Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt mit Mund-Nasenschutz zum 12. Integrationsgipfel im Kanzleramt.  | dpa

Integrationsgipfel Digital-Offensive für Einwanderer

Stand: 19.10.2020 17:38 Uhr

Die Bundesregierung will mit einer Digital-Offensive Einwanderer in der Corona-Krise besser integrieren. Sie sind von den Auflagen besonders betroffen. So sollen Kurse und Beratungen über Onlineportale und soziale Netzwerke ablaufen.

In Zeiten der Corona-Pandemie setzt die Bundesregierung bei der Integration von Einwanderern auf die Digitalisierung. Insbesondere bei der Erstintegration gebe es hier viele Möglichkeiten, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach dem Integrationsgipfel in Berlin. Das Treffen fand zum zwölften Mal statt, wegen der Pandemie allerdings nur per Videokonferenz. 120 Vertreter von Migrantenorganisationen, Religionsgemeinschaften, Wirtschaft, Politik und Sport nahmen teil.

Nach den Worten der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, dürfe die Pandemie bisherige Integrationserfolge nicht zunichte machen. Viele Kurse seien zu Beginn der Krise nahezu komplett heruntergefahren worden. Widmann-Mauz will, dass diese Veranstaltungen durch Online-Angebote ersetzt werden. Sie nannte zudem ein digitales Streetwork-Programm für Frauen, mit dem diese schnell und in ihrer Muttersprache erreicht werden sollen. Frauen-Beratung soll in sozialen Netzwerken stattfinden.

"Corona zeigt uns, wie wichtig der Einsatz für Integration ist", fügte die Integrationsbeauftragte hinzu. Sie verwies darauf, dass in der Corona-Krise auch viele Zuwanderer "das Land mit am Laufen" halten. "Auch das ist Integration und das müssen wir stärken", betonte Widmann-Mauz.

"Kinder dürfen nicht Verlierer sein"

Die Bundeskanzlerin rief dazu auf, in der Corona-Krise die Integration von Einwanderern nicht außer acht zu lassen. Die Pandemie stelle auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf die Probe, sagte Merkel. Die Krise treffe zwar alle, aber unterschiedlich hart.  Die Kanzlerin verwies darauf, dass Migranten häufig in Branchen arbeiteten, die von der Corona-Krise besonders betroffen seien. Einwanderern gelinge es wegen der pandemie-bedingten Einschränkungen nicht so leicht, in Deutschland Fuß zu fassen, weil Sprachkurse und Beratung nicht wie gewohnt in Präsenzveranstaltungen angeboten würden, fügte sie hinzu.

Auch Bildung und Ausbildung fänden nicht in gewohntem Maße statt. Gerade auch für Kinder, die die deutsche Sprache erwerben wollten, sei der Präsenzbetrieb von Kitas und Schulen sehr wichtig. Junge Menschen dürften nicht zu Verlierern der Pandemie werden, betonte Merkel

Kritik von den Grünen

Die Grünen-Migrationsexpertin Filiz Polat bezeichnete die Ergebnisse des Gipfels als unzureichend. "Anspruch und Wirklichkeit liegen beim zwölften Integrationsgipfel weit auseinander", erklärte sie. Immerhin erkenne die Bundesregierung den Bedarf nach digitalen Integrationsangeboten in Pandemiezeiten an.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Oktober 2020 um 17:00 Uhr.