Ein Kind sitzt auf dem Boden | Bildquelle: dapd

Berechnungen des Kinderschutzbundes 4,4 Millionen Kinder leben in Armut

Stand: 22.08.2018 13:59 Uhr

Wie viele Kinder in Deutschland wachsen in Armut auf? Deutlich mehr als bisher bekannt, sagt der Kinderschutzbund. Nach eigenen Berechnungen liegt die Zahl der armen Kinder bei 4,4 Millionen.

Die Kinderarmut in Deutschland ist nach einer Untersuchung des Kinderschutzbundes höher als bisher angenommen. Rechnet man auch Kinder der Familien mit ein, die Sozialleistungen zwar in Anspruch nehmen könnten, dies aber nicht tun, liegt ihre Zahl bei etwa 4,4 Millionen. Das seien rund 1,4 Millionen mehr als bisher in der Öffentlichkeit bekannt, teilte der Verband mit.

Berechtigte nehmen Leistungen nicht in Anspruch

Für drei Millionen Kinder zahlt der Staat Sozialleistungen, damit ihr Existenzminimum gesichert ist, so der Kinderschutzbund. Würden aber auch diejenigen Familien hinzugezählt, die ihren Anspruch nicht wahrnehmen, sei die Zahl der in Armut lebenden Kinder deutlich höher. So würden nur etwa 50 Prozent der tatsächlich Berechtigten sogenannte aufstockende Hartz-IV-Leistungen in Anspruch nehmen, erklärte der Kinderschutzbund. Das allein betreffe rund 850.000 Kinder unter 18 Jahren, die bislang nicht als arm galten.

Heinz Hilgers
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Fordert energische Maßnahmen gegen Kinderarmut: Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbundes

Dazu kommen nach Berechnungen des Verbands noch einmal 190.000 Kinder, deren Eltern nicht erwerbstätig sind und die trotzdem nicht mit anderen Leistungen aufstocken. "Oft liegt es daran, dass die Eltern mit den bürokratischen Abläufen überfordert sind oder sich schlichtweg dafür schämen", sagt Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbundes. "Diese Zahlen könnte die Bundesregierung auch klar nennen, aber das will sie offenbar nicht."

Bei einzelnen Leistungen, etwa beim Kinderzuschlag, sei die Nicht-Beantragung sogar noch deutlich höher und liege bei bis zu 70 Prozent. "Zählen wir alles zusammen, kommen wir konservativ gerechnet auf eine Dunkelziffer von 1,4 Millionen Kindern", so Hilgers. "Alle diese Kinder sind offiziell nicht arm, doch sie fallen durch das Raster unseres Sozialstaates, weil der Dschungel der Leistungen für viele Eltern undurchdringlich ist."

Reform des Kinderzuschlags gefordert

Der Verbandspräsident forderte die Bundesregierung auf, "energisch dagegen vorzugehen". Konkret forderte er eine Reform des Kinderzuschlags und des Bildungs- und Teilhabepakets.

Langfristig fordert der Kinderschutzbund die Einführung einer "Kindergrundsicherung, die eine Vielzahl von Leistungen zusammenfasst und sich an neu berechneten tatsächlichen Bedarfen von Kindern orientiert", sagt Hilgers.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. August 2018 um 15:15 Uhr.

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