Annegret Kramp-Karrenbauer  | Bildquelle: REUTERS

Kritik an Kramp-Karrenbauer "Respektlos" und "zum Fremdschämen"

Stand: 04.03.2019 09:45 Uhr

In der Halle gab es für Kramp-Karrenbauers Karnevalsrede Tusch und Gelächter - auch für ihre Äußerungen über intersexuelle Menschen. Doch über die närrischen Tage ist immer mehr Kritik laut geworden.

Mit ihren Äußerungen zu intersexuellen Menschen in einer Karnevalsrede hat die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer Empörung ausgelöst. "Wer war denn von Euch vor kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen", sagte Kramp-Karrenbauer bei einem satirischen Auftritt am Donnerstag im baden-württembergischen Stockach am Bodensee. "Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder noch sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist diese Toilette."

In der Halle wurden Kramp-Karrenbauers Worte mit einem Tusch und Gelächter und Johlen im Publikum begrüßt. Öffentliche Aufmerksamkeit erregten im Nachgang Artikel des Portals queer.de und des "Nollendorfblogs", die Satiresendung "Extra3" verbreitete einen Videoausschnitt auf Twitter.

Kritik an Kramp-Karrenbauers Karnevalsauftritt
tagesschau 12:00 Uhr, 04.03.2019, Kristin Joachim, ARD Berlin

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"Absolut respektlos"

Kritik kam nun unter anderem vom Koalitionspartner: "Annegret Kramp-Karrenbauer zeigt, welcher erzkonservative Wind jetzt wieder in der Union weht. Solche Äußerungen - auch an Karneval - sind absolut respektlos", twitterte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil.

"Wieder so ein Tag zum Fremdschämen... Ist es so schwierig, eine humorvolle Narrenrede zu halten, ohne platt auf Minderheiten einzudreschen?", twitterte der FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Brandenburg, der Fraktionssprecher für die Anliegen von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen (LSBTI) ist.

Lehmann fordert Entschuldigung

Der Kölner Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann (Grüne) zeigte sich im ARD-Morgenmagazin empört. In der Rede habe sich die Politikerin, so Lehmann, über Inter- und Transsexuelle lustig gemacht. Dahinter stecke eine diskriminierende Haltung. Kramp-Karrenbauer hätte, wenn es sich um einen verunglückten Witz gehandelt haben sollte, die Angelegenheit gestern korrigieren können, sagte Lehmann. "Das hat sie aber nicht getan." Es habe bei Frau Kramp-Karrenbauer System, sexuelle Minderheiten verächtlich zu machen. Dieses Image werde ihr anhängen, betonte der Grünen-Politiker. In einem offenen Brief hatte er zuvor eine Entschuldigung gefordert.

Kritik von Sven Lehmann, Bündnis 90/Die Grünen, an Kramp-Karrenbauers Karnevalsauftritt
Morgenmagazin, 04.03.2019

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Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sprach von einem "Trauerspiel": "Die Vorsitzende der größten Bundestagspartei findet es lustig, auf Stammtischniveau am Karneval Menschen zu denunzieren, die nicht der geltenden Machonorm entsprechen. Ein Jammer."

Steiniger nimmt Parteichefin in Schutz

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger nahm die Parteichefin hingegen in Schutz. "Ey Leute, das ist ne Fasnachts-Nummer. Mir geht diese Empörungskultur so was auf den Keks. Es nervt!", twitterte er.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Lesben und Schwule in der Union, Alexander Vogt, forderte von Kramp-Karrenbauer, dass sie sich entschuldigt. Im SWR sagte Vogt: "Natürlich ist eine Entschuldigung fällig. Das erwarten wir." Auch im Karneval gebe es Grenzen: "Political Correctness hin oder her, manche finden das ja übertrieben. Aber solche Grenzen müssen klar sein. Man macht ja auch über andere Minderheiten keine Witze mehr."

Dass Kramp-Karrenbauer wohl nicht aus böser Absicht handelte, mache die Sache nicht besser, so Vogt: "Wenn das unüberlegt passiert, ist es ja auch ein Zeichen dafür, wie es landläufig verbreitet ist, dieses Denken." Er erwarte nun, dass es ein klärendes Gespräch mit der CDU-Chefin gebe: "Ich hoffe, dass wir das Angebot bekommen, uns darüber möglichst vor einem kurzen Zeithorizont zu unterhalten."

Dritte Geschlechtsoption seit Januar

Seit Januar ist neben "männlich" und "weiblich" im Geburtenregister auch der Eintrag der Option "divers" möglich. Der Bundestag hatte die Einführung einer dritten Geschlechtsoption Mitte Dezember beschlossen. Damit setzte das Parlament eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem vergangenen Jahr um.

Die bisherige Pflicht, einen Menschen dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuzuordnen, wurde darin als Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht und das Diskriminierungsverbot gewertet.

AKK macht Witz über Intersexuelle: SPD und Linke kritisieren sie scharf
Marcel Heberlein, ARD Berlin
04.03.2019 08:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 04. März 2019 um 06:38 Uhr.

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