THW-Helfer auf einer zerstörten Brücke in Bad Neuenahr-Ahrweiler (Foto vom 19. Juli 2021) | AFP
Interview

THW-Vize Lackner zu Anfeindungen "Das kratzt uns nicht"

Stand: 25.07.2021 13:06 Uhr

Beschimpft, behindert, beworfen: Was manchen THW-Helfern in den Flutgebieten widerfährt, mache wütend, so THW-Vize Lackner im Interview. Das Verhalten einiger Störer löse aber auch eine Trotzreaktion bei ihren Kollegen vor Ort aus.

ARD: Frau Lackner, das THW ist seit über einer Woche mit Tausenden Helfern im Hochwasser-Krisengebiet in Rheinland-Pfalz unterwegs. In den vergangenen Tagen wurden Helfer direkt angegriffen - was genau ist passiert?

Sabine Lackner: THW-Einsatzkräfte sind an unterschiedlichen Standorten zunächst angegangen und verunsichert worden. Einsatzkräfte sind, ohne dass sie gefragt wurden, gefilmt worden. Wir haben ihnen dann geraten, die Kennung von der Kleidung zu entfernen.

Es ist an anderer Stelle Unrat und Steine auf Helferinnen und Helfer geworfen worden. Ich möchte das nicht weiter präzisieren, zu den Standorten. Wir merken auch, dass wir Reaktionen darauf bekommen im Netz, dass ich das so offen anspreche.

Und ich möchte nicht, dass - egal welcher Einsatzkraft von egal welcher Organisation oder auch freiwilligen Spontanhelfern - irgendetwas passiert. Wir sind hier für die betroffene Bevölkerung.

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Zur Person

Sabine Lackner ist seit 2001 hauptamtlich beim THW. Sie war unter anderem zuständig für den Bereich Auslandsprojekte und als Referatsleiterin für den Bereich Ausbildung. 2020 wurde sie als erste Frau Vizepräsidentin des Technischen Hilfswerks.

ARD: Wurden Helferinnen und Helfer verletzt?

Lackner: Es gab keine Verletzungen, die ärztlich behandelt werden mussten.

ARD: Wie reagieren denn die Helferinnen und Helfer auf diese Angriffe?

Lackner: Wir sind in ganz engem Kontakt zu unseren Einsatzkräften. Und in dem Moment, wo wir Unsicherheiten erkennen oder wo die Einsatzkräfte sagen, das wird uns zu heikel, würden wir sie sofort aus dieser Situation herausnehmen.

Wir erleben aber, dass die Helferinnen und Helfer sagen, so ein bisschen "jetzt erst recht!", "Wir lassen uns hier nicht einschüchtern, die Menschen brauchen uns, das ist uns hier ganz wichtig."

Sie wissen aber auch, dass wir immer im Hintergrund alles beobachten. Und sobald wir erfahren, dass es "Störer" gibt - so will ich das mal nennen -, dann informieren wir die Polizei, die auch verstärkte Präsenz zeigt. Also es fühlen sich nach wie vor alle noch sicher, wir haben bisher noch keinen Einsatz unter- oder abbrechen müssen.

ARD: Wissen Sie etwas über die Hintergründe dieser Übergriffe? Sie sollen ja zum Teil aus der sogenannten Querdenken-Szene kommen.

Lackner: Wir haben dazu Erkenntnisse, nur ich möchte mich dazu nicht weiter äußern. Denn ich möchte nicht weiter Möglichkeit geben, sich zu positionieren oder Rückschlüsse für weitere Handlungen zu schließen.

ARD: Machen diese Anfeindungen Sie und die Helferinnen und Helfer wütend? Wie fühlen Sie sich?

Lackner: Ja, es macht wütend, aber es löst auch eine Trotzreaktion aus. Ihr kriegt uns hier nicht weg und ihr kriegt uns auch nicht klein! Wir sind für die Menschen hier, die teilweise alles verloren haben.

Ich war in verschiedenen Gemeinden unterwegs, ich war in Bad Neuenahr an der Brücke, wo das THW eine Fährverbindung für die Bevölkerung macht, weil nur noch eine Brücke überhaupt existiert. Damit die Menschen auch mal schnell von A nach B kommen. Das macht mich stolz, wir tun etwas für die Bevölkerung. Und dass da einige Störer versuchen, uns davon abzubringen oder vielleicht auch noch Politik zu machen, im Moment sagen unsere Leute, "das kratzt uns nicht".

Das Interview führte Lucretia Gather, SWR.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 24. Juli 2021 um 23:15 Uhr.