Luisa Marie Neubauer und Greta Thunberg beim Klimaprotest in Berlin  | Bildquelle: AP

Die Union, die SPD und die Jugend Nicht auf Augenhöhe

Stand: 28.05.2019 11:06 Uhr

Die traditionellen Großparteien können die Jugendlichen kaum mehr erreichen. Dafür sind sie selbst verantwortlich. Immerhin: Noch ist es nicht zu spät.

Von Christopher Jähnert, ARD-Hauptstadtstudio

Wer Union und SPD nach der Europawahl beobachtet, kann sehen, wie Parteien richtig ins Schwimmen geraten. Wie geht man mit den jungen Menschen um, die offenbar nichts mit einem zu tun haben wollen?

"Wir müssen jünger, moderner, cooler werden", sagte CSU-Chef Markus Söder in einer ersten Analyse. Für die Politikwissenschaftlerin Andrea Römmele von der Hertie School of Governance ist das nicht der richtige Begriff. "Das hat überhaupt nicht mit cool oder nicht cool zu tun. Es geht darum, verstanden zu werden, einen Dialog auf Augenhöhe zu haben."

"Mal ihr eigenes Geld verdienen"

Ein Beispiel dafür, was Augenhöhe eben gerade nicht ist, hat auch Thomas Bareiß geliefert, CDU-Vorstandsmitglied und Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Seine Reaktion nach der Wahl kam per Twitter: "Wenn die Erstwähler mal ihr eigenes Geld verdienen und selber spüren, wer das alles bezahlen muss, sieht die Wahl vielleicht auch wieder anders aus," schreibt er.

Solche Statements jedenfalls dürften dem Ziel, junge Menschen für sich zu begeistern, nicht unbedingt nutzen. Passt aber ins Bild.

Klimaschutz war für die meisten Wähler ausschlaggebend. Sicherlich auch von den großen "Fridays for Future"-Schülerdemos beeinflusst - die unter anderem auch Politiker der Union versucht haben, mit dem Schulpflicht-Argument beiseite zu wischen.

Nicht ernst genommen

Auch das war ein Beispiel dafür, dass die Dynamik einfach nicht ernst genommen wurde. Der neue Chef der Jungen Union, Tilman Kuban, übt deshalb Selbstkritik. Er spricht etwa den Umgang mit Artikel 13 an, wo Kritiker als gekauft bezeichnet worden seien. Und auch bei der Bewegung "Fridays for Future" müsse man sich die Frage stellen, wie sie ernster und besser eingebunden werden könne.

Gerade zum Stichwort "Einbinden" kann vor allem die CDU aus den vergangenen Tagen lernen. Kurz vor der Wahl veröffentlichte YouTuber Rezo ein Video gegen die CDU - und die schafft es über Tage nicht, adäquat zu reagieren. Ein Fehler für Politikwissenschaftlerin Römmele. Einen jungen Mann, der in seinem Jugendzimmer Videos produziere, ins Adenauer-Haus einzuladen, wo man ihm mit professionalisierten Statements entgegentrete, sei der falsche Weg, sagt sie.

Wölken: Volksparteien müssen sich anpassen

Da sein, wo die jungen Menschen sind. Die Volksparteien müssen sich an die Jugend anpassen - und nicht andersherum. So sieht das auch SPD-Europapolitiker Tiemo Wölken: "Vor allem müssen wir Politik dort stattfinden lassen, wo sich junge Menschen informieren", sagt er. "Wenn auf diesen Plattformen politische Inhalte gepostet werden, darf es die Politik nicht ignorieren oder bagatellisieren. "

Auch wenn die Wahlergebnisse auf den ersten Blick aussichtslos für die einstigen Volksparteien aussehen. Römmele geht davon aus, dass die Union und auch die SPD immer noch die Chance haben, die jungen Menschen zu erreichen. Das müsse aber schnell geschehen, sagt sie. Jetzt sei es angesagt, die Lebenswelten zu verstehen.

Das Fazit: Die Parteien könnten jedenfalls aus den letzten Wochen und Monaten lernen. Vielmehr sollten sie wohl schnellstens daraus lernen, um eine weitere Schlappe zu vermeiden.

Union und SPD und ihr Jugendproblem
Christopher Jähnert, ARD Berlin
28.05.2019 09:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Mai 2019 um 07:38 Uhr.

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