Außenansicht der Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld | Bildquelle: AP

Größter deutscher Moscheeverband Ditib will den Neuanfang

Stand: 16.01.2019 18:13 Uhr

Der Moscheeverband Ditib verschreibt sich selbst einen Neustart: Weg von Kritik und Debatten, hin zu den Kernaufgaben. In der Politik gibt es Zweifel, ob der neue Weg der Ditib auch weit genug führen wird.

Immer wieder war der Moscheeverband Ditib in die Kritik geraten: zu große Nähe zur türkischen Regierung, Finanzierung aus dem Ausland und dann der Skandal um mutmaßliche Spionage durch dem Verband angehörige Imame. Doch nun will Ditib einen Neuanfang schaffen, betonte der neue Vorstandsvorsitzende Kazim Türkmen vor Journalisten in der Kölner Zentral-Moschee. Der Verband wolle als Religionsgemeinschaft anerkannt werden. "Ditib gehört zu Deutschland", sagte Türkmen.

Türkmen: Strukturwandel braucht Zeit

Ditib sei zu einer "Zielscheibe" geworden und "unberechtigten Angriffen" ausgesetzt gewesen, kritisierte Türkmen, räumte aber zugleich Versäumnisse des Verbandes ein. Die Grundlage für die angestrebten Veränderungen soll der neue Vorstand liefern, der Anfang Januar gewählt wurde.

Laut Türkmen will sich Ditib künftig stärker auf eine seine Hauptaufgaben konzentrieren: die religiöse Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Darum wolle sich der Verband dafür einsetzen, dass in weiteren Bundesländern islamischer Religionsunterricht eingeführt werde.

Doch die Veränderungen im Verband könnten "nicht von heute auf morgen abrupt" geschehen, warnte der neue Vorstandschef. Immerhin sei Ditib ein "soziales Gebilde" und vor allem müsste ein Wandel von innen heraus erreicht werden und dürfe nicht auf "Forderungen von außen" basieren.

Schlussstrich unter Debatten ziehen

Unter die "Debatten" um den eigenen Verein will Türkmen einen Schlussstrich ziehen. Den Vorwurf einer Finanzierung durch Terrororganisationen aus dem Ausland, über den die "Bild" Ende 2018 berichtet hatte, wies er erneut vehement zurück. In Bezug auf den mutmaßlichen Spionage-Skandal im Jahr 2017 betont Türkmen: Alle nötigen Angaben habe Ditib geliefert, das Thema sei abgeschlossen. Insgesamt hatte die Bundesanwaltschaft gegen 19 Imame ermittelt, die im Verdacht standen, vermeintliche Kritiker des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ausspioniert zu haben. Die Ermittlungen wurden eingestellt.

Und die möglicherweise zu große Nähe zur Türkei? Hier bleibt Türkmen vage: Die Diyanet, die türkische Religionsbehörde, werde für die Ditib auch in Zukunft "als Quelle ihrer spirituellen und religiösen Referenz eine wichtige Stütze sein". Über die Behörde werden unter anderem Imame nach Deutschland geschickt, um in Moscheen tätig zu sein.

"Außenposten der türkischen Regierung"

Vor allem die aus ihrer Sicht noch immer unklare Abgrenzung zur türkischen Regierung ist für die Fraktionsvize der Linkspartei im Bundestag, Sevim Dagdelen, Anlass zu neuer Kritik: Von einem Neuanfang könne bei der Ditib keine Rede sein, wenn drei der sieben Mitglieder des neuen Vorstands Beamte der Diyanet seien. Dagdelen warf dem Verband vor, keine Religionsgemeinschaft zu sein, "sondern ein politischer Außenposten der türkischen Regierung in Deutschland".

Auch der Grünen-Politiker Volker Beck hält den vermeintlichen neuen Start der Ditib für wenig glaubwürdig:

"Die Ditib versucht, ihre Fassade neu zu streichen, hat aber noch nicht einmal Farbe mitgebracht."

Beck kritisiert vor allem, dass Ahmad Dilek als stellvertretender Vorsitzender noch immer zum Verbandsvorstand gehört. Immerhin geriet Dilek 2017 im Rahmen des Spionage-Skandals ebenfalls unter Druck. Er war damals Religionsattaché des Kölner Generalkonsulats, aus dem die mutmaßlichen Berichte der damals beschuldigten Imame stammen sollten.

Zurückhaltender äußerte sich das Bundesinnenministerium: Auch hier sei man sich bewusst, dass Ditib "strukturell, finanziell und personell an die Diyanet angebunden" sei. Für das Ministerium zählt aber vor allem, "den Gesprächsfaden mit der Ditib unbedingt zu erhalten".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Januar 2019 um 15:00 Uhr.

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