Eine Kriminaloberkommissarin sitzt vor einem Auswertungscomputer bei Ermittlungen gegen Kinderpornografie. (Archivbild) | dpa

Medienbericht Fälle von Kinderpornografie stark gestiegen

Stand: 07.11.2021 12:45 Uhr

Die Zahl der erfassten Fälle von Darstellungen von Kindesmissbrauch im Netz hat sich in der ersten Jahreshälfte offenbar fast verdoppelt. Wie aus einem Medienbericht hervorgeht, erhält die Polizei immer mehr Hinweise.

Eine Analyse von Georg Schwarte, ARD-Hauptstadtstudio

Immer mehr Hinweise auf Darstellungen von Kindesmissbrauch im Netz, immer mehr zu führende Verfahren: Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, sagte, allein in der ersten Jahreshälfte 2021 seien so viele Fälle von sogenannter Kinderpornografie erfasst worden, wie im gesamten Jahr 2020.

Georg Schwarte ARD-Hauptstadtstudio

Die "Bild am Sonntag" zitierte den BKA-Chef mit den Worten: "Die deutliche Zunahme der Darstellungen von Kindesmissbrauch im Netz werde die Polizei zunehmend an ihre Kapazitätgrenzen bringen." Ein weiterer Grund für den Anstieg ist offenbar auch die wachsende Bereitschaft in der Bevölkerung, entsprechende Funde im Netz umgehend den Behörden zu melden.

BKA rechnet mit weiterem Anstieg

Bereits im Mai dieses Jahres hatte Münch bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2020 erklärt, er rechne auch in den kommenden Jahren mit einem weiteren Anstieg der Fallzahlen. Die technischen Verfahren zur Identifizierung von verdächtigen Dateien im Netz würden immer besser, zugleich werde auch die internationale Kooperation der Ermittler enger. Ab 2022 griffen in Deutschland zudem neue Hinweisregeln für IT-Konzerne.

Nach BKA-Angaben war die starke Zunahme gegenüber dem Vorjahr unter anderem durch die vermehrten Hinweise der halbstaatlichen US-Organisation NCMEC an die deutschen Ermittler zurückzuführen. Diese sammelt systematisch Verdachtsfälle, wobei sie mit Internetanbietern kooperiert.

Ermittlungen gegen Netzwerke

Ein weiterer Faktor waren demnach auch ausgedehnte Ermittlungen gegen Kinderpornoringe in Deutschland. Bereits im Vorjahr hatte sich die Zahl der Fälle gegenüber 2019 um 53 Prozent auf knapp 18.800 mehr als verdoppelt. Bleibt es in diesem Jahr bei dem sich abzeichnenden Trend könnten Ende dieses Jahres fast 40.000 solcher Delikte bekanntgeworden sein.  

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. November 2021 um 12:00 Uhr.