Er schien sich an seinem Wohnsitz bei Bonn nicht nach seiner politischen Verantwortung zurückzusehnen: "Dass ich in dieser sich in totaler Unordnung befindenden, quasi aus der Fugen geratenen Welt keine Verantwortung mehr tragen muss, das erleichtert mich eher. Ich sag das auch immer wieder, hab's auch kürzlich der Bundeskanzlerin gesagt."

Kritiker der FDP

Kinkel war in den letzten Jahren als gelegentlicher Gast in Talkshows oder als Redner gefragt, er schaute bisweilen sorgenvoll auf den Zustand Europas, die Zuwanderung und auch den Zustand der FDP, die er von 1993 bis 1995 eher glücklos geführt hatte. Seiner Partei stand er kritisch gegenüber.

"Das Scheitern bei der letzten Bundestagswahl lag auch sehr sehr stark - glaube ich - an mangelnder Demut. Man war plötzlich - Entschuldigung - ein bisschen großkotzig unterwegs. Und das war leider Gottes gekoppelt mit mangelnder Solidität."

Seinen Nach-Nachfolger Christian Lindner sieht er als den richtigen Mann an. Dieser würdigte ihn heute mit den Worten, Kinkel sei ein aufrechter und bescheidener Politiker gewesen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bezeichnete den gestern gestorbenen früheren Außenminister als deutschen Patrioten und großen Europäer.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. März 2019 um 12:00 Uhr.

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