Eine junge Frau steht an einem Fenster.  | dpa

Jugendliche und Pandemie Weniger Alkohol, mehr Depressionen

Stand: 14.12.2021 14:48 Uhr

Während der Pandemie ist der Alkoholmissbrauch und der Konsum von Tabak und Cannabis bei Jugendlichen zurückgegangen. Laut dem Kinder- und Jugendreport der DAK gab es aber mehr Depressionserkrankungen.

Der Missbrauch von Alkohol ist bei Jugendlichen während der Corona-Pandemie zurückgegangen, Depressionserkrankungen haben dagegen zugenommen. Laut Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit sind die Behandlungen von Kindern und Jugendlichen, die nach Alkoholmissbrauch in ein Krankenhaus oder eine Arztpraxis eingeliefert wurden, 2020 um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Bei Tabak, Cannabis und weiteren Drogen zeigte sich ein Rückgang um 18 Prozent, wie die DAK in Hamburg mitteilte.

Eine der Ursachen könnte sein, dass in der Pandemie weniger Partys gefeiert wurden. Der Rückgang müsse jedoch vorsichtig interpretiert werden, erklärte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach:

Er kann auch damit zusammenhängen, dass Eltern stark mit sich selbst beschäftigt waren, damit weniger Probleme bei den Kindern auffielen und deshalb auch weniger behandelt wurden.

Anstieg der Depressionen bei Jugendlichen

Die Daten belegen laut DAK zudem einen Anstieg der Depressionen vor allem bei älteren Jugendlichen. So stieg der Anteil der 15- bis 17-Jährigen, die 2020 neu an einer Depression erkrankten, um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mädchen sind hier im späten Jugendalter dreimal so häufig in ärztlicher Behandlung wie gleichaltrige Jungen.

"Seit Pandemie-Beginn haben psychische Störungen und Einweisungen in die Kinder- und Jugendpsychiatrie spürbar zugenommen", so Fischbach. Es sei jedoch auch möglich, dass Anpassungsstörungen überdiagnostiziert worden seien.

Bei den Jüngeren zwischen fünf bis neun Jahren hingegen gibt es einen Rückgang um knapp zwölf Prozent.

Mehr adipöse Kinder

Zugenommen hat vor allem bei unter Zehnjährigen Adipositas (Fettleibigkeit). 2020 wurden rund 16 Prozent mehr Grundschulkinder erstmals wegen einer Adipositas ärztlich behandelt. Ursache ist hier vor allem Bewegungsmangel und übermäßiges Essen als Ersatzbefriedigung. Bei den älteren Teenagern blieb die Zahl 2020 im Vergleich zu 2019 konstant.

Für den Report untersuchten Wissenschaftler den Angaben zufolge anonymisierte Abrechnungsdaten von rund 800.000 Kindern und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren.

Über dieses Thema berichtete NDR 1 Niedersachsen am 08. März 2021 um 08:00 Uhr.